mongolei
Vor zwei Tagen sind wir von der zweiwoechigen Jeeptour zurueckgekommen und es gibt viel zu berichten.
Zunaechst noch die "Ausreise" aus China: Eine Woche mussten wir in Peking verbringen bis wir das mongolische Visum bekamen. Die Zeit haben wir ziemlich gefaulenzt, Blog geschrieben und allerlei organisatorische Erledigungen. Dieses Organisieren von Bustickets, Visas und aehnlichem ist von allem was wir so treiben in Asien diejenige Beschaeftigung, die Arbeiten am naechsten kommt. Macht echt gar keinen Spass. Mittlerweile haben wir aber alle Visas und spaetestens wenn wir aus Russland raus sind werden Grenzen und Visaangelegenheiten uns nicht mehr belaestigen.
Den durchgehenden Zug von Peking nach Ulan Bator konnten wir leider nicht nehmen, selbst bis zur Grenze gabs keinen passenden Zug. Also war nochmal, hoffentlich zum letzten Mal, der Schlafbus angesagt. Mal wieder wurden die Raeder mit Kisten und schweren Koffern misshandelt. So ein chinesischer Busfahrer kann sich einfach nicht vorstellen dass ein Fahrrad mehr als 50 Euro kosten kann! Wie auch immer, die Raeder haben es ueberlebt. In der chinesischen Grenzstadt Erlian kamen wir um sechs Uhr morgens an und es war sowas von kalt. Die Minustemperaturen waren schon mal ein guter Vorgeschmack auf die Mongolei. Die Grenze machte erst um acht auf und dann wurde auch noch wahr, was wir vorher schon geahnt hatten: Man durfte die Grenze nicht als Fussgaenger oder Radfahrer ueberqueren, warum auch immer. Hat dann bis elf gedauert einen Mongolen zu finden, der uns und das Gepaeck fuer viel Geld ueber die Grenze transportiert hat. Am Ende hat alles gut geklappt, am fruehen Nachmittag standen wir am Bahnhof von Zamyn Uud. Das Ticket war schnell gekauft und bis zur Abfahrt hatten wir noch ein paar Stunden Zeit, die wir fuer ein erstaunlich westliches Essen nutzten. Kartoffelbrei mit Frikadellen und Krautsalat, fast wie in der Mensa.
Die Bahnfahrt nach Ulan Bator verlief auch problemlos, wie schon vorher waren eigentlich alle Mongolen recht freundlich zu uns! Bis auf den Taxifahrer in der Hauptstadt. Irgendwie hat er sein Meter so manipuliert dass es zehnmal so schnell durchlaeuft, nach nicht mal 3 Kilometern kamen so 10 Dollar zusammen. Haben wir natuerlich nicht gezahlt, woraufhin er den Kofferraum nicht aufgemacht hat. Echt bloede Situation, wir konnten gar nicht verstehen warum er sich den Stress antut und auf so einem Fantasiepreis beharrt. Gluecklicherweise kam gerade Vera, eine deutsche UN-Praktikantin, mit ihrer Uebersetzerin vorbei. Die beiden holten einen Polizisten herbei, woraufhin der Fahrer endlich auch die Taschen rausrueckte. Schon vorher hatte ich ein Foto gemacht, mit dem unsere Guesthouse-Chefin demnaechst mal zur Polizei gehen will, vielleicht bringt es ja was.

Eigentlich wollten wir uns nicht lange in Ulan Bator aufhalten, die Suche nach Mitfahrern fuer die Jeeptour hat jedoch 4 Tage gedauert. Fuendig wurden wir schliesslich in Neil, 26, aus London und Dorien, 23, aus Holland. Ich hatte schon kaum mehr damit gerechnet zwei Leute zu finden, weil im Moment kaum Touristen im Land sind. So konnten wir einiges an Geld sparen und hatten zudem noch etwas Abwechslung durch neue Leute. Mit dabei waren auch unsere Fuehrerin und Uebersetzerin Hu und der Fahrer Gambald.
Das Hostel hat Verpflegung und Wasser besorgt, dann konnte es schon losgehen in Gambalds UAZ. Dieses Gefaehrt wurde fuers russische Militaer entwickelt und ist ein Minibus in VW-Bus-Groesse auf einem Gelaendewagenfahrgestell. So ein Auto ist auch dringend noetig, gibts es doch schon 10 Kilometer ausserhalb der Hauptstadt kaum noch asphaltierte Strassen. Im Gelaende verbraucht der Bus wohl gute 20 Liter Benzin, welches in der Mongolei etwa halb so viel kostet wie in Deutschland. Man kann sich also vorstellen dass Transportkosten fuer die Mongolen verhaeltnismaessig hoch sind.
