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Freitag, 31. August 2007

Wo sind die Raeder???


Angekommen! Es waren fast 48 Stunden von Peking bis nach Lhasa. Hoert sich schlimmer an, als es war. Wir konnten gut schlafen, hatten genuegend Verpflegung und konnten somit die Fahrt geniessen. Es boten sich jedoch die meiste Zeit recht seltsame Ansichten. Die Landschaft war extrem eintoenig braun, huegelig und immer wieder von tiefen Furchen durchzogen, die wohl durch Sturzbaeche gerissen wurden. Keine Ahnung, ob die hier einfach alle Baeume abgeholzt haben, und nun mit den Folgen zu kaempfen haben, oder ob die Gegend durch die wir fuhren einfach schon immer so trocken war und nur ab und zu starke Regenfaelle bekommt.

Bauern wie in Europa gibt es hier auch nicht. Die Felder sind extrem klein, so dass man sie wirklich nur per Hand bearbeiten kann, und die Hoefe sehen eher aus wie Ruinen. Aber auch in den Taelern werden die Flaechen fuer den Ackerbau genutzt, obwohl es so aussieht, als muessten jeden Moment die steilen Waende einbrechen oder alles von einem starken Regen weggespuelt werden.

Die Landschaft aenderte sich erst, als wir nach Tibet kamen. Ueber Nacht waren wir ploetzlich auf ueber 4000m gefahren, ohne es selbst mitbekommen zu haben. Dort gab es dann weite Hochebenen, von gruenen Huegeln umrandet. Huegel ist gut gesagt, denn eigentlich sind sie hoeher als jeder Berg in Europa, aber im Schnitt liegen sie doch nur 500m hoeher als die Hochebene. Antilopen, Yaks und Schafe gab es zu sehen, aber wir haben uns mehr fuer die 6 bis 8 Radfahrer interessiert, die sich langsam die Berge hochgearbeitet haben. Haetten wir doch genuegend Zeit vor dem Winter, dann haetten wir die Hoehen auch selber erklommen, was uns auch etwas guenstiger gekommen waere.


In Lhasa angekommen haben sich unsere schlimmen Befuerchtungen dann bewahrheitet. Die Raeder waren nicht da. Wir haetten es uns auch denken koennen, denn in dem Zug gab es ueberhaupt keinen Gepaeckwagen. Und da wir beim Abgeben der Raeder auf keine englischsprachige Person trafen, konnte uns auch keiner sagen, dass es eine Woche dauern wuerde etwas nach Lhasa zu schicken. Jetzt wissen wir es und bangen dem Zeitpunkt entgegen unsere Schaetze wieder in der Hand zu haben. Unsere eigentliche Planung hat sich natuerlich wieder etwas verschoben, denn wir koennen mit dem Radtraining nicht so frueh anfangen. Dafuer werden wir wohl noch einige Wanderungen hier in der Umgebung machen und uns so hoffentlich noch besser aklimatisieren. Das muss ich schon zugeben. Wir sind nicht voellig fertig, aber man merkt die Hoehe, und wir hatten beide schon leichte Kopfschmerzen gehabt.

Heute morgen ging es dann auch gleich um 7 Uhr zum Potala, dem Palast des Dalai Lama. Unser Guide Mr. Phubu hat das so arrangiert, und wir hatten keine Wahl. Der Palast an sich war weniger beeindruckend, als erwartet. Aber das mag auch daran liegen, dass wir innerhalb einer Stunde durch etliche Gebetszimmer, Thronsaele und Kapellen gezerrt wurden. Man hatte ueberhaupt nicht die Zeit irgendwelche Einzelheiten zu bestaunen, wie die kleinen Schnitzereien die Decken und Waende schmuecken, oder die einzelnen Saerge der Lamas naeher zu betrachten. Es war immer nach dem Motto: das ist der Sarg des 5. Dalai Lamas, er wurde aus allen Spenden nach seinem Tode gebaut. Hier ist der Thron des 10.ten Dalai Lama, und das sind die Gottheiten sowie so und und und.

