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Montag, 9. Juni 2008

Reise nach Europa

Am 6. Mai begann unsere Rückreise, denn in den folgenden Tagen sollten wir uns deutlich Richtung Heimat bewegen. Zunächst ging es nach Norden, zur russischen Grenze, weiter zum Baikalsee und an dessen Küste entlang bis nach Irkutsk. Dort stiegen wir in den Zug nach Moskau, weiter nach St. Petersburg und schließlich im Bus nach Tallinn, wo wir momentan bei meiner Schwester chillen. Soviel zum Überblick, doch zu erzählen gibt es aus diesem Monat weit mehr, als ihr Lust hättet euch durchzulesen. Ich schreibe es trotzdem... :)

Wie ihr aus dem letzten Beitrag entnehmen konntet, hat uns die Mongolei sehr gut gefallen, es war sogar eine der besten Zeiten der Reise. Dem entsprechend mußte natürlich auch unser Abschied gefeiert werden. Unsere Jugendherberge, klein und familiär, hat eine Party mit allen Gästen extra für unseren Abschied angesetzt. Hehehe, nicht wirklich. Eigentlich wurde gefeiert, dass die Herberge in den Lonely Planet Reisefuehrer aufgenommen wurden. Das ist unglaublich wichtig, denn unter individuell Reisenden ist der Führer die Bibel und wenn ein Hotel nicht aufgeführt ist, haben sie es extrem schwer Leute anzulocken. Uns war das auf jeden Fall recht, denn so konnten wir am letzten Abend noch mal mit netten Menschen feiern.

Der nächste Tag begann daher natürlich spät, und das auch noch mit Schneeregen und kaltem Wind. Wir haben uns in unsere wasserdichte Ausrüstung geworfen, wurden von allen anderen für verrückt erklärt, doch wir hatten keine Wahl. Füer 340km hatten wir vier Tage Zeit, und keinen mehr, denn unser russisches Visum überschnitt sich mit dem mongolischen nur um einen einzigen Tag. Am 10. Mai mußten wir über die Grenze, und das ist keine 24 Stunden Grenze, daher wollten wir früh morgens hin, um alle möglichen Problem, die auftreten könnten, noch lösen zu können. Schlechtes Wetter bei der Abreise ist im Lande der Nomaden ein Zeichen für viel Glück auf der Reise. Das sollte uns jedoch vorenthalten werden.

Wir arbeiteten uns drei Tage lang gegen teils starke Gegenwinde nach Norden. Die kilometerlangen, schnurgeraden Anstiege, die man sich gegen den Wind im Schneckentempo hochkämpfen mußte und die anschließenden Abfahrten, auf denen man auf Grund des ewigen Gegners auch treten mußte, waren nicht gerade motivierend. Wir waren natürlich auch nicht mehr trainiert, da die letzte Radstrecke schon zwei Monate her war. Auf jeden Fall mußten wir am dritten Tag erschöpft feststellen, dass wir es nicht bis zur Grenze schaffen würden. Wir hatten gerade ein extrem windiges Tal mit ca. 8km/h durchquert und Axels Knieschmerzen meldeten sich wieder. Nach einer Mittagspause ließen wir uns auf einem Pritschenwagen zur nächsten Stadt mitnehmen, Darkhan. Dort gönnten wir uns ein Hotel mit Badewanne für die überlasteten Muskeln. Doch am nächsten Tag lagen nochmals 115km bis zur Grenze vor uns, über die bergige Landschaft mit Gegenwind zumindest für uns nicht schaffbar. Wir haben später auch erfahren, das in Darkhan die Industrie südlich von der Stadt angesiedelt wurde, da der Wind immer aus Norden kommt und somit die Abgase von der Stadt weggetragen werden. Wir hätten also schon früher von der schlechten Wetterlage erfahren können, geändert hätte es aber auch nichts.


Wir ließen uns von einem Kleinbus bis nach Suekhbaatar mitnehmen und zelteten noch ein letztes mal in der Mongolei kurz vor der Grenze. Trotz aller Bedenken und Probleme die wir vorher mit den russischen Visas hatten, war der Grenzübertritt völlig problemlos. Doch erfuhren wir, das wir innerhalb der nächsten drei Tag bis nach Ulan Ude radeln müssen, denn man muss sich innerhalb von drei Tagen in Russland registrieren lassen. Diese Registrierung sollte immer wieder unser Problem werden und uns nerven. Mit Axels gereiztem Knie und unser generell schlechten Kondition beschloßen wir auch noch bis dort mit einem Kleinbus weiter zu fahren. Unsere schöne Radtour wurde immer mehr zerstückelt!