Die ersten drei Tage waren wir unterwegs nach Sueden zur Wueste Gobi. So richtig sicher wann die Wueste anfaengt kann man sich nie sein, eigentlich sieht es ueberall sehr staubig und trocken, felsig und sandig aus.
Schon die erste Nacht haben wir bei Nomaden verbracht. Die dreikopfige Familie (Mann, Frau und Bruder des Manns) lebt in einem Ger, dem Rundzelt der Nomaden. Die Gers sind wegen der starken Winde sehr stabil gebaut aus Holz und mehrern Schichten Wollmatte und einem dicken Baumwollueberzug als Wetterschutz. In der Mitte des Raumes ist stets ein Kaminofen zu finden, der gleichzeitig Heizung und Herd ist. Verfeuert wird je nach Landschaft: in unbewaldeten Gebieten mit Ziegen-, Pferde- oder Kamelstuhlgang (Kamel und Rind brennt am besten), sonst mit Holz. Holz ist die Ausnahme und selbst in den waldigen Bergen nicht im Ueberfluss vorhanden, deshalb wird dort auch zusaetzlich Yakdung verfeuert. Ich weiss nicht ob es an der Ernaehrung der mongolischen Tiere liegt, ihr Scheisse verbrennt auf jeden Fall viel geruchsfreundlicher als der tibetische Yakdung.
Soviel zu diesen Thema! Die Waende der Gers sind ueblicherweise mit zwei bis drei Betten und einigen Kommoden und Regalen zugestellt. In der Mitte neben dem Ofen bleibt etwas Platz fuer einen Tisch (so gross und hoch wie ein deutscher Normcouchtisch). Die einfache mongolische Kueche kennt aber auch keine Gerichte fuer die man einen Teller abstellen muesste. Dieser schematische Aufbau eines Gers war in allen Gers wiederzufinden, ein bisschen wie in Reihenhaeusern mit dem gleichen Grundriss fuehlt man sich wenn man in ein neues Ger hereinkommt.
Hereingekommen sind wir in viele Gers. Jede Nacht ausser einer haben wir bei einer Nomadenfamilie verbraucht, meistens hatten sie jedoch ein Zweitger in dem wir schlafen konnten. In einem Ger ist es doch etwas eng zu zehnt! An diesem ersten Tag sind wir wie sonst auch meistens schon 2 Stunden vor Sonnenuntergang angekommen. So konnten wir noch schoen auf den herumliegenden Felsen herumklettern.
Die Mongolen stellen die Zelte meistens windgeschuetzt hinter einem Bergruecken auf. Bei unserer ersten Familie gab es noch einen Unterstand fuer die Ziegen und Schafe. Weiss nicht genau wie gross die Herde war, ca 150 Tiere koennen es schon gewesen sein. Ziegen Schafe und Pferde bilden fuer alle Nomaden die Lebensgrundlage. In Wueste bzw Gebirge besitzen die Meisten noch Kamele bzw Yaks. Normale Rinder haben wir relativ selten gesehen.

Nachdem sich alle ausgetobt hatten, gab es das von Hu zubereitete Essen. Anders als bei den Einheimischen gab es bei uns oft Gemuese und Nudeln. Die mongolische Kueche besteht nur aus: Fleisch pur, Fleisch in Teigtaschen oder Fleisch mit selbstgemachten Nudeln. Frisches kommt fast nicht vor, weshalb auch fast alle Nomaden unter Vitaminmangel leiden. Nach dem Essen konnten wir noch die Familie ausfragen. Wie auch bei den anderen Familien war hier die Frau des Hauses weitaus redefreudiger als ihre Maenner. Wir haben immer Alles gefragt, was uns gerade so einfiel, von der Zahl der Tiere und Kinder ueber die Preise von Caschmir, Fleisch und Gers bis zu politischen Ansichten.
Mit den Tagen hatten wir dann immer mehr ueber das Leben der Mongolen herausgefunden. Damit die Abende nicht langweilig wurden, haben wir spaeter immer oefter gefragt, wie sich die werten Gastgeber eigentlich kennengelernt haben. Bei der duennen Besiedelung ohne Doerfer ja eine berechtige Frage. Hu hat es so erklaert: Die frei herumlaufenden Pferdeherden muessen immer mal wieder von den Soehnen eingefangen und zurueckgefuehrt werden. Bei diesen Tagelangen Suchritten muessen sie dann bei fremden Familien uebernachten und koennen dabei dann die Toechter "auschecken". Einige unserer Gastgeben hatten sich aber auch -wie langweilig- in der Schule oder im Dorf kennengelernt.
