Vietnam
Kaum hatten wir die Strapazen des Ho Chi Minh Pfades hinter uns gebracht stand auch schon das naechste Land vor der Tuer, oder besser gesagt wir vor seiner Grenze. Obwohl solche Grenzuebergaenge, wie man sie aus Europa ja gar nicht mehr kennt, mittlerweile schon fast zur Routine geworden sind, sind wir trotzdem jedes mal gespannt was uns so erwartet. Die meisten Vietnam-erfahrenen Reisenden, die wir vorher getroffen hatten, waren eher reserviert in ihrer Meinung ueber die Vietnamesen.
Der Grenzuebertritt lief problemlos inklusive unserer erfolgreichen Korruptionsbekaempfung. Die Laoten wollten doch tatsaechlich einen Dollar fuer den Ausreisestempel! Die meisten Touristen zahlen dann lieber als zu diskutieren, wir haben aber erstmal nach ner Quittung gefragt fuer die "Stempelgebuehr". Als es die nicht gab und sie die Paesse immer noch nicht abstempeln wollten, half nur noch die Frage, wo denn der Boss sei. Irgendwie hatten die einfachen Beamten dann doch keine Lust Aerger zu bekommen und wir konnten das Land verlassen.
Die protzige Grenzanlage der Vietnamesen konnten wir problemlos passieren und so waren wir wieder mal in einem neuen Land. Wirtschaftlich gehts den Vietnamesen etwas besser als den Laoten, was man sogleich an viel mehr Geschaeften, Maerkten und Autos sehen konnte. Bei all dem Luxus ueberkam uns die akute Fahrradunlust, wir fanden uns kurze Zeit spaeter am Busbahnhof wieder. Abfahrt erst in knapp zwei Stunden, was solls. Fuer Unterhaltung war aber gesorgt: Rund um den schrottreifen Bus waren lauter emsige Vietnamesen zugange. Alle paar Minuten kommt ein Mann mit zwei 25 Kilo Zuckersaecken auf dem Fahrrad. Die Saecke werden abgeworfen und von mehreren Frauen aufgeschnitten und in viele kleine Saecke umverteilt. Die kleinen Saecke kommen schliesslich in dreckige braune Tueten welche wiederum in allen Ritzen und Ecken, ueber den Achsen und in sonstigen "Geheimkammern" versteckt werden. Nach zwei Stunden ist so sicher einne halbe Tonne Zucker verstaut, was fehlt da noch? Natuerlich, die Fahrgaeste. Ein komplett leerer Bus faellt in jedem Entwicklungsland sofort auf. Die Verpackungskuenstler setzen also ein paar lustige Huete auf und verteilen sich im Bus. Das i-Tuepfelchen der Tarnung sind da noch zwei Touristen, die auch noch so dumm sind, fuer ihre Schmuggelhilfe nicht nur kein Geld zu verlangen sondern was zu bezahlen. Wir waren jedenfalls recht gespannt, was wohl passieren wuerde. Nach 30 Minuten Fahrt kam der Checkpoint, wegen dem der ganze Zirkus wohl veranstaltet wurde. Ein paar Busse standen schon da, drumherum das ganze ausgeraeumte Gepaeck. Die Beamten haetten geradezu blind sein muessen um den Zucker (ach ja hab ich schon die ca 200 Stangen Zigaretten erwaehnt) in unserem Bus nicht zu finden. Die Chefin von den Verpackern ist schon vorher ausgestiegen um mit dem Zollbeamten zu reden, vielleicht hat sie auch nur ein bisschen Schmiergeld rueberwachsen lassen. Ein Beamter hat dann noch Michis und meinen Pass ganz streng begutachtet und den Bus daraufhin an der Schlange der gefilzten Busse vorbei durchgewunken. Den ganzen verkleideten Leuten fiel merklich ein Stein vom Herzen und ich hab mich auch irgendwie erleichtert gefuehlt, obwohl ich ja gar nichts zu befuerchten hatte. Spaeter stieg noch eine ziemlich dicke Frau ein, sie hatte um den ganzen Koerper Zigarettenstangen geschnuert. Nachdem sie die im Bus abgenommen hatte war sie aber immer noch ziemlich fett!