Abfahrt aus Ulan Ude

Ulan Ude ist die Hauptstadt der Republik der Burjaten, eine Minderheit in Russland, deren Angehoerige den Mongolen sehr ähnlich sind und die auch buddhistisch sind. Doch wir verbrachten nur einen Tag dort um Einkäufe zu erledigen, unsere Zugtickets schon im Vorraus zu kaufen und die Registrierung zu erledigen. Am Abend ging es noch 25km raus aus der Stadt um neben der Selengal, dem größten Zufluss zum Baikalsee, zu zelten. Insgesamt radelten wir fünfeinhalb Tage am Fluss und anschließend am See entlang und verbrachten einen Ruhetag am See. Wieder hatten wir dauerhaft Gegenwind, was uns diesmal zeitlich nicht stresste, aber es demotiviert trotzdem. Leider war auch das Wetter nicht bestens, sondern meist etwas diesig oder auch wolkig. Am dritten Tag kamen wir am See an, was unsere Stimmung kurzzeitig besserte. Wir gönnten uns direkt einen geräucherten Fisch am Ufer des Sees, der schon fast wie ein Meer aussieht. Bei klarem Wetter kann man das andere Ufer sehen, das kam bei uns jedoch nicht so häufig vor. Er hat unglaublich klares Wasser und ist mit 1620m der tiefste See der Welt. Schließlich ist er noch die größte Süßwasser Reserve der Welt, ca. 20% das weltweiten Trinkwassers, mehr Volumen als in der Ostsee. Ach, und der älteste Süßwassersee ist er auch.

Wir suchten uns am Abend also einen schönen Zeltplatz an diesem besonderen Ort, am nächsten Tag war ein Ruhetag geplant. Der See wird komplett von Bergen eingeschlossen, so liegen Straße und Bahnstrecke immer nah am Ufer. Von idyllischer Ruhe ist somit niemals die Rede. Die Gleise werden stark für den Gütertransport benutzt, vor allem für Öl und Container. So rollten stündlich viele Züge an unserem Zelt vorbei, was die Schönheit minderte. Wir waren außerdem ca. zwei Wochen zu früh, denn die Birken begannen gerade erst die ersten Blätter zu zeigen. So blieb uns auch der Farbkontrast zwischen blauem Wasser und Himmel und den üppig grünen Bäumen vorenthalten. Das Eis des Winters war schon fast verschwunden. Es blieben nur noch kleine Eisschilde am Ufer übrig, die in der einen Nacht, die wir dort zelteten auch schon zur Hälfte von den Wellen weggeschmolzen wurden. Es gelang uns einen recht schoenen Zeltplatz direkt am Ufer zwischen den Birken zu finden.

Jetzt fragt sich natürlich jeder, der mich kennt, wo bleibt das Bild vom Salz schwimmend im Eiswasser? Tja, der Grund, das wir beide nicht schwimmen waren, war nicht unsere Feigheit, sondern, dass wir unseren Ruhetag mit Durchfall und Erbrechen verbrachten. Wir hatten am Abend schlechtes Fleisch gegessen und so ging es uns am schönsten Tag der ganzen Zeit am See richtig beschissen. Wir trieben uns die nächsten zwei Tage gegenseig am Ufer des Sees entlang, einen Tag ging es Axel schlechter, am nächsten mir. Kein Essen, Durchfall und Sport ist nicht vereinbar. Wir schafften es bis ans Ende des Sees, und fuhren noch zum ersten Pass in Richtung Irkutsk hoch, doch dann viel ich fast vom Fahrrad. Ohne zu essen verkroch ich mich im Zelt, so dass wir am nächsten Tag uns wieder von einem Pritschenwagen nach Irkutsk fahren ließen.

Unser Baikal Erlebnis wurde somit gründlich zerstört. Wind, kein schönes Wetter und Krankheit ließen uns kaum Zeit die Schönheit zu genießen. Trotzdem möchte ich irgendwann noch mal dort hin. Entweder im Sommer, wenn alles grün ist, oder im Winter, wenn der See komplett zugefrohren ist, und dann auch an die Nordküste, wo man von dem Güterverkehr nichts mitbekommt.