Am dritten Tag gab es noch eine Dusche in der Provinzhauptstadt und spaeter eine zweite Unfreiwillige fuer mich in der Eisschlucht Yolyn Am. Diese Schlucht hat so steile Waende, dass sich das ganze Jahr ueber das Eis halten kann. Durch unseren fruehen Reisetermin war auch der See am Eingang der Schlucht zugefroren. Trotz nasser Fuesse haben wir das Eis spaeter alle vorgezogen, die grasigen Haenge daneben waren einfach uebersaet mit Zecken. So viele Zecken, quasi auf jeden Grashalm, hab ich noch nicht gesehen. Im Verlauf konnten wir uns ganz nach unserem Geschmack im Schnee austoben und durchs Eiswasser wandern.
Abends wurden wir noch in diverse mongolische Spiele eingeweiht. Die bei den jaehrlichen Schlachtungen anfallenden Fusswurzelknochen der Ziegen haben sechs Seiten, landen wenn man sie wirft aber immer auf einer von vier gut unterscheidbaren Seiten namens Schaf, Ziege, Pferd, Kamel. Wirklich praktisch, ansonsten muessten tausende Mongolen allabendlich mit Steinen spielen.
Die naechsten Zwei Tage verbrachten wir bei Hus Familie in der suedlichen Gobi. Erst konnten wir beim Sortieren und Fuettern der vielen Neugeborenen (Schafe und Ziegen) helfen, am zweiten Tag stand ein Kamelritt zu den nahegelegenen Sandduenen an. Die Kamele sind, wie man sich vorstellen kann, ziemlich gemaechliche Tiere. Zum Traben waren sie nur schwer zu bewegen und auch beim Lenken hatten sie ihren eigenen Willen. Ansonsten waren wir sehr fasziniert von diesen Tieren. Perfekt angepasst an das kalte Wuestenklima mit unglaublich dickem Fell, auch die Statur hat was erhabenes, nicht zuletzt sind Milch und Fleisch echt lecker.
Zum Reiten ziehen die Mongolen dennoch Pferde vor. Mir hat der Kamelruecken auch das Knie verdreht, so dass an der seit jeher gefuerchteten Stelle wieder Schmerzen auftraten. Das Pferdereiten am vorletzten Tag habe ich deshalb mit Blick auf die kommende Radetappe lieber seingelassen. Nachmittags konnten wir beim Abbau eines Gers dabeisein. Keine halbe Stunde hat es gedauert, was bei der Eiseskaelte dort aber auch noetig war :-)
Die naechsten zwei Tage bestanden wieder aus viel Autofahren um an den Startpunkt der Wanderung zu kommen. Waehren wir Touristen auf den umherliegenden Bergen gespielt haben, hatte Hu alle Haende voll zu tun, ein Transportyak fuer den naechsten Tag zu organisieren. Tatsaechlich standen am naechsten Tag ein Yak und vier Mongolen vor dem Zelt. Das Yak wehrte sich nach Kraeften gegen den "Beladevorgang" musste sich aber durch den Nasenring fuegen.
Tat uns schon irgendwie leid, wenn's nach Neil, Michi und mir gegangen waere hatte wir das Gepaeck auch selbst tragen koennen. Eine Wanderung aus Spass ueber drei Tage ist fuer jeden Mongolen schon kaum zu verstehen, dabei auch noch einen schweren Rucksack aufzuhaben schon gar nicht. Als das Yak schliesslich fertig war, konnte es los gehen. Zwei Mongolen als "Beastmasters" begleiteten uns. Manchmal haette wir auch die kleine Hu noch aufs Yak geschnallt, ihre Unlust am Trekking hat sie sich schon ziemlich anmerken lassen. Naja, wir hatten trotzdem unseren Spass.
Die von Oogi aus dem Hostel als ganz schoen schwer angekuendigte Tagesetappe war schnell vorueber, wir schlugen das Lager am Rande eines zugefrorenen Sees auf. Nachdem der erste Tee gekocht war versuchte Neil noch mit steinzeitlichen Methoden ein Feuer zu entfachen, Oberpyromane Michi und mir ging es aber nicht schnell genug, so dass wir das Freudenfeuer mit Streichhoelzern entfachten. Nach ner halben Stunde hatte Neil etwas Rauch erzeugt und war fuers erste zufrieden. Den restlichen Abend hatten wir vier erwachsenen Menschen dann nur noch ein Ziel vor Augen: Ein Loch im Eis zum Eisfischen!
