Indien zweiter Teil
Die ersten machen sich schon Sorgen, ob wir noch leben, da wird's mal wieder Zeit fuer einen neuen Bericht. Wir sind gerade in Sikkim, leben noch und uns gehts so gut wie schon seit Wochen nicht mehr. Dank sei Ciprofloxacin (Wirkmechanismus vergessen) das unsere Darmflora schoen aufgemischt und schliesslich fuer Ruhe gesorgt hat. So genau weiss man ja nie woher man sich welchen Durchfall holt, hier in Dreckindien kommt ja quasi jedes Essen in Frage. Aber ich will mal von vorne anfangen:
Von Agra sind wir mit dem Zug nach Varanasi gefahren. Anders als bei der ersten Zugfahrt hatten wir uns um die korrekte Anmeldung der Raeder beim "Parcel Office" gekuemmert. Abgesehen von den dreisten Indern, die immer wenn sie glauben man sieht sie nicht meinen am Fahrrad rumzutatschen und die Schalthebel (die haben sie ja vorher noch nie gesehen) verstellen zu muessen hat das Verladen gut geklappt. Wenn man den Stress mit den Raedern nicht hat ist das Bahnfahren in Indien allerdings nicht zu verachten. Viel bequemer als Bus (oder Rad) und vergleichsweise sauber sind die Waggons auch, warum? Na klar, weil die Leute den Muell aus dem Fenster werfen. Auch kann man hier mitten im Bahnhof auf die Gleisse schei..., bei uns gibts solche Toiletten im Zug ja nicht mehr. Haetten wir aus Rache mal machen sollen, andererseits kann man die Inder damit auch kaum treffen,
die kacken ja selbst ueberall hin ausser in ihre eigene Wohnung. Ihr seht, solche Gedanken macht man sich wenn man zu lange hier ist. Wie auch immer, nach der Varanasi Fahrt haben wir entschieden, in Zukunft nur noch Bus zu fahren. Da ist das Fahrrad auf dem Dach und kann nicht von jedem Schlingel (also potenziell jedem Inder) runtergeklaut werden.
Manche fragen sich vielleicht, wie kann denn der Axel die alle so ueber einen Kamm scheren, die armen Inder? Wie ungerecht! Doch man kann es. In den sechs Wochen, die wir nun hier sind haben wir keine zehn Leute getroffen die nett und hilfsbereit waren ohne spaeter Geld zu verlangen. Alle anderen wollen einen entweder nur bloed anglotzen oder anschreien oder abzocken. Besonders bei Leuten die gut Englisch sprechen wird man immer wieder enttaeuscht. Andauernd faengt einer ein Gespraech an und man gibt ihnen dann doch oft ne Chance weil man ja auch nicht jeden gleich als Nepper abstempeln will, am Ende holen sie dann doch ihre Postkarten oder anderen Nippes hervor den wir ehh nicht kaufen. Jaja die Leute wollen doch nur von was Leben und blabla. Bei uns wollen die Leute ja auch von was Leben, nur kriegen sie das auch hin ohne die Leute zu verarschen und hintenrum Geld zu verlangen. Weitere Beispiele folgen.
Zureuck nach Varanasi. Die heilige Stadt. Am heiligen Fluss, dem Ganges. Was den hinduistischen Indern daran so heilig ist haben wir nicht ganz rausfinden koennen. Jedenfalls ist die Stadt genauso vermuellt und uebervoelkert wie alle anderen Staedte die wir bisher gesehen haben. Sind also mit vollbeladenen Raedern aus dem Bahnhof gekommen und wollten uns gerade in den Verkehr stuerzen, als ES mal wieder passiert ist: Man muss wissen, die Raeder wiegen beladen so 50-60kg und sind so ziemlich unhandlich, aber trotzdem fragt uns der Rikschafahrer ob wir nicht seine Dienste in Anspruch nehmen wollen. Das passiert immer wieder. Wie stellen die sich das vor mit unseren zwei Raedern auf der winzigen Sitzbank der Rikscha? Das geht nicht und meistens sehen sie das dann auch ein und gucken dann immer etwas verstoert. Achso, ihr denk jetzt an das Gute im Inder, die meinten vielleicht nur dass sie vor uns her Fahren als Lotsen sozusagen, aber das haben wir jedes mal ausgeschlossen, sie wollen einen wirklich selbst transportieren.... unglaublich.