Irkutsk ist die größte Stadt in der Region, in der wir nun noch zwei Tag bis zu unserer Abfahrt nach Moskau hatten. Wir verbrachten zwei Nächte bei einem Couch Surfer, der die hässlichste Katzenzüchtung hat, die ich je gesehen habe. Es sind Nacktkatzen, die sich Peterbald nennen. Warum ist der Mensch eigentlich so abartig, dass er Tiere züchtet, die in der Natur niemals überleben könnten? Unser Gastgeber hatte ein Männchen, welches nicht vollständig nackt war, und daher noch anfassbar war, und ein besonders häßliches Weibchen. Sie hatte vor kurzem geworfen, und daher hatte sie auch noch besonders große Euter. Unser Gastgeber selber war nett, und überließ uns seine Wohnung praktisch komplett. Vor der Abreise war ich noch beim Arzt, um den Durchfall nach einer Woche endlich erfolgreich zu bekämpfen. So blieb uns leider keine Zeit die Stadt anzusehen, was schade ist, denn sie war anders als andere Großstädte. Sie bietet alles, was eine Großstadt braucht, liegt an der Angara, dem Abfluss des Baikalsees und hat neben den alten europäischen Häuseren, den modernen Glasbauten und den hässlichen russischen Plattenbauten auch noch sehr viele Holzhäuser im sibirischen Stil. Dies formt einen besonderen Flair, der mir bestimmt gefallen hätte, wenn ich nicht meine Zeit beim Arzt verbracht hätte.


Bahnhof in Irkutsk

Unsere Zeit in Sibirien neigte sich dem Ende. Ich habe hier viel von schlechten Dingen geschrieben, aber noch gar nicht erwähnt, dass wir von den Russen sehr freundlich behandelt wurden. Das hat uns selber erstaunt, da wir viel schlechtes gehört hatten. Auch in Russland wird man andauernd gewarnt, dass man nachts nicht auf die Straße soll, wegen den betrunkenen, pöbelnden Männern, und überall bestohlen wird. Zum Glück hat wir in der Hinsicht keinerlei Probleme. Mit meinen fünf Worten Russisch konnte ich einkaufen, nach dem Weg fragen und leichte Unterhaltung führen, was die meisten Russen wahrscheinlich als Zeichen für persönliches Interesse am eigenen Land sahen. Vor allem die alten Mütterchen waren immer besonders nett zu mir, vielleicht hätten sie mich ja gerne als Schwiegersohn gehabt. Man muss sich erst mal daran gewöhnen, dass Russen überwiegend böse schauen. Kommentar der Russen: "Es gibt so viel schlechtes und wir haben so viele Probleme, deswegen schauen die Leute so böse." Trotzdem können sie freundlich sein, zum Beispiel wurde Axel von einem Auto üeberholt, dessen Fahrer ihm eine kleine Wasserflasche während der Fahrt reichte! Hehehe, genau wie bei den Profis! Es ist ein super Idee, aber der Mann hat dabei aus seinem Fenster geschaut, als ob er Axel am liebsten gleich töten würde: "Nimm das Wasser und stirb!"

Am 23. Mai stiegen wir endlich in den Zug nach Moskau, der unsere Asienreise beenden sollte. Wir freuten uns schon gewaltig drauf, endlich mal wieder vertrautere Kultur und europäische Städte. Dazu noch die Verwanden von Ludmilla, einer Kommilitonin von Axel, die uns in Moskau erwarten sollten. Aber zunächst noch die berühmte Transsibierische Eisenbahn. 77 Stunden am Stück im Zug. Man konnte nur an den großen Bahnhöfen, an denen der Zug mal 20 bis 30 Minuten hielt, aussteigen und am Bahnsteig schnell etwas Verpflegung einkaufen. Das Meiste hatten wir jedoch bei uns. Die Räder wurden im Gepäckwagen mitgenommen, so dass wir uns darüber auch keine Sorgen machen mussten. Doch zuviel sollte man landschaftlich von dieser so bekannten Strecke nicht erwarten. Aus dem Zug sieht man fast immer die selbe Landschaft. Meist ist 5 bis 10 Meter entfernt eine Wand von Birken und Fichten zu sehen, die ganz Russland zu bedenken scheinen. Zwischendurch ist noch mal ein Dorf aus Holzhäusern zu erspähen, doch Nichts, was sich lohnen würde seine Zeit damit zu verbringen aus dem Fenster zu blicken. Beide hatten wir auch ein falsches Bild der Grenze des europäischen Kontinets. Wir dachten, der Ural wäre so etwas wie ein Gebirge, doch aus dem Zugfenster boten sich uns kleine Hügel, die noch flacher als der Taunus sind.