Aber wie macht man das ohne Werkzeug? Ganz klar, mit heissen Steinen. Immer mehr verfeinerten wir die Technik des Erhitzens, ins immer groesser werdende Loch schmeissen und dortige Zertruemmern der Steine. Ein unglaublicher Enhusiasmus machte sich breit. Die Dicke der Eisschicht hatten wir aber unterschaetzt, nach vielleicht 70 cm mussten wir aufgeben. Je tiefer wir gekommen waren, desto mehr Wasser stroemte durch haarfeine Risse in das Loch und kuehlte die Steine ab bevor sie das Eis schmelzen konnten.
War trotzdem ein toller Tag gewesen. Am zweiten Tag ist nicht viel Erwaehnenswertes passiert. Ausser vielleicht der Tochter der Gastgeber der zweiten Nacht. Ein echt aufgewecktes Kind war das. Die ganze Zeit hat sie kleine Zicklein eingefangen um diese auf den Arm zu nehmen, zu streicheln und bei maennlichen Exemplaren am Penis zu kraulen. Sodomie in der Mongolei, aber den Nachwuchshammeln hat's gefallen!
Der dritte Tag bestand wieder aus Wandern, im Gras sitzen, Pausieren und die Natur geniessen. War alles ganz schoen bis ploetzlich Dorien verschwunden war. Nach eineinhalb Stunden Suche wurde sie von einem der Mongolen aufgespuert und meinte nur so ganz unschuldig "I lost the track?!?!" Wie man einen matschigen Weg, auf dem vorher drei Menschen, zwei Pferde und ein Yak entlanggelaufen sind verfehlen kann ist mir bis heute ein Raetsel. Abends erreichten wir eine Familie, die schon feste Anlaufstation des Tourveranstalters ist. Am nahegelegenen Wasserfall konnten wir abends und am naechsten Vormittag etwas Zeit verbringen. Leider konnte man nich reinspringen und zum Baden war es zu kalt, dafuer konnte
Michi mal wieder was aus Rindenholz schnitzen und seinen Basteltrieb ausleben. Mittags sollte es eigentlich zu heissen Quellen und damit der ersten Dusche seit mehr als einer Woche gehen, bloederweise hatten aber alle heissen Quellen noch geschlossen. Wir waren schon leicht angesaeuert, abends fanden wir aber doch noch ein Touristen-Camp mit angeschlossenen heissen Quellen. Der Pool fuellte sich zwar nicht so schnell mit heissem Wasser, die Duschen waren aber bestens. Da stoerte auch der Schwefelgeruch nicht.
Die Rundreise neigte sich jetzt dem Ende zu, nach einem wenig Neues bringenden Klosterbesuch in Erdene Zuud inlkusive Sandsturm stand am vorletzten Tag noch ein Highlight auf dem Plan: Reiten mit einem echten Pferdedieb! Der 70jaehrige Hirte hatte echt viel zu eraehlen aus seinem Leben. Als junger Mann hatte er mal 2 schnelle Pferde gestohlen und mit ihnen zahlreiche Rennen gewonnen. Spaeter wurde er jedoch entdeckt und musste drei Jahre ins Gefaengniss.
Der Kerl interessierte sich auch sehr fuer Neils Heiratsplaene und riet davon ab, in Bars und Diskotheken nach der Zukuenftigen zu suchen. Er solle lieber eine Mongolin heiraten, dann wuerde er auch ein paar (150) Tiere beisteuern. Dorien, Michi, Neil und Hu waren von den Ausritten am Vor- und Nachmittag sichtlich begeistert. Ich hab wegen der Knieschonungspause das Kochen uebernommen, was auch mal wieder Spass gemacht hat. Es gab Wirbelsaeulensuppe, ein Gericht was man allen chirurgisch Interessierten nur empfehlen kann.
Am letzten Tag war nochmal stundenlanges Fahren angesagt. Obwohl die letzten zwei Wochen wirklich beeindruckend waren, freuten sich alle auf die Annehmlichkeiten der Stadt. Seit der Rueckkehr haben wir denn auch viel geschlaefen und entspannt. Im Moment wissen wir noch nicht genau, wann die Grenze nach Russland offen ist, mitte der naechsten Woche werden wir wohl losfahren Richtung Baikalsee. Wenn alles gut geht sind wir dann in einer guten Woche schon im naechsten Land!
Zunaechst noch die "Ausreise" aus China: Eine Woche mussten wir in Peking verbringen bis wir das mongolische Visum bekamen. Die Zeit haben wir ziemlich gefaulenzt, Blog geschrieben und allerlei organisatorische Erledigungen. Dieses Organisieren von Bustickets, Visas und aehnlichem ist von allem was wir so treiben in Asien diejenige Beschaeftigung, die Arbeiten am naechsten kommt. Macht echt gar keinen Spass. Mittlerweile haben wir aber alle Visas und spaetestens wenn wir aus Russland raus sind werden Grenzen und Visaangelegenheiten uns nicht mehr belaestigen.