In Varanasi dreht sich alles um die Ghats, das sind befestigte Treppen, an denen man bis an das Wasser des Ganges laufen kann, um zu baden, zu trinken, Waesche zu waschen, den Muell auszuleeren, ins Wasser zu pinkeln, ein Boot zu besteigen, seine (verstorbenen) Verwandten auf einem Scheiterhaufen zu verbrennen, zu singen und zu beten, Sachen zu verkaufen oder auch um einfach nur spazieren zu gehen. Man kann also fast alles machen dort
und so gibt es auch immer was zu sehen. Auf einer Laenge von sieben km gibt es 80 Ghats und ca 30 Abwasserkanaele die zwischendrin in den Ganges muenden. Unser Hotel war direkt an einem der Ghats, so hatten wir es nicht weit zu den Sehenswuerdigkeiten, allerdings hatten die Sehenswuerdigkeiten es auch nicht weit zu uns. Direkt neben dem Hotel war ein Schrein, der hat zwei Jungs immer mal wieder auch nachts dazu veranlasst, ne Viertelstunde lang auf einem Topf herumzutrommeln. Das hat wahrscheinlich ihr Karma verbessert. Das Karma ist so eine Art spirituelles Konto. Ist der
Kontostand hoch, hat man gute Chancen, bei der naechsten Wiedergeburt als etwas besseres wiedergeboren zu werden. Zum Beispiel in einer hoeheren Kaste. Im Umkehrschluss bedeutet dies aber auch, das Menschen in einer niedrigen Kaste oder Tiere sich im vorigen Leben so schlecht verhalten haben, dass sie eben nur als Tier oder Mensch von niederem Stand wiedergeboren wurden. Von so einem ist also nicht viel zu halten und dementsprechend werden die Leute auch von behandelt.
Dieses System hat einige interessante Folgen, die wir gerade in Varanasi gut beobachten konnten.
Ein mutmassliches Mitglied einer hoeheren Kaste (zu erkennen an der Kleidung) redet mit dem Rikschafahrer einfach nicht, der kommt quasi immer aus einer niedrigen Kaste. Am Ziel steigt der Fahrgast aus und gibt dem Fahrer seinen Schein ohne ihn dabei anzuschauen, verabschieden tut er sich schon gar nicht.
Meistens haben wir natuerlich gesehen was die Leute alles Laecherliches anstellen um ihr Karma zu verbessern:
Im Ganges Baden: Das ist der Grund fuer die Hindus, nach Varanasi zu kommen. Der Ganges sammelt das Abwasser
von einem was weiss ich wie riesigen Gebiet ein und ist so ungefaehr das dreckigste Wasser das ich je gesehen habe. Trotzem ist es das Groesste fuer einen Hindu, gerade wenn er/sie arm ist und sich eine Reise nach Varanasi vielleicht nur einmal im Leben leisten kann, im Ganges zu baden. Dabei schrubbt man ordentlich den ganzen Koerper ab und gurgelt vielleicht noch ein bisschen. Unser Bootsfahrer erzaehlte, er goennt sich auch gerne mal nen Schluck von der verkeimten Bruehe. Von solch naiven, nichts hinterfragenden Glaeubigen kann die katholische Kirche in Deutschland wohl nur noch traeumen.

Wenn man sich schon selbst "gewaschen" hat, kann man ja auch gleich noch seine Klamotten und Bettwaesche reinigen. Am Besten wenn, wie auf dem Foto jemand drei Meter weiter mit nem Wasserstrahl den Schlamm vom letzten Hochwasser wegspuelt! Zum Trocknen legen wir die strahlendweissen Laken dann in den Staub auf der Boeschung. Das haette der neueste Siemens Landromat auch nich besser machen koennen...
Ausser den Ghats haben wir uns noch die Hindu-Universitaet angeschaut. War eine ganz angenehme Atmosphaere und wir sind auch durch ein paar Institute gelaufen, Vorlesungen gab es aber nicht zu der Zeit. Dafuer hat uns ein Mitarbeiter durch das Museum des Zoologischen Instituts gefuert. Immer wieder mal hat er einen Schrank aufgemacht und den den Voegeln ein paar Federn ausgerissen, so dass das Stroh zum ausstopfen darunter zum Vorschein kam. Er wollte ganz sichergehen dass wir ihm auch glauben dass all die Tiere nicht echt sind...