Im Zug war es ungewöhnlich geordnet und sauber. Es gab zwei Prowodnizas, Zugbegleiterinnen, die jeden Tag einmal durch den Zug saugten und die Toiletten immer angenehm sauber hielten. Während der Fahrt hatten wir wechselnde Begleiter in unserem offenen sechser Abteil, die allesamt angenehm waren, bis auf einen arg betrunkenen, stinkenen Typen, der einen halben Tag lang ein Maedel in unserem Abteil mit Zeichen und Gesten beläßtigete, dass er bei ihr ins Bett steigen wollte. Sie war auch sehr froh, als er bald wieder ausstieg. Aber von den üblichen Geschichten, dass man von den Russen im Zug durchgefüttert wird und mit ihnen auch Vodka trinken muss, war bei uns keine Spur. Ich habe einfach mein Buch durchgelesen.

Am 26. Mai kamen wir in Moskau an. Nina, unsere dortige Gastgeberin empfing uns schon am Bahnhof. Sie hatte sich extra einen Tag frei genommen, um sich um uns zu kümmern. Die nächsten 4 Tage wurden wir von ihr durchgehend gut bekocht und mit Tee, Kaffee und Süssigkeiten versorgt. Somit wurden die Mängel während des Durchfalls schnell wieder ausgeglichen. Slawa, ihr Mann, nahm uns am nächsten Tag mit ins Zentrum der Stadt, zum Roten Platz, wo er Ingenieur für Strabag an der Baustelle für das Hotel Moskau ist. Vor dem Tor zum Roten Platz wurden wir dann aber gleich von zwei Polizisten kontrolliert. Wir hatten es im Vorraus schon gelesen, dass die Milizia in Russland diese Touristenkontrollen nutzt, um ein bißchen Bestechungsgeld zu kassieren. Bei uns bemängelten die Polizisten zunächst, das wir noch nicht in Moskau registriert waren. Doch das war Schwachsinn, denn wir hatten ja drei Tage Zeit zur Registrierung. Dann bemängelten sie, dass wir auf der Radreise am Baikasee für 10 Tage am Stück nicht registriert gewesen sind. Angeblich muss man sich alle drei Tage in irgendeiner Stadt melden oder eine spezielle Registrierung für die Reise haben. Wir hatten von unserer deutschen Reiseargentur andere Informationen, und die Regeln wurden auch gerade erst wieder geändert, so weiß in Russland wahrscheinlich keiner, wie es wirklich ablaufen soll, außer den Personen, die das neue Gesetz verabschiedet haben.

Eigentlich sind die Regeln ja auch zum Schutz vor illegalen Gastarbeitern oder Terroristen gedacht, aber die Polizisten nutzen sie immer noch um ihr Gehalt aufzubessern. Sie stellen sich absichtlich an Plätze, wie den Roten Platz und erzählen dann von horrenden Strafen, auch wenn alles eigentlich regelgerecht ist. Ich konnte nicht verstehen, über was Slawa alles mit den Polizisten geredet hat. Auf jeden Fall wanderte nach einer längeren Diskussion die Zigarettenpackung des Polizisten zu Slawa, er steckte 500 Rubel (ca. 15€) rein und gab sie zurück. Unsere erste Bestechung im Leben und hoffentlich auch die letzte! Wir waren dagegen, konnten auf Grund des mangelnden Verständnisses aber nicht eingreifen. Unsere Probleme waren damit natürlich nicht gelöst. Wir hatten jetzt noch keine Strafe gezahlt und waren auch nicht registriert. Wir wanderten mit Slawa in sein Büro, riefen mehrere Reiseagenturen an und die deutsche Botschaft, bis letzendlich feststand, dass wir eine Strafe zahlen müssen, und mit Slawa zu einer Postfiliale mussten um uns dort registrieren zu lassen. Da Slawa und Nina jedoch in einem Vorort wohnen, musste dies dort geschehn. Damit war praktisch klar, das Slawa nicht würde arbeiten können. Er war schon etwas genervt, verständlicher Weise.