Ziel der kurzen Fahrt war Dong Ha, eine nicht weit von der Kueste entfernte Stadt. Allerdings sind fast alle Staedte in Vietnam nicht weit von der Kueste entfernt. Dong Ha selbst hat eigentlich nix zu bieten, am naechsten Tag wollten wir uns aber das Tunnelsystem von Vinh Moc anschauen. Zusammen mit einem englischen Paerchen haben wir uns zwei Roller geliehen und sind mit hundert Sachen gen Norden gebrettert. Ne Spass, sind natuerlich immer nur so 50-60 gefahren. Aber die Roller haben schon ganz gut Leistung, sind alles 100er, die wir in Deutschland gar nicht fahren duerften. Soviel Spass wie in den ersten 10 Minuten macht es auch nie wieder, erst recht nicht, wenn man auf dem unbequemen hinteren Sitz Platz nehmen muss.
Das Tunnelsystem wurde von den Bewohnern eines Fischerdorfes gebaut um sich darin vor den amerikanischen Bombenangriffen verstecken zu koennen. Waehrend dem Vietnamkrieg wurde es immer weiter ausgebaut und spaeter auch von militaerischen Einheiten benuetzt. Mehr und mehr hat sich fuer so manche Vietnamesen das gesamte Leben unter die Erde verlagert, mehrere Kinder wurden in den Tunneln geboren. Komischerweise gab es in den fuer uns Besucher zugaenglichen Abschnitten aber kaum Raeume zum Leben.
Wir sind durch viele niedrige und schmale Gaenge gestolpert und konnten so die ziemlich bedrueckende Atmosphaere am einegenen Leib spueren. Ein kleines Museum stellte ein paar Gebrauchsgegenstaende etc. aus den Tunneln aus, war insgesamt aber nicht so informativ. Auf dem Rueckweg nach Dong Ha wollten wir mit den Englaendern was essen. Da konnten wir mal erleben, wie manche Leute so reisen. Hab' vergessen wie hoch genau das Budget der beiden war, es entprach aber ungefaehr dem was wir pro Tag allein fuer Essen und Uebernachten ausgeben. Keine Ahnung wie die dabei noch irgendwas unternehmen wollen. Jedenfalls mussten wir aus einem Restaurant gehen, weil der Eierreis eineinhalb Dollar gekostet haette und damit einen halben Dollar ueber dem festgelegten Maximalbetrag fuer eine Mahlzeit lag! Echt krass wie man sich quaelen kann. Die beiden waren so hungrig dass sie richtig neidisch auf unser Brot starren mussten. Ich fragte dann noch, warum sie denn nicht einfach einen Monat weniger reisen und dafuer auch mal was gescheites Essen, aber darauf hatten sie auch keine richtige Antwort gefunden...
Der naechste Tag war unser letzter Radreisetag seitdem! Sind 80 Kilometer in die alte Koenigsstadt Hue gefahren. Ausser dass wir einen neuen Rekordschnitt (knapp ueber 25) erreichten war die Fahrt kein Spass. Viel zu viel Verkehr und keine schoene Landschaft zu sehen.
In Hue wollten wir uns die Graeber und Wohnsitze einiger Herrscher anschauen. Sind also einen halben Tag mal wieder mit dem Roller im Umland herumgekurvt und haben dabei die Graeber und Palaeste von Minh Mang und Tu Duc angeschaut. Beide Areale waren wie Parks angelegt, mit vielen Seen, Bruecken, Pagoden und Tempeln hier und da. Schaut euch am besten einfach die Bilder an!




Sicher haetten wir allein in Hue noch drei Tage damit verbringen koennen, weitere Tempel und soweiter anzuschauen, nur nehmen sie sich alle nicht so viel. Die Motivation zum Sightseeing nimmt immer weiter ab, je laenger man in einem "Kulturkreis" ist. Erst recht, wenn man von der Geschichte und den religioesen Bedeutungen der Sehenswuerdigkeiten keine Ahnung hat, so wie wir beide. Folglich sind wir einen Tag spaeter per Bus nach Hanoi gefahren.