Die restliche Zeit haben wir mal wieder mit Kranksein verbracht. Das und der staendige Laerm und Gestank haben unser schlechtes Bild von Varanasi gepraegt. Achja, zwischendurch ist auch noch ne Bombe hochgegangen, allerdings weit weg von uns. Sind dann nach ueber einer Woche mit dem Bus nach Patna weitergefahren. Dort ging der Horror gleich weiter. Nach langer Fahrt mitten in der Nacht angekommen, haben wir erst nach zwei Stunden Herumirren ein Hotel gefunden, dass noch Platz hatte. Zur gleichen Zeit war eine riesige politische Kundgebung in dieser mal wieder einfach nur haesslichen Stadt. Michis Zustand wurde auch nicht besser und wir hoerten immer oefter Warnungen von der politischen Instabilitaet in der Region. Deswegen haben wir uns am naechsten Tag entschlossen gleich nach Siliguri weiterzufahren und nicht zur Sonepur Mela zu gehen. Diese riesige Tiermesse mit Elefanten und anderen exotischen Tieren, aber eben auch zigtausend Menschen war uns dann nicht mehr so ganz geheuer.
In Siliguri waren wir dann wirklich froh, aus der Gangesebene heraus zu sein. Bevor wir uns nach der Nachtfahrt ins Bett legen konnten, gabs erst nochmal Streit mit der Bus Besatzung, der mal wieder die Mentalitaet der Inder gezeigt hat: Ohne sie dazu aufgefordert zu haben helfen uns zwei Maenner beim Abladen der Taschen und Raeder vom Busdach. Keine Ahnung ob die zum Busunternehmen gehoerten oder einfach "freischaffend" waren, jedenfalls riss der eine so lange an meinem Rad herum, bis er den Schaltzuggegenhalter kaputt gekriegt hat. Als wir alles untenhaben verlangen diesen dreisten Menschen auch noch Geld fuer eine "Leistung", die niemand von ihnen verlangt hat. 50! Rupien, etwa die Haelfte dessen, was 3/4 der Inder am Tag zum Leben haben. Und das fuer nicht mal fuenf Minuten unverlangte "Arbeit". Haben natuerlich nichts gekriegt, am liebsten haett ich noch jedem eine gescheuert, waren aber zu viele da. Dass sie beim Abladen das Rad beschaedigt hatten, wollten sie natuerlich auch nicht verstehen. Meistens reicht das Englisch halt nur zum Geldverlangen.
Man merkt schon, zu dem Zeitpunkt hatten wir einfach einen Hass auf (fast) alle Inder. Da gibts nichts zu beschoenigen.
Seitdem sind nun schon wieder zwei Wochen vergangen, in denen wir uns ganz gut erholen konnten. Nach zwei Naechten in Siliguri sind wir per Rad losgefahren nach Darjeeling. Schon in Siliguri hat man den chinesischen Einfluss gespuert, auf dem Weg haben wir dann immer mehr Sikkimesen (die Leute aus Sikkim) gesehen. Weiss auch nicht wie die Leute ethnisch einzuordnen sind, sie sehen jedenfalls den Tibetern ziemlich aehnlich und sind auch viel gelassener und unaufdringlicher als der gemeine Inder.
Sehr angenehm. Die 90km nach Darjeeling haben wir auf zwei Tage aufgeteilt und das war auch gut so. Es ging einfach dauerbergauf von 100m auf 2300m, ohne auch nur mal 50 Meter im Ebenen wo man sich kurz haette ausruhen koennen. Direkt neben der Strasse verlaueft der Toy Train, eine Schmalspurbahn die noch waehrend der Kolonialzeit von den Briten gebaut wurde. Diese hatten waehrend einer kriegerischen Auseinandersetzung den Ort, an dem jetzt Darjeeling ist, gesichtet und dort eine "Hill Station" gegruendet um Tee anzubauen und im Sommer einen kuehlen Erholungsort zu haben.