Also entschied er sich dazu uns noch im Schnelldurchgang durch Moskau zu führen, bevor wir zu der Post fahren sollten. Wir sahen das GUM, ein Einkaufszentrum am Roten Platz, den Platz selber, den Kremel von außen, die berühmte St. Basil Kirche, die Christ-Erlöser-Kathedrale, welche vor 10 Jahren neu errichtet wurde, da sie damals von Stalin geplättet wurde, das riesige Denkmal für Peter I., welches seltsammer Weise in Moskau und nicht Petersburg steht und das alte Stadtviertel Arbat, in dem Pushkin wohnte und wo sich heutzutage viele Künstler tummeln und ihre Bilder ausstellen. Dies wurde alles im Sturmstritt erlaufen, mit wenig Zeit für Fotos und dem gelegentlichen "Proschli!", was so viel wie, "Weiter gehts!", bedeutet. Abendes wurde dann Slawas Missmut bei der Post verstärkt, denn aus unverständlichen Gründen erzählten sie ihm, dass wir uns auch dort nicht registrieren könnten.

Am nächsten Tag musst Slawa unbedingt arbeiten und Nina nahm sich einen weiteren Tag frei. Diesmal funktionierte die Registrierung, sogar ohne jegliche Strafe. Und nach stundenlangem Warten und Rumsuchen hatten wir auch unsere Bahntickets nach St. Petersburg gekauft und klar gestellt, wie wir unsere Räder mitnehmen konnten. Wenn man nicht gerade auf den Rädern sitzt, so sind sie doch ein erhelbliches Hindernis. In Zukunft werde ich auf jeden Fall entweder eine Radreise machen, oder eine Normale, gemischt wird das nicht mehr! Damit war der Tag auch schon wieder vorrüber und wir waren seit zwei Tagen in Moskau ohne viel Zeit zum Sightseeing gehabt zu haben. Am Abend ging es trotzdem mit unseren Gastgebern auf ihr Landhaus, was keine normale Datscha ist. Datschen stehen in kleinen Siedlungen nicht so weit von Moskau entfernt und sind daher nicht so schoen, wie das Haus auf dem Dorf, welches 100km nördlich von Moskau liegt und gerade mal aus 14 Häusern besteht. So freundliche Gastgeber hätten wir uns eigentlich gar nicht erhoffen können, denn sie mussten sich natürlich beide noch mal einen Tag frei nehmen und diese 100km hin und zurück mit uns fahren. Slawa und Nina waren einfach super nett.

Ihr Wochenendhäuschen war ein altes Blockhaus. Auf dem Grundstück wuchsen Kirschbäume, Apfelbäume, alle möglichen Beerensorten, auch Erdbeeren und sogar die Kartoffeln wurden selbst angebaut. Leider waren noch keine Früchte reif. Slava zeigte uns ganz stolz seine neue Sauna, ein eigenes neues Blockhaus, mit Ruheraum, Nassraum und finnischer Sauna. Ausserdem zeigte er uns den Brunnen, den er persönlich 11 Meter tief gegraben hatte. Nach einigen Arbeiten, die noch erledigt werden mussten, ließen wir es uns in der Sauna gut gehen. Bei bestem Wetter und super frischer Luft machten wir drei Saunagänge und ruhten zwischenzeitig auf der kleinen Veranda in der Sonne. Am gleichen Tag sollte es noch zurück nach Moskau gehen, denn unser Zugticket war ja schon für den nächsten Tag. Auf dem Rückweg hielen wir noch bei Sergijew Possad, einem russisch orthodoxem Kloster.

Grab des unbekannten Soldaten, der 40km vor Moskau von den Nazis getötet wurde. Weiter kamen sie nicht.

Es blieb uns noch ein voller Tag in Moskau, da unser Zug erst nachts um 2 Uhr nach St. Petersburg fahren sollte. Also streunerten wir noch ein wenig durch die Stadt, nachdem wir unser Gepäck und die Raeder abgegeben hatten. Für den Kremel waren wir schon wieder zu spät, zumindest konnten wir den Wachwechsel am Grab des unbekannten Soldaten beobachten. Der abgeloeste Soldat zupfte dem neuen noch etwas schwul die Uniform zurecht, dann durfte er abtreten. Ausserdem sind wir noch ein bisschen durch die Metro getourt. Hört sich komisch an, aber in Moskau und auch in St. Petersburg wurden die meisten U-Bahn Stationen recht edel gebaut, mit viel Marmor und teils auch reichen Verzierungen. Zum Beispiel wurde die Ausstattung aus der abgerissen Christ-Erlöser-Kathedrale in der Metro verbaut. Die Bahn liegt auch noch tiefer, als alle die mir so bekannt sind, so dass man jedes mal für über eine Minute auf der Rolltreppe steht, bis man aus dem Untergrund auftaucht.