Den durchgehenden Zug von Peking nach Ulan Bator konnten wir leider nicht nehmen, selbst bis zur Grenze gabs keinen passenden Zug. Also war nochmal, hoffentlich zum letzten Mal, der Schlafbus angesagt. Mal wieder wurden die Raeder mit Kisten und schweren Koffern misshandelt. So ein chinesischer Busfahrer kann sich einfach nicht vorstellen dass ein Fahrrad mehr als 50 Euro kosten kann! Wie auch immer, die Raeder haben es ueberlebt. In der chinesischen Grenzstadt Erlian kamen wir um sechs Uhr morgens an und es war sowas von kalt. Die Minustemperaturen waren schon mal ein guter Vorgeschmack auf die Mongolei. Die Grenze machte erst um acht auf und dann wurde auch noch wahr, was wir vorher schon geahnt hatten: Man durfte die Grenze nicht als Fussgaenger oder Radfahrer ueberqueren, warum auch immer. Hat dann bis elf gedauert einen Mongolen zu finden, der uns und das Gepaeck fuer viel Geld ueber die Grenze transportiert hat. Am Ende hat alles gut geklappt, am fruehen Nachmittag standen wir am Bahnhof von Zamyn Uud. Das Ticket war schnell gekauft und bis zur Abfahrt hatten wir noch ein paar Stunden Zeit, die wir fuer ein erstaunlich westliches Essen nutzten. Kartoffelbrei mit Frikadellen und Krautsalat, fast wie in der Mensa.
Die Bahnfahrt nach Ulan Bator verlief auch problemlos, wie schon vorher waren eigentlich alle Mongolen recht freundlich zu uns! Bis auf den Taxifahrer in der Hauptstadt. Irgendwie hat er sein Meter so manipuliert dass es zehnmal so schnell durchlaeuft, nach nicht mal 3 Kilometern kamen so 10 Dollar zusammen. Haben wir natuerlich nicht gezahlt, woraufhin er den Kofferraum nicht aufgemacht hat. Echt bloede Situation, wir konnten gar nicht verstehen warum er sich den Stress antut und auf so einem Fantasiepreis beharrt. Gluecklicherweise kam gerade Vera, eine deutsche UN-Praktikantin, mit ihrer Uebersetzerin vorbei. Die beiden holten einen Polizisten herbei, woraufhin der Fahrer endlich auch die Taschen rausrueckte. Schon vorher hatte ich ein Foto gemacht, mit dem unsere Guesthouse-Chefin demnaechst mal zur Polizei gehen will, vielleicht bringt es ja was.

Eigentlich wollten wir uns nicht lange in Ulan Bator aufhalten, die Suche nach Mitfahrern fuer die Jeeptour hat jedoch 4 Tage gedauert. Fuendig wurden wir schliesslich in Neil, 26, aus London und Dorien, 23, aus Holland. Ich hatte schon kaum mehr damit gerechnet zwei Leute zu finden, weil im Moment kaum Touristen im Land sind. So konnten wir einiges an Geld sparen und hatten zudem noch etwas Abwechslung durch neue Leute. Mit dabei waren auch unsere Fuehrerin und Uebersetzerin Hu und der Fahrer Gambald.
Das Hostel hat Verpflegung und Wasser besorgt, dann konnte es schon losgehen in Gambalds UAZ. Dieses Gefaehrt wurde fuers russische Militaer entwickelt und ist ein Minibus in VW-Bus-Groesse auf einem Gelaendewagenfahrgestell. So ein Auto ist auch dringend noetig, gibts es doch schon 10 Kilometer ausserhalb der Hauptstadt kaum noch asphaltierte Strassen. Im Gelaende verbraucht der Bus wohl gute 20 Liter Benzin, welches in der Mongolei etwa halb so viel kostet wie in Deutschland. Man kann sich also vorstellen dass Transportkosten fuer die Mongolen verhaeltnismaessig hoch sind.Die ersten drei Tage waren wir unterwegs nach Sueden zur Wueste Gobi. So richtig sicher wann die Wueste anfaengt kann man sich nie sein, eigentlich sieht es ueberall sehr staubig und trocken, felsig und sandig aus.