Bei der Ankunft haben wir uns erstmal angezickt und danach zwei Tage getrennt verlebt. Tat aber mal ganz gut. Ich hab mir das Mausoleum von Ho Chi Minh angeschaut. Er ist sowas wie der Mao der Vietnamesen. Entsprechend der Tradition anderer kommunistischer Diktatoren haben sie ihm ein prunkvolles Mausoleum gebaut und ihn gegen seinen Willen konserviert und dort zur Schau gestellt. Nachdem ich meine Kamera abgegeben hatte, durfte ich mich in die Schlange der erfuehrchtig wartenden Vietnamesen einreihen. Viele strammstehende und boese guckende Kindersoldaten wollten meine nunmehr leere Tasche kontrollieren und achteten darauf, dass auch ja keiner zu laut redet, vor allem die weisshaarigen amerikanischen Touristen (viele davon bestimmt Vietnamveteranen) wurden besonders gerne ermahnt. Die Vietnamesen waren so still wie nie, kein Handygebruell wie sonst in ganz Asien. Im Inneren bot sich ein bissl gruseliges Bild: Ho Chi Minh lag in seinem Sarg in rotes Licht gehuellt, umringt von 10 Soldaten. Man hatte nicht viel Zeit beim Vorbeigehen, Stehenbleiben war swieso verboten. Wahrscheinlich haben die Machthaber Angst dass doch mal ein Opfer des kommunistischen Regimes gegen den Sarg spuckt oder sonst einen Anschlag veruebt.
Gleich neben dem Mausoleum lag der Praesidentenpalast und das Holzhaus, in dem HCM die letzten Jahre seines Lebens verbracht hat. Natuerlich wird ueberall ein immenser Personenkult um diesen Kerl getrieben. Er ist der tollste, guetigste und weiseste Vietnamese ueberhaupt, hat auf Frauen und andere Annehmlichkeiten verzichtet um sein Leben in Demut und Bescheidenheit einzig und allein dem Wohle des grossartigen vietnamesischen Volkes zu widmen. Amen. Das HCM-Museum war leider zu, so musste ich weiter zum "Tempel der Literatur". Das stand aber alles nur auf Chinesisch, weil die Vietnamesen ihre eigene Schrift erst um 15hundertebbes von einem franzoesischen Missionar geschenkt bekommen haben. Ich habe also nix verstanden und mir die Gebaeude angeschaut. Kamen mir allesamt bekannt vor. Nach einiger Zeit wollte ich mich dann auf eine der vielen leeren Baenke legen um ein kleines Nickerchen zu machen, wurde aber nach ein paar Minuten von so einer Art Hausmeister geweckt. Schlafen verboten. In vietnamesischen Sehenwuerdigkeiten sind nur zwei Sachen erlaubt: Herumlaufen und Souveniers kaufen.
Michi hat sich in der Zeit mit seinen Bildern beschaeftigt. Das Hochladen von den Speicherkarten auf den Rechner dauert oft ziemlich lange, weil die meisten Rechner hier nur den langsamen ersten USB-Standard unterstuetzen. Fuer DVD-Brennen und Hochladen ins Internet geht dann nochmal viel Zeit drauf. Sonst hat er sich noch die Altstadt angeschaut bevor wir uns wieder lieb' hatten und zusammen was unternommen haben. Sonst gab es auch nicht viel Interessantes zu sehen in Hanoi. Nach drei Tagen war es denn auch endlich soweit, unsere erste gefuehrte Tour stand an. Vorher haben wir als achso unabhaengige Backpacker, noch dazu mit eigenem Fortbewegungsmittel, die Pauschaltouristen in ihren Bussen immer etwas belaechelt, jetzt aber wars ganz nett mal gesagt zu bekommen, wo es hingeht, wann es von dort aus weitergeht und wann das Essen auf dem Tisch steht.
Der Ausflug zur Halong Bay ist einfach anders kaum zu machen, jedenfalls nicht zu einem besseren Preis. Wir sind mit einem kleinen Bus nach Halong City gefahren und dort auf unsere Dschunke umgestiegen. Von diesen Holzbooten, die vor langer Zeit wohl wirklich als Transportmittel genutzt wurden, gibt es in der Halong Bay schiere Massen. Alle Dschunken sehen mehr oder weniger gleich aus. Sie bieten Platz fuer ca 30 Passagiere, haben ein Sonnendeck, ein Speisedeck und ein Deck mit Schlafkabinen. Unsere Kabine war wirklich nett, gar kein Vergleich zu dem lausigen Raum im indischen Boot in den Sunderbans. Alles mit Holz vertaefelt und sogar warmes Wasser im geputzten Bad.