Wir haben uns insgesamt neun Tage dort erholt, in denen besonders ich ziemlich faul war. Am 2./3. Tag haben wir beide mit Antibiotika angefangen und bisher gehts uns seitdem bestens. Michi war mal im Zoo und hat sich eine Teeplantage mit zugehoeriger Fabrik genauer angeschaut. Zusammen haben wir eine Fahrt mit dem Toy Train unternommen. Schon bei der Hinfahrt hatten wir diesen Zug gesehen, diesmal war eine richtige Dampflok angekoppelt. Im Schneckentempo (selbst bergauf waren wir per Rad schneller) sind wir zwei Stunden nach Ghom und zurueck gefahren. Dabei quert die Trasse sicher alle 300m die Strasse und wird so eher zum Verkehrshindernis,
wie auch die Strassenbahnen in deutschen Staedten. Den Ausflug zu Tiger Hill, einem Aussichtspunkt, haben wir uns geschenkt. Den Everest hatten wir schon laengst aus der Naehe gesehen und wegen ein bissl Ausblick um vier Aufstehen, das machen wir auch nicht mehr. Die Aussicht ist den ganzen Tag leider ziemlich schlecht hier in Sikkim. Es ist immer so diesig dass man kaum mehr als 10km weit sehen kann. Auch die Berge geben aus der Ferne kein so schoenes Bild ab. Wie auch in der Ebene ist hier alles zersiedelt und mit Feldern bedeckt. Zusammenhaengende Waldstuecke gibts kaum. Das kann man den Einheimischen natuerlich nicht vorwerfen, ist halt nicht so malerisch wie man es als Tourist gern haette.

Neben der Strasse, auf der wir seit zwei Tagen jetzt wieder sind ist aber auch hier alles gruen und die Leute ganz nett. Auf der Abfahrt von Darjeeling hat uns doch tatsaechlich ein Inder vier Orangen geschenkt. Wusste sogar den Namen unserer Kanzlerin. Ein wirklich netter Kerl, leider hat sein Englisch nicht fuer viel mehr als Angela Merkel und Germany gereicht. Die Abfahrt von Darjeeling nach Jorethang war ansonsten sowas von steil, dass wir sicher nicht
ueber die gleiche Strecke zuruckfahren koennen. Haben auch dummerweise keine genaue Karte von Sikkim. Entfernungen sind zwar leicht herauszubekommen, wir interessieren uns aber viel mehr fuer die zu erwartenden Hoehenmeter. So waren wir gestern auch ziemlich ueberrascht, also wir auf gerade mal 19km auch 1,2km nach oben mussten. Haben dafuer zweieinhalb Stunden gebraucht, was bei 120kg Fahrzeuggewicht gute 200 Watt Dauerleistung ergibt, nicht schlecht oder?

Heute haben wir einen Ruhetag in Namchi eingelegt. Die naechsten Tage wollen wir noch weiter durch Sikkim fahren und so ca am 19. in Siliguri zurueck sein um von dort nach Calcutta zu fahren (per Bus). Dort stehen dann auf dem Programm: Weihnachten ohne Geschenke, ein 3-Tages Ausflug zum "Sunderbeans Tiger Reserve" und der gemeine Inder! (Bild: Warum wir so oft vom Essen entaeuscht werden.)
Von Agra sind wir mit dem Zug nach Varanasi gefahren. Anders als bei der ersten Zugfahrt hatten wir uns um die korrekte Anmeldung der Raeder beim "Parcel Office" gekuemmert. Abgesehen von den dreisten Indern, die immer wenn sie glauben man sieht sie nicht meinen am Fahrrad rumzutatschen und die Schalthebel (die haben sie ja vorher noch nie gesehen) verstellen zu muessen hat das Verladen gut geklappt. Wenn man den Stress mit den Raedern nicht hat ist das Bahnfahren in Indien allerdings nicht zu verachten. Viel bequemer als Bus (oder Rad) und vergleichsweise sauber sind die Waggons auch, warum? Na klar, weil die Leute den Muell aus dem Fenster werfen. Auch kann man hier mitten im Bahnhof auf die Gleisse schei..., bei uns gibts solche Toiletten im Zug ja nicht mehr. Haetten wir aus Rache mal machen sollen, andererseits kann man die Inder damit auch kaum treffen,
die kacken ja selbst ueberall hin ausser in ihre eigene Wohnung. Ihr seht, solche Gedanken macht man sich wenn man zu lange hier ist. Wie auch immer, nach der Varanasi Fahrt haben wir entschieden, in Zukunft nur noch Bus zu fahren. Da ist das Fahrrad auf dem Dach und kann nicht von jedem Schlingel (also potenziell jedem Inder) runtergeklaut werden.Manche fragen sich vielleicht, wie kann denn der Axel die alle so ueber einen Kamm scheren, die armen Inder? Wie ungerecht! Doch man kann es. In den sechs Wochen, die wir nun hier sind haben wir keine zehn Leute getroffen die nett und hilfsbereit waren ohne spaeter Geld zu verlangen. Alle anderen wollen einen entweder nur bloed anglotzen oder anschreien oder abzocken. Besonders bei Leuten die gut Englisch sprechen wird man immer wieder enttaeuscht. Andauernd faengt einer ein Gespraech an und man gibt ihnen dann doch oft ne Chance weil man ja auch nicht jeden gleich als Nepper abstempeln will, am Ende holen sie dann doch ihre Postkarten oder anderen Nippes hervor den wir ehh nicht kaufen. Jaja die Leute wollen doch nur von was Leben und blabla. Bei uns wollen die Leute ja auch von was Leben, nur kriegen sie das auch hin ohne die Leute zu verarschen und hintenrum Geld zu verlangen. Weitere Beispiele folgen.