Roter Platz mit sicht auf St. Basil

Mauer des Kremels

Einer der sieben Stalinfinger in Petersburg

Lange Rolltreppe zur Metro in St. Petersburg

Über Nacht fuhren wir dann nach St. Petersburg. Das ist die wohl schoenste Großstadt, auf unserer bisherigen Reise. Sie hat viele alte Gebäude, die zumindest äußerlich in einem guten Zustand sind und breitet sich über das Flussdelta der Neva aus. Petersburg ist zugleich der nördlichste Punkt unserer Reise. Da es jetzt schon nahe am längsten Tag des Jahres ist, haben wir fast die Weissen Nächte erlebt. Gleich an unserem Ankunftstag wurden wir von unserer Couch Surferin mit in die Stadt genommen und sind dort auf das Multivision Festival gegangen. Die Veranstalter haben auf eine der vielen Brücken, die über Nacht hochgezogen werden, damit Schiffsverkehr passieren kann, Trickfilme ausgestrahlt. Die Brücke liegt wunderschöen neben der Eremitage gelegen. Es waren tausende von Menschen auf der Straße, von denen viele in der Nacht nicht mehr nach Hause kamen, da die Metro schon kurz nach 24 Uhr Betriebsschluss hat. So waren auch wir in der Stadt bis morgens um 6 Uhr gefangen und erlebten die 2 bis 3 Stunden, in denen es gerade noch so dunkel wird. Am Horizont im Norden verbleibt jedoch die ganze Nacht ein heller Streifen. Um uns die Zeit zu vertrieben und nicht einzuschlafen haben wir dann morgens um 5 Uhr noch über russische Politik mit Polina, unserer Gastgeberin und ihren Freundinnen diskutiert. Auch wenn sie nicht mehr mit Putin zufrieden sind, gab es in Russland wohl keine Alternative zu dem von ihm aufgestellten Medwedew. Demokratie sieht anders aus!

Hochgeklappte Brücke an der Neva

Eremitage bei Nacht

Am zweiten Tag waren wir erst mal müde. Wir haben uns erst abends aufgerafft und sind durch die Stadt spaziert. Auch in St. Petersburg wurden wir wieder von der Polizei kontrolliert, doch hier haben wir gleich gezeigt, dass wir uns mit den Regeln etwas auskennen, und so mit haben sie gar nicht erst versucht von uns eine Bestechung zu bekommen. Polina hat uns auch erzählt, dass sich jeder Russe registrieren muss, wenn er für mehr als drei Tage in den Urlaub fährt. Es hält sich wohl keiner dran, zum Beispiel registriert sie sich nicht, wenn sie ihre Eltern besucht, aber das ist nichts desto trotz ein krasses Gesetz. Das ist mir eindeutig zu viel Überwachungsstaat. Der Staat muss nicht immer wissen, wo er mich finden kann.

Wir haben noch die Peter-und-Pauls-Festung erforscht. Von der Mauer der Festung hat man einen wunderschoenen Blick ueber die Uferseite der Eremitage und auch auf die Russen, die sich auf dem 5m breiten Steinstreifen, der sich unten an der Mauer entlangzieht zum Sonnen aufstellen. Sie brauchen den Vergleich mit dem braunsten Sonnenbankbesucher in Deutschland nicht scheuen, nur haben sie halt einen Badehosenabdruck. Wir waren jetzt im Sommer da, aber ich habe auch gehoert, dass sie sich dort schon hinstellen, wenn der Fluss noch zugefrohren ist. Auf der Mauer wurden Bilder von einem Fotographen ausgestellt, der unter anderem auch durch Tibet gereist ist. Hehehe, da kamen uns doch einige Bilder gleich bekannt vor.