Schon die erste Nacht haben wir bei Nomaden verbracht. Die dreikopfige Familie (Mann, Frau und Bruder des Manns) lebt in einem Ger, dem Rundzelt der Nomaden. Die Gers sind wegen der starken Winde sehr stabil gebaut aus Holz und mehrern Schichten Wollmatte und einem dicken Baumwollueberzug als Wetterschutz. In der Mitte des Raumes ist stets ein Kaminofen zu finden, der gleichzeitig Heizung und Herd ist. Verfeuert wird je nach Landschaft: in unbewaldeten Gebieten mit Ziegen-, Pferde- oder Kamelstuhlgang (Kamel und Rind brennt am besten), sonst mit Holz. Holz ist die Ausnahme und selbst in den waldigen Bergen nicht im Ueberfluss vorhanden, deshalb wird dort auch zusaetzlich Yakdung verfeuert. Ich weiss nicht ob es an der Ernaehrung der mongolischen Tiere liegt, ihr Scheisse verbrennt auf jeden Fall viel geruchsfreundlicher als der tibetische Yakdung.Soviel zu diesen Thema! Die Waende der Gers sind ueblicherweise mit zwei bis drei Betten und einigen Kommoden und Regalen zugestellt. In der Mitte neben dem Ofen bleibt etwas Platz fuer einen Tisch (so gross und hoch wie ein deutscher Normcouchtisch). Die einfache mongolische Kueche kennt aber auch keine Gerichte fuer die man einen Teller abstellen muesste. Dieser schematische Aufbau eines Gers war in allen Gers wiederzufinden, ein bisschen wie in Reihenhaeusern mit dem gleichen Grundriss fuehlt man sich wenn man in ein neues Ger hereinkommt.
Hereingekommen sind wir in viele Gers. Jede Nacht ausser einer haben wir bei einer Nomadenfamilie verbraucht, meistens hatten sie jedoch ein Zweitger in dem wir schlafen konnten. In einem Ger ist es doch etwas eng zu zehnt! An diesem ersten Tag sind wir wie sonst auch meistens schon 2 Stunden vor Sonnenuntergang angekommen. So konnten wir noch schoen auf den herumliegenden Felsen herumklettern.
Die Mongolen stellen die Zelte meistens windgeschuetzt hinter einem Bergruecken auf. Bei unserer ersten Familie gab es noch einen Unterstand fuer die Ziegen und Schafe. Weiss nicht genau wie gross die Herde war, ca 150 Tiere koennen es schon gewesen sein. Ziegen Schafe und Pferde bilden fuer alle Nomaden die Lebensgrundlage. In Wueste bzw Gebirge besitzen die Meisten noch Kamele bzw Yaks. Normale Rinder haben wir relativ selten gesehen.
Nachdem sich alle ausgetobt hatten, gab es das von Hu zubereitete Essen. Anders als bei den Einheimischen gab es bei uns oft Gemuese und Nudeln. Die mongolische Kueche besteht nur aus: Fleisch pur, Fleisch in Teigtaschen oder Fleisch mit selbstgemachten Nudeln. Frisches kommt fast nicht vor, weshalb auch fast alle Nomaden unter Vitaminmangel leiden. Nach dem Essen konnten wir noch die Familie ausfragen. Wie auch bei den anderen Familien war hier die Frau des Hauses weitaus redefreudiger als ihre Maenner. Wir haben immer Alles gefragt, was uns gerade so einfiel, von der Zahl der Tiere und Kinder ueber die Preise von Caschmir, Fleisch und Gers bis zu politischen Ansichten.
Mit den Tagen hatten wir dann immer mehr ueber das Leben der Mongolen herausgefunden. Damit die Abende nicht langweilig wurden, haben wir spaeter immer oefter gefragt, wie sich die werten Gastgeber eigentlich kennengelernt haben. Bei der duennen Besiedelung ohne Doerfer ja eine berechtige Frage. Hu hat es so erklaert: Die frei herumlaufenden Pferdeherden muessen immer mal wieder von den Soehnen eingefangen und zurueckgefuehrt werden. Bei diesen Tagelangen Suchritten muessen sie dann bei fremden Familien uebernachten und koennen dabei dann die Toechter "auschecken". Einige unserer Gastgeben hatten sich aber auch -wie langweilig- in der Schule oder im Dorf kennengelernt.
Am dritten Tag gab es noch eine Dusche in der Provinzhauptstadt und spaeter eine zweite Unfreiwillige fuer mich in der Eisschlucht Yolyn Am. Diese Schlucht hat so steile Waende, dass sich das ganze Jahr ueber das Eis halten kann. Durch unseren fruehen Reisetermin war auch der See am Eingang der Schlucht zugefroren. Trotz nasser Fuesse haben wir das Eis spaeter alle vorgezogen, die grasigen Haenge daneben waren einfach uebersaet mit Zecken. So viele Zecken, quasi auf jeden Grashalm, hab ich noch nicht gesehen. Im Verlauf konnten wir uns ganz nach unserem Geschmack im Schnee austoben und durchs Eiswasser wandern.