Zureuck nach Varanasi. Die heilige Stadt. Am heiligen Fluss, dem Ganges. Was den hinduistischen Indern daran so heilig ist haben wir nicht ganz rausfinden koennen. Jedenfalls ist die Stadt genauso vermuellt und uebervoelkert wie alle anderen Staedte die wir bisher gesehen haben. Sind also mit vollbeladenen Raedern aus dem Bahnhof gekommen und wollten uns gerade in den Verkehr stuerzen, als ES mal wieder passiert ist: Man muss wissen, die Raeder wiegen beladen so 50-60kg und sind so ziemlich unhandlich, aber trotzdem fragt uns der Rikschafahrer ob wir nicht seine Dienste in Anspruch nehmen wollen. Das passiert immer wieder. Wie stellen die sich das vor mit unseren zwei Raedern auf der winzigen Sitzbank der Rikscha? Das geht nicht und meistens sehen sie das dann auch ein und gucken dann immer etwas verstoert. Achso, ihr denk jetzt an das Gute im Inder, die meinten vielleicht nur dass sie vor uns her Fahren als Lotsen sozusagen, aber das haben wir jedes mal ausgeschlossen, sie wollen einen wirklich selbst transportieren.... unglaublich.
In Varanasi dreht sich alles um die Ghats, das sind befestigte Treppen, an denen man bis an das Wasser des Ganges laufen kann, um zu baden, zu trinken, Waesche zu waschen, den Muell auszuleeren, ins Wasser zu pinkeln, ein Boot zu besteigen, seine (verstorbenen) Verwandten auf einem Scheiterhaufen zu verbrennen, zu singen und zu beten, Sachen zu verkaufen oder auch um einfach nur spazieren zu gehen. Man kann also fast alles machen dort
und so gibt es auch immer was zu sehen. Auf einer Laenge von sieben km gibt es 80 Ghats und ca 30 Abwasserkanaele die zwischendrin in den Ganges muenden. Unser Hotel war direkt an einem der Ghats, so hatten wir es nicht weit zu den Sehenswuerdigkeiten, allerdings hatten die Sehenswuerdigkeiten es auch nicht weit zu uns. Direkt neben dem Hotel war ein Schrein, der hat zwei Jungs immer mal wieder auch nachts dazu veranlasst, ne Viertelstunde lang auf einem Topf herumzutrommeln. Das hat wahrscheinlich ihr Karma verbessert. Das Karma ist so eine Art spirituelles Konto. Ist der
Kontostand hoch, hat man gute Chancen, bei der naechsten Wiedergeburt als etwas besseres wiedergeboren zu werden. Zum Beispiel in einer hoeheren Kaste. Im Umkehrschluss bedeutet dies aber auch, das Menschen in einer niedrigen Kaste oder Tiere sich im vorigen Leben so schlecht verhalten haben, dass sie eben nur als Tier oder Mensch von niederem Stand wiedergeboren wurden. Von so einem ist also nicht viel zu halten und dementsprechend werden die Leute auch von behandelt.
Dieses System hat einige interessante Folgen, die wir gerade in Varanasi gut beobachten konnten.Ein mutmassliches Mitglied einer hoeheren Kaste (zu erkennen an der Kleidung) redet mit dem Rikschafahrer einfach nicht, der kommt quasi immer aus einer niedrigen Kaste. Am Ziel steigt der Fahrgast aus und gibt dem Fahrer seinen Schein ohne ihn dabei anzuschauen, verabschieden tut er sich schon gar nicht.