Die ersten eineinhalb Tage sind wir zwischen den tausenden Inseln herumgetuckert und haben bei einigen besonderen "Spots" angehalten.
Eine hell-und bunterleuchtete Tropfsteinhoehle gab es zu sehen. War leider etwas kitschig und total ueberfuellt, erstaunlich allerdings dass die riesige Hoehle erst vor 15 Jahren entdeckt wurde. Nach der Hoehle wurden die Massen wie ueblich an allerlei Nippes-Staenden vorbeigelotst. Am Anleger hatten wir vor lauter Touristendschunken Probleme unser eingenes Boot zu finden. Vor dem Ankerplatz fuer die Nachtruhe gabs noch einen kleinen Halt zum Kajakfahren. War mal ne nette Abwechslung. Da wir das GPS immer dabei haben konnte ich die Geschwindigkeit messen - magere 9 km/h als wir so ungefaehr alles gegeben haben! Haette ja gedacht man wird schneller mit sonem Boot.





Der zweite Tag war ziemlich faul. Sind vormittags zur groessten Insel der Halong Bay gefahren und 2 Stunden gewandert, danach gings ins Hotel. Michi war krank und das Wetter ehh nicht so toll. Wirds eigentlich schon langweilig zu lesen? Dauert nicht mehr lange...
Am dritten Tag ging es zurueck zum Hafen und mit dem Bus nach Hanoi. Einen kleinen Zwischenstopp legten wir am Drehort irgendeines alten James Bond Films ein, ganz nette Felsformationen gab es dort zu sehen.
Beim zweiten Aufenthalt in Hanoi ist nicht viel passiert. Unzaehlige gar nicht mal schlechte Doener vom "Cafe Goethe" und "Berliner Doener" Stand haben wir verdrueckt.
Waren zwar nicht so gross wie in Deutschland, mit einem Dollar pro Stueck aber auch nicht so teuer! Eines der Highlights in Vietnam war schliesslich das Wasserpuppentheater. Ganz kurzfristig hatten wir noch Karten bekommen. Die ganze Vorstellung war auf Vietnamesisch ohne Uebersetzung, was bei 95% Touristen etwas komisch war. Aber es kam ja auch mehr auf das visuelle Erlebnis an. In einem Wasserbecken (ca4mX4m) stellten Puppen lustige Dinge miteinander an. Die Puppen waren natuerlich ueber Wasser, die Stangen, an denen sie von den Puppenspielern gehalten wurden, aber unter der Wasseroberflaeche und durch dessen dreckgruene Farbe nicht sichtbar. Die sehr aufwaendigen Figuren waren zum Teil beweglich, konnten etwa winken oder den Hals recken oder sich sonstwie bewegen. Dargestellt wurde so ziemlich alles: Alltaegliche Szenen der Reisernte (incl. Wasserbueffel), Balz, Paarung, Eierlegen und Schluepfen der Gaense oder auch Taenze und Einmarsch des Koenigs.
Letzte Station in Vietnam war Sapa. Diese Stadt in den nordwestlichen Bergen, unweit der chinesischen Grenze ist theoretisch das Trekking-Zentrum Vietnams.
Unser Plan war, in einer dreitaegigen Wanderung den Fansipan, den hoechsten Berg des Landes zu besteigen. Wurde aber alles nix. Nach einer echt anstrengenden Zugfahrt sind wir im Nebel angekommen und einen Tag spaeter im Nebel wieder gefahren. Sichtweite stets unter 50 Meter und dazu nur schlechte Vorhersagen, was soll man dann da? Frueher als erwartet war das Kapitel Vietnam beendet. Die Fahrt zur chinesischen Grenze am naechsten Tag war ganz easy, vom Grenzuebertritt an berichtet Michi im naechsten Eintrag. Achja, Maddin: Uns wurde uebrigens nix geklaut in Vietnam, aber Touristenverarsche vor allem beim Obstkaufen war auch bei uns Standard.