Abends wurden wir noch in diverse mongolische Spiele eingeweiht. Die bei den jaehrlichen Schlachtungen anfallenden Fusswurzelknochen der Ziegen haben sechs Seiten, landen wenn man sie wirft aber immer auf einer von vier gut unterscheidbaren Seiten namens Schaf, Ziege, Pferd, Kamel. Wirklich praktisch, ansonsten muessten tausende Mongolen allabendlich mit Steinen spielen.
Die naechsten Zwei Tage verbrachten wir bei Hus Familie in der suedlichen Gobi. Erst konnten wir beim Sortieren und Fuettern der vielen Neugeborenen (Schafe und Ziegen) helfen, am zweiten Tag stand ein Kamelritt zu den nahegelegenen Sandduenen an. Die Kamele sind, wie man sich vorstellen kann, ziemlich gemaechliche Tiere. Zum Traben waren sie nur schwer zu bewegen und auch beim Lenken hatten sie ihren eigenen Willen. Ansonsten waren wir sehr fasziniert von diesen Tieren. Perfekt angepasst an das kalte Wuestenklima mit unglaublich dickem Fell, auch die Statur hat was erhabenes, nicht zuletzt sind Milch und Fleisch echt lecker.
Zum Reiten ziehen die Mongolen dennoch Pferde vor. Mir hat der Kamelruecken auch das Knie verdreht, so dass an der seit jeher gefuerchteten Stelle wieder Schmerzen auftraten. Das Pferdereiten am vorletzten Tag habe ich deshalb mit Blick auf die kommende Radetappe lieber seingelassen. Nachmittags konnten wir beim Abbau eines Gers dabeisein. Keine halbe Stunde hat es gedauert, was bei der Eiseskaelte dort aber auch noetig war :-)
Die naechsten zwei Tage bestanden wieder aus viel Autofahren um an den Startpunkt der Wanderung zu kommen. Waehren wir Touristen auf den umherliegenden Bergen gespielt haben, hatte Hu alle Haende voll zu tun, ein Transportyak fuer den naechsten Tag zu organisieren. Tatsaechlich standen am naechsten Tag ein Yak und vier Mongolen vor dem Zelt. Das Yak wehrte sich nach Kraeften gegen den "Beladevorgang" musste sich aber durch den Nasenring fuegen.
Tat uns schon irgendwie leid, wenn's nach Neil, Michi und mir gegangen waere hatte wir das Gepaeck auch selbst tragen koennen. Eine Wanderung aus Spass ueber drei Tage ist fuer jeden Mongolen schon kaum zu verstehen, dabei auch noch einen schweren Rucksack aufzuhaben schon gar nicht. Als das Yak schliesslich fertig war, konnte es los gehen. Zwei Mongolen als "Beastmasters" begleiteten uns. Manchmal haette wir auch die kleine Hu noch aufs Yak geschnallt, ihre Unlust am Trekking hat sie sich schon ziemlich anmerken lassen. Naja, wir hatten trotzdem unseren Spass.
Die von Oogi aus dem Hostel als ganz schoen schwer angekuendigte Tagesetappe war schnell vorueber, wir schlugen das Lager am Rande eines zugefrorenen Sees auf. Nachdem der erste Tee gekocht war versuchte Neil noch mit steinzeitlichen Methoden ein Feuer zu entfachen, Oberpyromane Michi und mir ging es aber nicht schnell genug, so dass wir das Freudenfeuer mit Streichhoelzern entfachten. Nach ner halben Stunde hatte Neil etwas Rauch erzeugt und war fuers erste zufrieden. Den restlichen Abend hatten wir vier erwachsenen Menschen dann nur noch ein Ziel vor Augen: Ein Loch im Eis zum Eisfischen!