Meistens haben wir natuerlich gesehen was die Leute alles Laecherliches anstellen um ihr Karma zu verbessern:
Im Ganges Baden: Das ist der Grund fuer die Hindus, nach Varanasi zu kommen. Der Ganges sammelt das Abwasser
von einem was weiss ich wie riesigen Gebiet ein und ist so ungefaehr das dreckigste Wasser das ich je gesehen habe. Trotzem ist es das Groesste fuer einen Hindu, gerade wenn er/sie arm ist und sich eine Reise nach Varanasi vielleicht nur einmal im Leben leisten kann, im Ganges zu baden. Dabei schrubbt man ordentlich den ganzen Koerper ab und gurgelt vielleicht noch ein bisschen. Unser Bootsfahrer erzaehlte, er goennt sich auch gerne mal nen Schluck von der verkeimten Bruehe. Von solch naiven, nichts hinterfragenden Glaeubigen kann die katholische Kirche in Deutschland wohl nur noch traeumen.
Wenn man sich schon selbst "gewaschen" hat, kann man ja auch gleich noch seine Klamotten und Bettwaesche reinigen. Am Besten wenn, wie auf dem Foto jemand drei Meter weiter mit nem Wasserstrahl den Schlamm vom letzten Hochwasser wegspuelt! Zum Trocknen legen wir die strahlendweissen Laken dann in den Staub auf der Boeschung. Das haette der neueste Siemens Landromat auch nich besser machen koennen...
Ausser den Ghats haben wir uns noch die Hindu-Universitaet angeschaut. War eine ganz angenehme Atmosphaere und wir sind auch durch ein paar Institute gelaufen, Vorlesungen gab es aber nicht zu der Zeit. Dafuer hat uns ein Mitarbeiter durch das Museum des Zoologischen Instituts gefuert. Immer wieder mal hat er einen Schrank aufgemacht und den den Voegeln ein paar Federn ausgerissen, so dass das Stroh zum ausstopfen darunter zum Vorschein kam. Er wollte ganz sichergehen dass wir ihm auch glauben dass all die Tiere nicht echt sind...
Die restliche Zeit haben wir mal wieder mit Kranksein verbracht. Das und der staendige Laerm und Gestank haben unser schlechtes Bild von Varanasi gepraegt. Achja, zwischendurch ist auch noch ne Bombe hochgegangen, allerdings weit weg von uns. Sind dann nach ueber einer Woche mit dem Bus nach Patna weitergefahren. Dort ging der Horror gleich weiter. Nach langer Fahrt mitten in der Nacht angekommen, haben wir erst nach zwei Stunden Herumirren ein Hotel gefunden, dass noch Platz hatte. Zur gleichen Zeit war eine riesige politische Kundgebung in dieser mal wieder einfach nur haesslichen Stadt. Michis Zustand wurde auch nicht besser und wir hoerten immer oefter Warnungen von der politischen Instabilitaet in der Region. Deswegen haben wir uns am naechsten Tag entschlossen gleich nach Siliguri weiterzufahren und nicht zur Sonepur Mela zu gehen. Diese riesige Tiermesse mit Elefanten und anderen exotischen Tieren, aber eben auch zigtausend Menschen war uns dann nicht mehr so ganz geheuer.
In Siliguri waren wir dann wirklich froh, aus der Gangesebene heraus zu sein. Bevor wir uns nach der Nachtfahrt ins Bett legen konnten, gabs erst nochmal Streit mit der Bus Besatzung, der mal wieder die Mentalitaet der Inder gezeigt hat: Ohne sie dazu aufgefordert zu haben helfen uns zwei Maenner beim Abladen der Taschen und Raeder vom Busdach. Keine Ahnung ob die zum Busunternehmen gehoerten oder einfach "freischaffend" waren, jedenfalls riss der eine so lange an meinem Rad herum, bis er den Schaltzuggegenhalter kaputt gekriegt hat. Als wir alles untenhaben verlangen diesen dreisten Menschen auch noch Geld fuer eine "Leistung", die niemand von ihnen verlangt hat. 50! Rupien, etwa die Haelfte dessen, was 3/4 der Inder am Tag zum Leben haben. Und das fuer nicht mal fuenf Minuten unverlangte "Arbeit". Haben natuerlich nichts gekriegt, am liebsten haett ich noch jedem eine gescheuert, waren aber zu viele da. Dass sie beim Abladen das Rad beschaedigt hatten, wollten sie natuerlich auch nicht verstehen. Meistens reicht das Englisch halt nur zum Geldverlangen.