Der Grenzuebertritt lief problemlos inklusive unserer erfolgreichen Korruptionsbekaempfung. Die Laoten wollten doch tatsaechlich einen Dollar fuer den Ausreisestempel! Die meisten Touristen zahlen dann lieber als zu diskutieren, wir haben aber erstmal nach ner Quittung gefragt fuer die "Stempelgebuehr". Als es die nicht gab und sie die Paesse immer noch nicht abstempeln wollten, half nur noch die Frage, wo denn der Boss sei. Irgendwie hatten die einfachen Beamten dann doch keine Lust Aerger zu bekommen und wir konnten das Land verlassen.
Die protzige Grenzanlage der Vietnamesen konnten wir problemlos passieren und so waren wir wieder mal in einem neuen Land. Wirtschaftlich gehts den Vietnamesen etwas besser als den Laoten, was man sogleich an viel mehr Geschaeften, Maerkten und Autos sehen konnte. Bei all dem Luxus ueberkam uns die akute Fahrradunlust, wir fanden uns kurze Zeit spaeter am Busbahnhof wieder. Abfahrt erst in knapp zwei Stunden, was solls. Fuer Unterhaltung war aber gesorgt: Rund um den schrottreifen Bus waren lauter emsige Vietnamesen zugange. Alle paar Minuten kommt ein Mann mit zwei 25 Kilo Zuckersaecken auf dem Fahrrad. Die Saecke werden abgeworfen und von mehreren Frauen aufgeschnitten und in viele kleine Saecke umverteilt. Die kleinen Saecke kommen schliesslich in dreckige braune Tueten welche wiederum in allen Ritzen und Ecken, ueber den Achsen und in sonstigen "Geheimkammern" versteckt werden. Nach zwei Stunden ist so sicher einne halbe Tonne Zucker verstaut, was fehlt da noch? Natuerlich, die Fahrgaeste. Ein komplett leerer Bus faellt in jedem Entwicklungsland sofort auf. Die Verpackungskuenstler setzen also ein paar lustige Huete auf und verteilen sich im Bus. Das i-Tuepfelchen der Tarnung sind da noch zwei Touristen, die auch noch so dumm sind, fuer ihre Schmuggelhilfe nicht nur kein Geld zu verlangen sondern was zu bezahlen. Wir waren jedenfalls recht gespannt, was wohl passieren wuerde. Nach 30 Minuten Fahrt kam der Checkpoint, wegen dem der ganze Zirkus wohl veranstaltet wurde. Ein paar Busse standen schon da, drumherum das ganze ausgeraeumte Gepaeck. Die Beamten haetten geradezu blind sein muessen um den Zucker (ach ja hab ich schon die ca 200 Stangen Zigaretten erwaehnt) in unserem Bus nicht zu finden. Die Chefin von den Verpackern ist schon vorher ausgestiegen um mit dem Zollbeamten zu reden, vielleicht hat sie auch nur ein bisschen Schmiergeld rueberwachsen lassen. Ein Beamter hat dann noch Michis und meinen Pass ganz streng begutachtet und den Bus daraufhin an der Schlange der gefilzten Busse vorbei durchgewunken. Den ganzen verkleideten Leuten fiel merklich ein Stein vom Herzen und ich hab mich auch irgendwie erleichtert gefuehlt, obwohl ich ja gar nichts zu befuerchten hatte. Spaeter stieg noch eine ziemlich dicke Frau ein, sie hatte um den ganzen Koerper Zigarettenstangen geschnuert. Nachdem sie die im Bus abgenommen hatte war sie aber immer noch ziemlich fett!
Ziel der kurzen Fahrt war Dong Ha, eine nicht weit von der Kueste entfernte Stadt. Allerdings sind fast alle Staedte in Vietnam nicht weit von der Kueste entfernt. Dong Ha selbst hat eigentlich nix zu bieten, am naechsten Tag wollten wir uns aber das Tunnelsystem von Vinh Moc anschauen. Zusammen mit einem englischen Paerchen haben wir uns zwei Roller geliehen und sind mit hundert Sachen gen Norden gebrettert. Ne Spass, sind natuerlich immer nur so 50-60 gefahren. Aber die Roller haben schon ganz gut Leistung, sind alles 100er, die wir in Deutschland gar nicht fahren duerften. Soviel Spass wie in den ersten 10 Minuten macht es auch nie wieder, erst recht nicht, wenn man auf dem unbequemen hinteren Sitz Platz nehmen muss.