Natürlich gibt es in der Festung auch eine Peter-und-Pauls-Kirche, doch die war weit weniger interessant, als der riesige Hubschrauber des amerikanischen Krankenhauses, welcher gerade vor der Festung landete. Für eine Ausstellung über die russische Raumfahrt und Raketentechnik hatten wir gerade noch einige Minuten Zeit, bevor die Festung schloss. Am nächsten Morgen beschlossen wir auf Grund des schlechten Wetters nicht nach Peterhof zu fahren, sondern sind in die Eremitage gegangen. Die Kunstausstellung ist im Winterpalast von Peter I. gelegen, der sie auch damals schon so anlegen ließ, dass dort Kunst ausgestellt werden konnte. Der Palast alleine rechtfertigt schon einen Besuch, denn die Säle sind passend zu der Kunst gestaltet, die darin ausgestellt werden sollte. Peter hat damals die besten Architekten Europas in die Stadt berufen und sie haben wirklich gute Arbeit geleistet. Griechische Säle für griechische Skulpturen und so weiter. Wir hatten 3 Stunden Zeit, und es werden dort 60.000 Exemplare ausgestellt. Die gesammte Sammlung beträgt übrigens 3 Millionen Stücke, dass sind natürlich nicht alles Gemälde. Aber dafür diese ist das Museum berühmt. Wenn man sich wirklich für Kunst interessiert, dann könnte man dort viele Tage verbringen, mir hat es schon gereicht durch die prunkvollen Säle zu wandern und hin und wieder ein Bild zu betrachten.

Zum Glück hatten wir noch einen vollen Tag in der Stadt, denn unser Bus nach Tallinn fuhr wieder spät abends ab. Manche haben vielleicht noch im Kopf, dass wir mal von St. Petersburg aus mit dem Rad starten wollten, aber das haben wir gestrichen. Wir haben einfach keine Lust mehr auf Diskussionen mit russischen Polizisten. Das ist schon schade, wenn Gesetze einen so beschränken. Aber wir haben unseren letzten Tag mit perfektem Wetter dazu genutzt uns Peterhof anzusehen. Der Palast und seine Parkanlagen sind das russische Pendant zu Versailles. Das Gebäude soll nichts Besonderes sein, und wir sind auch gar nicht erst rein. Wir sind, wie die meisten der eine Millionen Touristen, einfach durch die Gärten geschlendert und haben die frische Meeresluft, sowie die vielen Brunnen genossen. So ein Park kann schon etwas Schönes sein, aber wenn Axel oder ich unsere Palastgärten später anlegen, dann wird es auf jeden Fall natürlicher gestaltet... :)

Ausblick vom Palast zum Finnischen Meerbusen

Am 5. Juni sind wir morgen um 2 Uhr dann nach fast 10 Monaten wieder in die Europäische Union eingereist. Die Russen haben nicht einmal mal nach einer Registrierung gefragt. Sie hätte es wahrscheinlich gar nicht gestört, wenn wir uns niemals hätten registrieren lassen, aber was solls. Besser so, als wenn wir noch eine Strafe hätten zahlen müssen!

Tallinn

Heute sind wir schon den 5. Tag bei meiner Schwester in Tallinn. Wir sind durch die Stadt geschlendert, die einen ganz anderen Flair hat. Sie hat auch viele alte Gebäude und in der ganzen Altstadt gibt es Kopfsteinpflaster. Die Stadt ist winzig im Vergleich zu den letzten beiden Städten und daher auch viel entspannter. Wir haben es uns hier einfach gut gehen lassen, ein Picknick am Strand gemacht, waren gut Essen in der Altstadt, oder haben die Aussicht über die Stadt aus der 30ten Etage des Swiss Hotel genossen.


Morgen steigen wir wieder auf das Fahrrad. Ich hoffe sehr, dass unsere bevorstehende Etappe nun besser wird, als die Letzte. Es kann natürlich schon sein, dass wir wieder stärkere Gegenwinde haben, aber hoffentlich einfach nicht jeden Tag! Und beim Essen vertraue ich jetzt doch mal auf europäische Standarts und hoffe, dass die Zeit mit den Lebensmittelvergiftungen endlich hinter uns liegt. Wir haben jetzt noch ca. vier Wochen bis Hamburg vor uns und dann noch knapp Zwei bis wir in Hofheim ankommen werden. So langsam kommen wir der Heimat immer näher und zeitlich gesehen könnte es auch schon fast ein normaler Urlaub sein. Also, bis bald!

Mittwoch, 28. Mai 2008

Europa!!!

Der Eintrag ist zwar nicht in der richtigen Reinfolge, da der Eintrag zum Baikal See noch fehlt, aber wir muessen doch mal kurz informieren: Die Asienreise ist vorbei! Wir sind schon den 4. Tag in Europa. Momentan sind wir in Moskau und den naechsten ausfuehrlicheren Eintrag wird es in ca. zwei Wochen von meiner Schwester aus in Tallinn geben.

Sonntag, 4. Mai 2008

Verbrennt es!

Freitag, 2. Mai 2008

mongolei

Vor zwei Tagen sind wir von der zweiwoechigen Jeeptour zurueckgekommen und es gibt viel zu berichten.