Leider kennen wir uns fast gar nicht mit der Religion aus. Wieso werden zum Beispiel die toten Koerper aufbewahrt, wenn der Geist doch wiedergeboren wird, und es eigentlich nur noch leere Huellen sind? Wiso werden alle Gottheiten als Buddha bezeichnet, und stellen andererseits auch die verschiedenen Dalai Lamas dar? Sind nicht alle Dalai Lamas eine Verkoerperung der Gottheit des Mitleides? So viele Fragen, die man auch gar nicht stellen konnte, weil es viel zu schnell ging. Gesehen haben wir den weissen und den roten Palast, wobei der weisse zum Leben gedacht war und der rote fuer Gebete und zu Repraesentaionszwecken. Die Gebeude sind sehr dunkel, innen mit extrem bunten Tuechern geschmueckt, und wie schon erwaehnt, sind Waende, Decken und Tueren reich verziert mit Malereien und Schnitzarbeiten.

Am meisten hat mich aber die dumme Chinesengruppe hinter uns genervt. Vor uns war keiner, weil wir als Erste morgens in den Palast kamen. Aber die Gruppe hinter uns ist uns immer auf den Pelz gerueckt. Dann laufen da ein paar verzogene, kleine chinesische Maedels im Kaputzenpulli hinter uns her, die bei jeder einzelnen Gottheit stehen bleiben und sich zwei bis drei mal verbeugen. Wenn das Glaube sein soll... Ich denke mit mindestens einem halben Tag dort und der Moeglichkeit meine Zeit selber einzuteilen haette mir der Palast besser gefallen koennen. Dann haette man die Zeit gehabt den wenigen noch heute dort lebenden Moenchen beim Beten oder bei ihren Arbeiten zuzusehen. Man haette die gigantische Ansammlung von tibetischen buddhistischen Schriften bewundern koennen, die alle direkt aus dem Sanskript uebersetzt wurden.

Den restlichen Tag verbrachten wir, wie schon oefters indem wir quer durch die Stadt liefen. Einfach aufs gerade Wohl, und wir haben auch ohne Lonely Planet die kleinen Gassen gefunden, die sich zu einem riesigen Markt zusammenschliessen. Teilweise waren wir auch die einzigen westlichen Touristen, da wir wieder in die kleinsten Gassen sind und uns auch in eine grosse Lagerhalle getraut haben, wo alles Moegliche an kleinen Staenden, die total ueberladen waren, verkauft wurde, von Yakbutter ueber Fleisch bis zu Kleidung. Wir haben natuerlich auch schon wieder einiges probiert, Yakfleisch schmeckt hervorragend. Nur fuer den Boe Cha hat es noch nicht gereicht. Das ist der traditionalle Yakbuttertee mit Salz. Muss wohl schrecklich schmecken, aber wir werden ihn morgen bestimmt probieren.

Morgen und Uebermorgen sind noch mal Touren mit unserem Guide zu verschiedenen Kloestern geplant. Aber auch da werden wir noch ein wenig Zeit finden und vielleicht schon mal die erste Wanderung starten.

Drueckt uns die Daumen, dass die Raeder bald und heil ankommen!!!

Sonntag, 26. August 2007

Auf der Mauer auf der Lauer...

Endlich normale Touris! Nachdem der letzte Post noch ziemlich von unseren nicht enden wollenden Organisationsproblemen gepraegt war, konnten wir uns jetzt endlich den Sehenswuerdigkeiten von Peking widmen.