Das Tunnelsystem wurde von den Bewohnern eines Fischerdorfes gebaut um sich darin vor den amerikanischen Bombenangriffen verstecken zu koennen. Waehrend dem Vietnamkrieg wurde es immer weiter ausgebaut und spaeter auch von militaerischen Einheiten benuetzt. Mehr und mehr hat sich fuer so manche Vietnamesen das gesamte Leben unter die Erde verlagert, mehrere Kinder wurden in den Tunneln geboren. Komischerweise gab es in den fuer uns Besucher zugaenglichen Abschnitten aber kaum Raeume zum Leben.
Wir sind durch viele niedrige und schmale Gaenge gestolpert und konnten so die ziemlich bedrueckende Atmosphaere am einegenen Leib spueren. Ein kleines Museum stellte ein paar Gebrauchsgegenstaende etc. aus den Tunneln aus, war insgesamt aber nicht so informativ. Auf dem Rueckweg nach Dong Ha wollten wir mit den Englaendern was essen. Da konnten wir mal erleben, wie manche Leute so reisen. Hab' vergessen wie hoch genau das Budget der beiden war, es entprach aber ungefaehr dem was wir pro Tag allein fuer Essen und Uebernachten ausgeben. Keine Ahnung wie die dabei noch irgendwas unternehmen wollen. Jedenfalls mussten wir aus einem Restaurant gehen, weil der Eierreis eineinhalb Dollar gekostet haette und damit einen halben Dollar ueber dem festgelegten Maximalbetrag fuer eine Mahlzeit lag! Echt krass wie man sich quaelen kann. Die beiden waren so hungrig dass sie richtig neidisch auf unser Brot starren mussten. Ich fragte dann noch, warum sie denn nicht einfach einen Monat weniger reisen und dafuer auch mal was gescheites Essen, aber darauf hatten sie auch keine richtige Antwort gefunden...Der naechste Tag war unser letzter Radreisetag seitdem! Sind 80 Kilometer in die alte Koenigsstadt Hue gefahren. Ausser dass wir einen neuen Rekordschnitt (knapp ueber 25) erreichten war die Fahrt kein Spass. Viel zu viel Verkehr und keine schoene Landschaft zu sehen.
In Hue wollten wir uns die Graeber und Wohnsitze einiger Herrscher anschauen. Sind also einen halben Tag mal wieder mit dem Roller im Umland herumgekurvt und haben dabei die Graeber und Palaeste von Minh Mang und Tu Duc angeschaut. Beide Areale waren wie Parks angelegt, mit vielen Seen, Bruecken, Pagoden und Tempeln hier und da. Schaut euch am besten einfach die Bilder an!



Sicher haetten wir allein in Hue noch drei Tage damit verbringen koennen, weitere Tempel und soweiter anzuschauen, nur nehmen sie sich alle nicht so viel. Die Motivation zum Sightseeing nimmt immer weiter ab, je laenger man in einem "Kulturkreis" ist. Erst recht, wenn man von der Geschichte und den religioesen Bedeutungen der Sehenswuerdigkeiten keine Ahnung hat, so wie wir beide. Folglich sind wir einen Tag spaeter per Bus nach Hanoi gefahren.
Bei der Ankunft haben wir uns erstmal angezickt und danach zwei Tage getrennt verlebt. Tat aber mal ganz gut. Ich hab mir das Mausoleum von Ho Chi Minh angeschaut. Er ist sowas wie der Mao der Vietnamesen. Entsprechend der Tradition anderer kommunistischer Diktatoren haben sie ihm ein prunkvolles Mausoleum gebaut und ihn gegen seinen Willen konserviert und dort zur Schau gestellt. Nachdem ich meine Kamera abgegeben hatte, durfte ich mich in die Schlange der erfuehrchtig wartenden Vietnamesen einreihen. Viele strammstehende und boese guckende Kindersoldaten wollten meine nunmehr leere Tasche kontrollieren und achteten darauf, dass auch ja keiner zu laut redet, vor allem die weisshaarigen amerikanischen Touristen (viele davon bestimmt Vietnamveteranen) wurden besonders gerne ermahnt. Die Vietnamesen waren so still wie nie, kein Handygebruell wie sonst in ganz Asien. Im Inneren bot sich ein bissl gruseliges Bild: Ho Chi Minh lag in seinem Sarg in rotes Licht gehuellt, umringt von 10 Soldaten. Man hatte nicht viel Zeit beim Vorbeigehen, Stehenbleiben war swieso verboten. Wahrscheinlich haben die Machthaber Angst dass doch mal ein Opfer des kommunistischen Regimes gegen den Sarg spuckt oder sonst einen Anschlag veruebt.
