Wo sind die Raeder???
Angekommen! Es waren fast 48 Stunden von Peking bis nach Lhasa. Hoert sich schlimmer an, als es war. Wir konnten gut schlafen, hatten genuegend Verpflegung und konnten somit die Fahrt geniessen. Es boten sich jedoch die meiste Zeit recht seltsame Ansichten. Die Landschaft war extrem eintoenig braun, huegelig und immer wieder von tiefen Furchen durchzogen, die wohl durch Sturzbaeche gerissen wurden. Keine Ahnung, ob die hier einfach alle Baeume abgeholzt haben, und nun mit den Folgen zu kaempfen haben, oder ob die Gegend durch die wir fuhren einfach schon immer so trocken war und nur ab und zu starke Regenfaelle bekommt.Bauern wie in Europa gibt es hier auch nicht. Die Felder sind extrem klein, so dass man sie wirklich nur per Hand bearbeiten kann, und die Hoefe sehen eher aus wie Ruinen. Aber auch in den Taelern werden die Flaechen fuer den Ackerbau genutzt, obwohl es so aussieht, als muessten jeden Moment die steilen Waende einbrechen oder alles von einem starken Regen weggespuelt werden.
Die Landschaft aenderte sich erst, als wir nach Tibet kamen. Ueber Nacht waren wir ploetzlich auf ueber 4000m gefahren, ohne es selbst mitbekommen zu haben. Dort gab es dann weite Hochebenen, von gruenen Huegeln umrandet. Huegel ist gut gesagt, denn eigentlich sind sie hoeher als jeder Berg in Europa, aber im Schnitt liegen sie doch nur 500m hoeher als die Hochebene.
Antilopen, Yaks und Schafe gab es zu sehen, aber wir haben uns mehr fuer die 6 bis 8 Radfahrer interessiert, die sich langsam die Berge hochgearbeitet haben. Haetten wir doch genuegend Zeit vor dem Winter, dann haetten wir die Hoehen auch selber erklommen, was uns auch etwas guenstiger gekommen waere.
In Lhasa angekommen haben sich unsere schlimmen Befuerchtungen dann bewahrheitet. Die Raeder waren nicht da. Wir haetten es uns auch denken koennen, denn in dem Zug gab es ueberhaupt keinen Gepaeckwagen. Und da wir beim Abgeben der Raeder auf keine englischsprachige Person trafen, konnte uns auch keiner sagen, dass es eine Woche dauern wuerde etwas nach Lhasa zu schicken.
Jetzt wissen wir es und bangen dem Zeitpunkt entgegen unsere Schaetze wieder in der Hand zu haben. Unsere eigentliche Planung hat sich natuerlich wieder etwas verschoben, denn wir koennen mit dem Radtraining nicht so frueh anfangen. Dafuer werden wir wohl noch einige Wanderungen hier in der Umgebung machen und uns so hoffentlich noch besser aklimatisieren. Das muss ich schon zugeben. Wir sind nicht voellig fertig, aber man merkt die Hoehe, und wir hatten beide schon leichte Kopfschmerzen gehabt.Heute morgen ging es dann auch gleich um 7 Uhr zum Potala, dem Palast des Dalai Lama. Unser Guide Mr. Phubu hat das so arrangiert, und wir hatten keine Wahl. Der Palast an sich war weniger beeindruckend, als erwartet.
Aber das mag auch daran liegen, dass wir innerhalb einer Stunde durch etliche Gebetszimmer, Thronsaele und Kapellen gezerrt wurden. Man hatte ueberhaupt nicht die Zeit irgendwelche Einzelheiten zu bestaunen, wie die kleinen Schnitzereien die Decken und Waende schmuecken, oder die einzelnen Saerge der Lamas naeher zu betrachten. Es war immer nach dem Motto: das ist der Sarg des 5. Dalai Lamas, er wurde aus allen Spenden nach seinem Tode gebaut. Hier ist der Thron des 10.ten Dalai Lama, und das sind die Gottheiten sowie so und und und.Leider kennen wir uns fast gar nicht mit der Religion aus. Wieso werden zum Beispiel die toten Koerper aufbewahrt, wenn der Geist doch wiedergeboren wird, und es eigentlich nur noch leere Huellen sind?
Wiso werden alle Gottheiten als Buddha bezeichnet, und stellen andererseits auch die verschiedenen Dalai Lamas dar? Sind nicht alle Dalai Lamas eine Verkoerperung der Gottheit des Mitleides? So viele Fragen, die man auch gar nicht stellen konnte, weil es viel zu schnell ging. Gesehen haben wir den weissen und den roten Palast, wobei der weisse zum Leben gedacht war und der rote fuer Gebete und zu Repraesentaionszwecken. Die Gebeude sind sehr dunkel, innen mit extrem bunten Tuechern geschmueckt, und wie schon erwaehnt, sind Waende, Decken und Tueren reich verziert mit Malereien und Schnitzarbeiten.Am meisten hat mich aber die dumme Chinesengruppe hinter uns genervt. Vor uns war keiner, weil wir als Erste morgens in den Palast kamen. Aber die Gruppe hinter uns ist uns immer auf den Pelz gerueckt. Dann laufen da ein paar verzogene, kleine chinesische Maedels im Kaputzenpulli hinter uns her, die bei jeder einzelnen Gottheit stehen bleiben und sich zwei bis drei mal verbeugen. Wenn das Glaube sein soll... Ich denke mit mindestens einem halben Tag dort und der Moeglichkeit meine Zeit selber einzuteilen haette mir der Palast besser gefallen koennen. Dann haette man die Zeit gehabt den wenigen noch heute dort lebenden Moenchen beim Beten oder bei ihren Arbeiten zuzusehen. Man haette die gigantische Ansammlung von tibetischen buddhistischen Schriften bewundern koennen, die alle direkt aus dem Sanskript uebersetzt wurden.
Den restlichen Tag verbrachten wir, wie schon oefters indem wir quer durch die Stadt liefen. Einfach aufs gerade Wohl, und wir haben auch ohne Lonely Planet die kleinen Gassen gefunden, die sich zu einem riesigen Markt zusammenschliessen.
Teilweise waren wir auch die einzigen westlichen Touristen, da wir wieder in die kleinsten Gassen sind und uns auch in eine grosse Lagerhalle getraut haben, wo alles Moegliche an kleinen Staenden, die total ueberladen waren, verkauft wurde, von Yakbutter ueber Fleisch bis zu Kleidung. Wir haben natuerlich auch schon wieder einiges probiert, Yakfleisch schmeckt hervorragend. Nur fuer den Boe Cha hat es noch nicht gereicht. Das ist der traditionalle Yakbuttertee mit Salz. Muss wohl schrecklich schmecken, aber wir werden ihn morgen bestimmt probieren.Morgen und Uebermorgen sind noch mal Touren mit unserem Guide zu verschiedenen Kloestern geplant. Aber auch da werden wir noch ein wenig Zeit finden und vielleicht schon mal die erste Wanderung starten.
Drueckt uns die Daumen, dass die Raeder bald und heil ankommen!!!













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