Man merkt schon, zu dem Zeitpunkt hatten wir einfach einen Hass auf (fast) alle Inder. Da gibts nichts zu beschoenigen.
Seitdem sind nun schon wieder zwei Wochen vergangen, in denen wir uns ganz gut erholen konnten. Nach zwei Naechten in Siliguri sind wir per Rad losgefahren nach Darjeeling. Schon in Siliguri hat man den chinesischen Einfluss gespuert, auf dem Weg haben wir dann immer mehr Sikkimesen (die Leute aus Sikkim) gesehen. Weiss auch nicht wie die Leute ethnisch einzuordnen sind, sie sehen jedenfalls den Tibetern ziemlich aehnlich und sind auch viel gelassener und unaufdringlicher als der gemeine Inder.
Sehr angenehm. Die 90km nach Darjeeling haben wir auf zwei Tage aufgeteilt und das war auch gut so. Es ging einfach dauerbergauf von 100m auf 2300m, ohne auch nur mal 50 Meter im Ebenen wo man sich kurz haette ausruhen koennen. Direkt neben der Strasse verlaueft der Toy Train, eine Schmalspurbahn die noch waehrend der Kolonialzeit von den Briten gebaut wurde. Diese hatten waehrend einer kriegerischen Auseinandersetzung den Ort, an dem jetzt Darjeeling ist, gesichtet und dort eine "Hill Station" gegruendet um Tee anzubauen und im Sommer einen kuehlen Erholungsort zu haben.
Wir haben uns insgesamt neun Tage dort erholt, in denen besonders ich ziemlich faul war. Am 2./3. Tag haben wir beide mit Antibiotika angefangen und bisher gehts uns seitdem bestens. Michi war mal im Zoo und hat sich eine Teeplantage mit zugehoeriger Fabrik genauer angeschaut. Zusammen haben wir eine Fahrt mit dem Toy Train unternommen. Schon bei der Hinfahrt hatten wir diesen Zug gesehen, diesmal war eine richtige Dampflok angekoppelt. Im Schneckentempo (selbst bergauf waren wir per Rad schneller) sind wir zwei Stunden nach Ghom und zurueck gefahren. Dabei quert die Trasse sicher alle 300m die Strasse und wird so eher zum Verkehrshindernis,
wie auch die Strassenbahnen in deutschen Staedten. Den Ausflug zu Tiger Hill, einem Aussichtspunkt, haben wir uns geschenkt. Den Everest hatten wir schon laengst aus der Naehe gesehen und wegen ein bissl Ausblick um vier Aufstehen, das machen wir auch nicht mehr. Die Aussicht ist den ganzen Tag leider ziemlich schlecht hier in Sikkim. Es ist immer so diesig dass man kaum mehr als 10km weit sehen kann. Auch die Berge geben aus der Ferne kein so schoenes Bild ab. Wie auch in der Ebene ist hier alles zersiedelt und mit Feldern bedeckt. Zusammenhaengende Waldstuecke gibts kaum. Das kann man den Einheimischen natuerlich nicht vorwerfen, ist halt nicht so malerisch wie man es als Tourist gern haette.
Neben der Strasse, auf der wir seit zwei Tagen jetzt wieder sind ist aber auch hier alles gruen und die Leute ganz nett. Auf der Abfahrt von Darjeeling hat uns doch tatsaechlich ein Inder vier Orangen geschenkt. Wusste sogar den Namen unserer Kanzlerin. Ein wirklich netter Kerl, leider hat sein Englisch nicht fuer viel mehr als Angela Merkel und Germany gereicht. Die Abfahrt von Darjeeling nach Jorethang war ansonsten sowas von steil, dass wir sicher nicht
ueber die gleiche Strecke zuruckfahren koennen. Haben auch dummerweise keine genaue Karte von Sikkim. Entfernungen sind zwar leicht herauszubekommen, wir interessieren uns aber viel mehr fuer die zu erwartenden Hoehenmeter. So waren wir gestern auch ziemlich ueberrascht, also wir auf gerade mal 19km auch 1,2km nach oben mussten. Haben dafuer zweieinhalb Stunden gebraucht, was bei 120kg Fahrzeuggewicht gute 200 Watt Dauerleistung ergibt, nicht schlecht oder?