Vorgestern wollten wir eigentlich die Verbotene Stadt anschauen, zeitlich hat es aber nicht ganz gereicht, sodass wir uns mit dem Jingshan Park und dem Platz des himmlischen Friedens begnuegen mussten. Im Park gibt es einen kuenstlichen Huegel, aufgeschuettet aus dem Abraum der kuenstlichen Seen und dem 50m breiten Wassergraben um die verbotene Stadt. Dieser Berg war lange Zeit der hoechste Punkt Pekings und bot also auch uns einen tollen Ausblick. Ansonsten gleichen sich die Parks hier mehr oder weniger: Viele kleine und groessere Pavillions und Haeuschen, zwischendrin Beete, Wasserlaeufe oder kleine Waldstuecke. Auf den nicht wenigen Rasenflaechen ist - nichts. Die Chinesen haben irgendwie ziemlich Respekt davor, vielleicht liegts an den unmengen Uniformierten, gerade hier um den den Platz des himmlischen Friedens herum. Ueberhaupt waren wir ueberrascht, dass in einem Land, das sich ja selbst als Entwicklungsland bezeichnet und das laut einem Nachwuchs-Parteisoldaten (zu dem spaeter mehr) erstmal alle Leute satt kriegen muss, bevor es woanders investieren kann, soviel Geld fuer unnuetz rumstehende Leute hat. An jeder Kreuzung stehen vier Einweiser, im Stadtzentrum kommen noch alle paar Meter strammstehende Soldaten (fast haette ich Kindersoldaten geschrieben, so sehen sie naemlich aus) dazu. Das wars aber noch nicht: Jedes noch so unwichtige Gebaeude hat einen Wachdienst, In Banken laufen staendig knueppelschwingene Waechter herum und gucken den Kunden beim Warten zu. Jaja, Arbeit ist wohl echt billig hier.

Nach dem Parkbesuch wars dann schon vier und verbotene Stadt hatte nur noch eine Stunde offen. So sind wir also gleich zum Platz d. h. F. gefahren. Auf dem Weg dorthin wurden wir gleich mehrfach von Jugendlichen in ungewoehnlich gutem Englisch angesprochen. Beim ersten Mal waren wir noch etwas skeptisch, die drei Maedels waren irgendwie bissl aggressiv in ihrer Art, mit uns noch was trinken gehen zu wollen. Wir also weiter und 100 Meter spaeter treffen wir ein Paerchen, angeblich auf Sommerurlaub bei der Tante. Man will ja offen sein und nicht in jedem gleich den naechsten Nepper sehen. Also sagen wir nicht nein zu ner Tasse Tee in der Altstadt. Bis zur naechsten Attraktion auf unserem Sightseeing-Plan, dem Flaggeeinholen auf dem Platz d. h. F., ist noch genug Zeit. Ums kurz zu fassen: Der Weg zum Teahouse ist doch doppelt so lang wie versprochen, und die vielen uns gezeigten Geschaefte auf dem Weg dahin lassen uns langsam misstrauisch werden. Endlich angekommen sollen wir dann ploetzlich eine Teezeremonie machen, mit 6 Tees a 3 Euro. Wir geben uns mit nur einem Tee zufrieden und nachdem alle Ueberzeugungsversuche scheitern ("Die Gelegenheit zur Teezeremonie kriegen wir hier nur alle vier Jahre mal.") solls auch noch Raummiete kosten. Da waren wir dann ganz schnell draussen. Obwohl wir ja nicht wirklich Geld verloren haben sind wir doch erstmal enttaeuscht, mit wem soll man hier denn noch ohne Angst zu haben, fuenf Minuten spaeter verarscht zu werden, ein nettes Gespraech fuehren koennen?

Zurueck auf dem Platz .... passiert ES dann endlich zum ersten Mal: Ein schuechterner Chinese fragt mich ob wir nicht mal ein Foto mit mir machen koennen. Das ganze passiert dann noch zweimal in den naechsten 1,5 Stunden. Mit meiner Groesse und den ziemlich langen blondern Haaren faellt man hier schon auf. Obwohl Europaer staendig im Fernsehen auftauchen werden wir nicht selten wie die Mondkaelber angeschaut. Sogar hier in der Hauptstadt! Ueber den Platz selbst gibts eigentlich nicht so viel zu berichten. Er ist angeblich der weltweit groesste Platz und umrahmt von allerlei repraesentativen Prachtbauten wie dem Mao-Museum oder dem Volkskongress, dem chinesischen Moechtegernparlament.