Gleich neben dem Mausoleum lag der Praesidentenpalast und das Holzhaus, in dem HCM die letzten Jahre seines Lebens verbracht hat. Natuerlich wird ueberall ein immenser Personenkult um diesen Kerl getrieben. Er ist der tollste, guetigste und weiseste Vietnamese ueberhaupt, hat auf Frauen und andere Annehmlichkeiten verzichtet um sein Leben in Demut und Bescheidenheit einzig und allein dem Wohle des grossartigen vietnamesischen Volkes zu widmen. Amen. Das HCM-Museum war leider zu, so musste ich weiter zum "Tempel der Literatur". Das stand aber alles nur auf Chinesisch, weil die Vietnamesen ihre eigene Schrift erst um 15hundertebbes von einem franzoesischen Missionar geschenkt bekommen haben. Ich habe also nix verstanden und mir die Gebaeude angeschaut. Kamen mir allesamt bekannt vor. Nach einiger Zeit wollte ich mich dann auf eine der vielen leeren Baenke legen um ein kleines Nickerchen zu machen, wurde aber nach ein paar Minuten von so einer Art Hausmeister geweckt. Schlafen verboten. In vietnamesischen Sehenwuerdigkeiten sind nur zwei Sachen erlaubt: Herumlaufen und Souveniers kaufen.
Ganz Hanoi ist verstopft von Rollern. Wenn man ueber die Strasse gehen will, so wird man von einem bestaendigen Strom von Rollern umgeben.
Hmm, was koennte das wohl leckeres sein?
Michi hat sich in der Zeit mit seinen Bildern beschaeftigt. Das Hochladen von den Speicherkarten auf den Rechner dauert oft ziemlich lange, weil die meisten Rechner hier nur den langsamen ersten USB-Standard unterstuetzen. Fuer DVD-Brennen und Hochladen ins Internet geht dann nochmal viel Zeit drauf. Sonst hat er sich noch die Altstadt angeschaut bevor wir uns wieder lieb' hatten und zusammen was unternommen haben. Sonst gab es auch nicht viel Interessantes zu sehen in Hanoi. Nach drei Tagen war es denn auch endlich soweit, unsere erste gefuehrte Tour stand an. Vorher haben wir als achso unabhaengige Backpacker, noch dazu mit eigenem Fortbewegungsmittel, die Pauschaltouristen in ihren Bussen immer etwas belaechelt, jetzt aber wars ganz nett mal gesagt zu bekommen, wo es hingeht, wann es von dort aus weitergeht und wann das Essen auf dem Tisch steht.
Der Ausflug zur Halong Bay ist einfach anders kaum zu machen, jedenfalls nicht zu einem besseren Preis. Wir sind mit einem kleinen Bus nach Halong City gefahren und dort auf unsere Dschunke umgestiegen. Von diesen Holzbooten, die vor langer Zeit wohl wirklich als Transportmittel genutzt wurden, gibt es in der Halong Bay schiere Massen. Alle Dschunken sehen mehr oder weniger gleich aus. Sie bieten Platz fuer ca 30 Passagiere, haben ein Sonnendeck, ein Speisedeck und ein Deck mit Schlafkabinen. Unsere Kabine war wirklich nett, gar kein Vergleich zu dem lausigen Raum im indischen Boot in den Sunderbans. Alles mit Holz vertaefelt und sogar warmes Wasser im geputzten Bad.
Die ersten eineinhalb Tage sind wir zwischen den tausenden Inseln herumgetuckert und haben bei einigen besonderen "Spots" angehalten.