Aber wie macht man das ohne Werkzeug? Ganz klar, mit heissen Steinen. Immer mehr verfeinerten wir die Technik des Erhitzens, ins immer groesser werdende Loch schmeissen und dortige Zertruemmern der Steine. Ein unglaublicher Enhusiasmus machte sich breit. Die Dicke der Eisschicht hatten wir aber unterschaetzt, nach vielleicht 70 cm mussten wir aufgeben. Je tiefer wir gekommen waren, desto mehr Wasser stroemte durch haarfeine Risse in das Loch und kuehlte die Steine ab bevor sie das Eis schmelzen konnten.War trotzdem ein toller Tag gewesen. Am zweiten Tag ist nicht viel Erwaehnenswertes passiert. Ausser vielleicht der Tochter der Gastgeber der zweiten Nacht. Ein echt aufgewecktes Kind war das. Die ganze Zeit hat sie kleine Zicklein eingefangen um diese auf den Arm zu nehmen, zu streicheln und bei maennlichen Exemplaren am Penis zu kraulen. Sodomie in der Mongolei, aber den Nachwuchshammeln hat's gefallen!
Der dritte Tag bestand wieder aus Wandern, im Gras sitzen, Pausieren und die Natur geniessen. War alles ganz schoen bis ploetzlich Dorien verschwunden war. Nach eineinhalb Stunden Suche wurde sie von einem der Mongolen aufgespuert und meinte nur so ganz unschuldig "I lost the track?!?!" Wie man einen matschigen Weg, auf dem vorher drei Menschen, zwei Pferde und ein Yak entlanggelaufen sind verfehlen kann ist mir bis heute ein Raetsel. Abends erreichten wir eine Familie, die schon feste Anlaufstation des Tourveranstalters ist. Am nahegelegenen Wasserfall konnten wir abends und am naechsten Vormittag etwas Zeit verbringen. Leider konnte man nich reinspringen und zum Baden war es zu kalt, dafuer konnte
Michi mal wieder was aus Rindenholz schnitzen und seinen Basteltrieb ausleben. Mittags sollte es eigentlich zu heissen Quellen und damit der ersten Dusche seit mehr als einer Woche gehen, bloederweise hatten aber alle heissen Quellen noch geschlossen. Wir waren schon leicht angesaeuert, abends fanden wir aber doch noch ein Touristen-Camp mit angeschlossenen heissen Quellen. Der Pool fuellte sich zwar nicht so schnell mit heissem Wasser, die Duschen waren aber bestens. Da stoerte auch der Schwefelgeruch nicht.
Die Rundreise neigte sich jetzt dem Ende zu, nach einem wenig Neues bringenden Klosterbesuch in Erdene Zuud inlkusive Sandsturm stand am vorletzten Tag noch ein Highlight auf dem Plan: Reiten mit einem echten Pferdedieb! Der 70jaehrige Hirte hatte echt viel zu eraehlen aus seinem Leben. Als junger Mann hatte er mal 2 schnelle Pferde gestohlen und mit ihnen zahlreiche Rennen gewonnen. Spaeter wurde er jedoch entdeckt und musste drei Jahre ins Gefaengniss.
Der Kerl interessierte sich auch sehr fuer Neils Heiratsplaene und riet davon ab, in Bars und Diskotheken nach der Zukuenftigen zu suchen. Er solle lieber eine Mongolin heiraten, dann wuerde er auch ein paar (150) Tiere beisteuern. Dorien, Michi, Neil und Hu waren von den Ausritten am Vor- und Nachmittag sichtlich begeistert. Ich hab wegen der Knieschonungspause das Kochen uebernommen, was auch mal wieder Spass gemacht hat. Es gab Wirbelsaeulensuppe, ein Gericht was man allen chirurgisch Interessierten nur empfehlen kann.Am letzten Tag war nochmal stundenlanges Fahren angesagt. Obwohl die letzten zwei Wochen wirklich beeindruckend waren, freuten sich alle auf die Annehmlichkeiten der Stadt. Seit der Rueckkehr haben wir denn auch viel geschlaefen und entspannt. Im Moment wissen wir noch nicht genau, wann die Grenze nach Russland offen ist, mitte der naechsten Woche werden wir wohl losfahren Richtung Baikalsee. Wenn alles gut geht sind wir dann in einer guten Woche schon im naechsten Land!



















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1 Kommentare:
hey axel!endlich melde ich mich auch mal.....ich schäme mich,v.a. weil ichs auch immer so cool fand wenn leute geschrieben haben...also:SORRY!
ich bin sehr beeindruckt und natürlich zutiefst neidisch;) da kommen mir vals und meine erlebnisse teilweise so gering vor....;)
hier in MR ist es aber eigentlich momentan auch nicht so schlecht,kannst dich schon auf das 6. u 7. semester freuen,viiiiiiiel besser als 5. und 6.;) gerade haben wir psychosomatik-wäre was für dich*lol*
also,wünsche dir bzw euch ne tolle nächste zeit!!grüßt russland für mich,XXX jana
Von
Anonym, Am/um
5. Mai 2008 um 16:31
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