Um kurz nach sieben, puenktlich zum Sonnenuntergang ist es dann soweit: Die 50 groessten Soldaten kommen aus dem Tor des himmlischen Friedens (das Gebaeude mit dem beruehmten Mao-Portrait), ueberqueren die eigens gesperrte Hauptstrasse und marschieren mit 117 Schritt pro Minute zur chinesischen Flagge. Dort drueckt dann der mit dem laengsten Schwert auf einen Knopf und wartet bis die Flagge elektrisch zu Boden geht. Ein anderer packt das gute Stueck dann ziemlich gestenreich ein und die Gruppe marschiert mit ihrer Beute zurueck ins Tor. Die Massen von Chinesen waren von dem Spektakel sichtlich beeindruckt. Da frage ich mich schon wie sehr sie sich wirklich fuer den ueberall gezeigten Nationalstolz begeistern. Trotz dem meist nur angedeutenden Unmut ueber fehlende Menschenrechte sind wohl nicht wenige von der Wichtigkeit eines starken China ueberzeugt.

Gestern dann war das Muss einer jeden Chinareise dran, die Mauer. Dieses Bauwerk haelt wohl so ziemlich alle Rekorde wie Groesse, Volumen, Masse etc. Wahrscheinlich ist es aber auch in den Kategorien wie am "meisten eingesetzte Sklaven" oder "am meisten Tote durch den Bau" ungeschlagen.


Um den tausenden Touristen und den gesalzenen Preisen der Agenturen zu entgehen haben wir uns den Abschnitt in Huanghua ausgesucht. Die Busfahrt mit oeffentlchen Bussen kostete nur ein zehntel der Touristen-Tour, dafuer kann man sich nie so ganz sicher sein am richtigen Ziel auszusteigen. Auf den Bildern seht ihr ein restauriertes Stueck der Mauer. Sie verlaeuft wirklich von Gipfel zu Gipfel. Teilweise sind Treppenstufen eingearbeitet wenns so richtig steil wird bei Steigungen ueber 45 Grad. Nach ner guten Stunde herumkraxeln stiessen wir schliesslich auf eine Gruppe Chinesen, die so ungefaehr das 5fache von Michis Fotoausruestung herumtrugen. Sie waren wie wir aus dem Tal zu einem Wachturm gestiegen, um von dort aus 4 Stunden lang nichts als Fotos zu machen. Michi konnte sich ausgiebig ueber Digitalfotographie unterhalten und auch sonst waren die Jungs sehr gespraechig. Vier fon ihnen waren Studenten und konnten recht gut Englisch. Die meisten Chinesen sind schon mit 22 fertig mit dem Studium (Bachelor), so sollte auch einer aus der Photogruppe naechsten Monat seinen Job bei einem Kohlekraftwerks-Unternehmen anfangen. Ich haette mir ihn auch ganz gut in der 11ten Klasse vorstellen koennen, aber das Alter der Asiaten richtig einschaetzen wird wohl nie so gut klappen wie bei uns Europaern. Ein anderer der vier war Politikstudent auf einer Hochschule des Aussenministeriums. Bei ihm hatte die kommunistische Gehirnwaesche richtig gut funktioniert und so konnten wir mal die offizielle chinesische Linie zu Produktfaelschungen, Menschenrechten und Umweltpolitik hoeren. War ganz interessant aber auf Argumente konnte der Kerl leider gar nicht eingehen.

Schnell war klar, dass wir mit der Guppe im Auto zurueckfahren konnten, was unsere Rueckreise erheblich vereinfachte. Beim Abstieg ins Tal konnte der Michi dann auch mal erfahren, was es heisst, auf Fotosuechtige zu warten :-). Die Chinesen mussten echt alle 50 Meter stehenbleiben. Ihr koennt euch nicht vorstellen was los war als ploetzlich die Wolken aufrissen und so ein romantischer Sonnenstrahl auf den Wald neben der Mauer fiel...

Bevor es dann nach Hause ging, wurden wir noch zum Essen eingeladen. Mal wieder Glueck gehabt, nicht nur wegen dem gesparten Geld. Es gab viele leckere Sachen, die wir alleine wohl niemals haetten bestellen koennen.