Eine hell-und bunterleuchtete Tropfsteinhoehle gab es zu sehen. War leider etwas kitschig und total ueberfuellt, erstaunlich allerdings dass die riesige Hoehle erst vor 15 Jahren entdeckt wurde. Nach der Hoehle wurden die Massen wie ueblich an allerlei Nippes-Staenden vorbeigelotst. Am Anleger hatten wir vor lauter Touristendschunken Probleme unser eingenes Boot zu finden. Vor dem Ankerplatz fuer die Nachtruhe gabs noch einen kleinen Halt zum Kajakfahren. War mal ne nette Abwechslung. Da wir das GPS immer dabei haben konnte ich die Geschwindigkeit messen - magere 9 km/h als wir so ungefaehr alles gegeben haben! Haette ja gedacht man wird schneller mit sonem Boot.




Der zweite Tag war ziemlich faul. Sind vormittags zur groessten Insel der Halong Bay gefahren und 2 Stunden gewandert, danach gings ins Hotel. Michi war krank und das Wetter ehh nicht so toll. Wirds eigentlich schon langweilig zu lesen? Dauert nicht mehr lange...
Enger Felstunnel ins innere einer Insel.
Hausbote auf denen die Fischer und Fischfarmer leben.
Am dritten Tag ging es zurueck zum Hafen und mit dem Bus nach Hanoi. Einen kleinen Zwischenstopp legten wir am Drehort irgendeines alten James Bond Films ein, ganz nette Felsformationen gab es dort zu sehen.
Beim zweiten Aufenthalt in Hanoi ist nicht viel passiert. Unzaehlige gar nicht mal schlechte Doener vom "Cafe Goethe" und "Berliner Doener" Stand haben wir verdrueckt.
Waren zwar nicht so gross wie in Deutschland, mit einem Dollar pro Stueck aber auch nicht so teuer! Eines der Highlights in Vietnam war schliesslich das Wasserpuppentheater. Ganz kurzfristig hatten wir noch Karten bekommen. Die ganze Vorstellung war auf Vietnamesisch ohne Uebersetzung, was bei 95% Touristen etwas komisch war. Aber es kam ja auch mehr auf das visuelle Erlebnis an. In einem Wasserbecken (ca4mX4m) stellten Puppen lustige Dinge miteinander an. Die Puppen waren natuerlich ueber Wasser, die Stangen, an denen sie von den Puppenspielern gehalten wurden, aber unter der Wasseroberflaeche und durch dessen dreckgruene Farbe nicht sichtbar. Die sehr aufwaendigen Figuren waren zum Teil beweglich, konnten etwa winken oder den Hals recken oder sich sonstwie bewegen. Dargestellt wurde so ziemlich alles: Alltaegliche Szenen der Reisernte (incl. Wasserbueffel), Balz, Paarung, Eierlegen und Schluepfen der Gaense oder auch Taenze und Einmarsch des Koenigs.Letzte Station in Vietnam war Sapa. Diese Stadt in den nordwestlichen Bergen, unweit der chinesischen Grenze ist theoretisch das Trekking-Zentrum Vietnams.
Unser Plan war, in einer dreitaegigen Wanderung den Fansipan, den hoechsten Berg des Landes zu besteigen. Wurde aber alles nix. Nach einer echt anstrengenden Zugfahrt sind wir im Nebel angekommen und einen Tag spaeter im Nebel wieder gefahren. Sichtweite stets unter 50 Meter und dazu nur schlechte Vorhersagen, was soll man dann da? Frueher als erwartet war das Kapitel Vietnam beendet. Die Fahrt zur chinesischen Grenze am naechsten Tag war ganz easy, vom Grenzuebertritt an berichtet Michi im naechsten Eintrag. Achja, Maddin: Uns wurde uebrigens nix geklaut in Vietnam, aber Touristenverarsche vor allem beim Obstkaufen war auch bei uns Standard.
Kleine Nippes-Verkaeuferinnen. Die alten waren aber penetranter: "Buy from meee, buy from meee!".


Get firefox !!
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3 Kommentare:
Wieso seit ihr euch so sicher, dass das weisse Zeug in den Saeckchen Zucker war...?
Von
Anonym, Am/um
15. April 2008 um 00:02
wir haben beide 'ne line gezogen, hat aber lange nich so gekickt wie das koks was wir sonst immer nehmen. muss also zucker gewesen sein
Von
Axel, Am/um
15. April 2008 um 10:22
ihr hättet mir ja wenigstens einen ipod zurück klauen können, so als ausgleichende gerechtigkeit...
Von
Anonym, Am/um
21. April 2008 um 14:46
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