Heute haben wir einen Ruhetag in Namchi eingelegt. Die naechsten Tage wollen wir noch weiter durch Sikkim fahren und so ca am 19. in Siliguri zurueck sein um von dort nach Calcutta zu fahren (per Bus). Dort stehen dann auf dem Programm: Weihnachten ohne Geschenke, ein 3-Tages Ausflug zum "Sunderbeans Tiger Reserve" und der gemeine Inder! (Bild: Warum wir so oft vom Essen entaeuscht werden.)

Get firefox !!
Atom
7 Kommentare:
Hoi,
ganz großes Kino eure Berichte, kann man immer mit Spass lesen ;-D
Achja, Salz, die haben unser Büro zugeschlossen, zumindest war es die letzten Tage so :-(
Wo soll ich denn dann arbeiten? Hab jetzt mit dem lernen für die Prüfung angefangen, es geht aber noch schleppend vorran ;-)
Halt die Ohren steif. Gruß, der Andi
Von
Andi, Am/um
15. Dezember 2007 um 21:38
Jaja, in Patna haben wir auch kein Zimmer bekommen, angeblich, weil die Stadt voll war - bis uns ein Inder zur Seite genommen hat und erklärt hat, dass wir keine Zimmer bekommen, weil wir Ausländer sind... sehr liebenswerte Menschen! Hoffentlich bleibt ihr in den Tälern von Sikkim nicht stecken und trefft in Kalkutta noch auf ein paar Sonderexemplare! ;)
Von
Angela, Am/um
18. Dezember 2007 um 13:21
Hallo ihr beiden!
Endlich mal wieder was zu lesen. Ich lach mich kaputt! Die scheiß Inder...
Der Andy (aus meiner Klasse in Hamburg) hätte euch auch noch gerne getroffen, er war ja fast 3 Monate in Delhi. Wurde aber vor 3 Wochenvon seinerFirma in Hamburg gefeuert. Naja, was solls...
Wünsch euch frohe Weihnachten, nen guten Rutsch und weiterhin Hals- und Beinbruch.
Grüße aus FFM
Von
Anonym, Am/um
18. Dezember 2007 um 22:23
Danke fuer die ganzen Komentare, wir freuen uns immer ueber Feedback.
Schade, dass unser Buero geschlossen wurde, so geht das ja nicht. Musst dich mal bei der Pfannkuche beschweren, Andi. Viel Spass beim Lernen, ich haette tatsaechlich richtig Lust auch mal wieder ein bisschen QFT zu rechnen!
In Patna haben wir definitiv auch Pech gehabt, weil da bestimmt eine Millionen Inder auf der Strasse rumliefen. Aber vielleicht hat Rassismus auch eine Rolle gespielt, ansonsten haben wir das jedoch nie erfahren. Aus Sikkim kamen wir mittlerweile auch wieder raus... per Jeep, hehehe. Keine Lust die 2000 Hoehenmeter zurueck zu fahren!
Den Andy werden wir jetzt wohl nicht mehr treffen. Es sind noch 10 Tage in Indien, ja, wir zaehlen die Tage!
Gruesse an Alle.
Von
Salz, Am/um
19. Dezember 2007 um 11:13
Hey ihr zwei,
wünsch euch auf diesem Weg ein frohes Weihnachtsfest in Indien und einen guten Rutsch ins neue Jahr :-)
Lg
Von
Anonym, Am/um
21. Dezember 2007 um 14:00
Frohe Weinachten ihr beide !!
wir denken an euch :)
Von
David, Am/um
25. Dezember 2007 um 01:42
lieber Axel,
auch ich verfolge mit großem Interesse,Begeisterung, Bewunderung und Verwunderung eure Reiseberichte. Faszinierend finde ich die phantastischen Fotos.
Ich wünsche euch einen weiterhin gute Reiseverlauf (mit weniger Darmproblemen) und viel Interessantes.
Viel Glück für das Jahr 2008, christine sendler
Von
christine sendler, Am/um
28. Dezember 2007 um 14:27
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