Zunaechst noch die "Ausreise" aus China: Eine Woche mussten wir in Peking verbringen bis wir das mongolische Visum bekamen. Die Zeit haben wir ziemlich gefaulenzt, Blog geschrieben und allerlei organisatorische Erledigungen. Dieses Organisieren von Bustickets, Visas und aehnlichem ist von allem was wir so treiben in Asien diejenige Beschaeftigung, die Arbeiten am naechsten kommt. Macht echt gar keinen Spass. Mittlerweile haben wir aber alle Visas und spaetestens wenn wir aus Russland raus sind werden Grenzen und Visaangelegenheiten uns nicht mehr belaestigen.

Den durchgehenden Zug von Peking nach Ulan Bator konnten wir leider nicht nehmen, selbst bis zur Grenze gabs keinen passenden Zug. Also war nochmal, hoffentlich zum letzten Mal, der Schlafbus angesagt. Mal wieder wurden die Raeder mit Kisten und schweren Koffern misshandelt. So ein chinesischer Busfahrer kann sich einfach nicht vorstellen dass ein Fahrrad mehr als 50 Euro kosten kann! Wie auch immer, die Raeder haben es ueberlebt. In der chinesischen Grenzstadt Erlian kamen wir um sechs Uhr morgens an und es war sowas von kalt. Die Minustemperaturen waren schon mal ein guter Vorgeschmack auf die Mongolei. Die Grenze machte erst um acht auf und dann wurde auch noch wahr, was wir vorher schon geahnt hatten: Man durfte die Grenze nicht als Fussgaenger oder Radfahrer ueberqueren, warum auch immer. Hat dann bis elf gedauert einen Mongolen zu finden, der uns und das Gepaeck fuer viel Geld ueber die Grenze transportiert hat. Am Ende hat alles gut geklappt, am fruehen Nachmittag standen wir am Bahnhof von Zamyn Uud. Das Ticket war schnell gekauft und bis zur Abfahrt hatten wir noch ein paar Stunden Zeit, die wir fuer ein erstaunlich westliches Essen nutzten. Kartoffelbrei mit Frikadellen und Krautsalat, fast wie in der Mensa.

Die Bahnfahrt nach Ulan Bator verlief auch problemlos, wie schon vorher waren eigentlich alle Mongolen recht freundlich zu uns! Bis auf den Taxifahrer in der Hauptstadt. Irgendwie hat er sein Meter so manipuliert dass es zehnmal so schnell durchlaeuft, nach nicht mal 3 Kilometern kamen so 10 Dollar zusammen. Haben wir natuerlich nicht gezahlt, woraufhin er den Kofferraum nicht aufgemacht hat. Echt bloede Situation, wir konnten gar nicht verstehen warum er sich den Stress antut und auf so einem Fantasiepreis beharrt. Gluecklicherweise kam gerade Vera, eine deutsche UN-Praktikantin, mit ihrer Uebersetzerin vorbei. Die beiden holten einen Polizisten herbei, woraufhin der Fahrer endlich auch die Taschen rausrueckte. Schon vorher hatte ich ein Foto gemacht, mit dem unsere Guesthouse-Chefin demnaechst mal zur Polizei gehen will, vielleicht bringt es ja was.


Eigentlich wollten wir uns nicht lange in Ulan Bator aufhalten, die Suche nach Mitfahrern fuer die Jeeptour hat jedoch 4 Tage gedauert. Fuendig wurden wir schliesslich in Neil, 26, aus London und Dorien, 23, aus Holland. Ich hatte schon kaum mehr damit gerechnet zwei Leute zu finden, weil im Moment kaum Touristen im Land sind. So konnten wir einiges an Geld sparen und hatten zudem noch etwas Abwechslung durch neue Leute. Mit dabei waren auch unsere Fuehrerin und Uebersetzerin Hu und der Fahrer Gambald.


Neil

Das Hostel hat Verpflegung und Wasser besorgt, dann konnte es schon losgehen in Gambalds UAZ. Dieses Gefaehrt wurde fuers russische Militaer entwickelt und ist ein Minibus in VW-Bus-Groesse auf einem Gelaendewagenfahrgestell. So ein Auto ist auch dringend noetig, gibts es doch schon 10 Kilometer ausserhalb der Hauptstadt kaum noch asphaltierte Strassen. Im Gelaende verbraucht der Bus wohl gute 20 Liter Benzin, welches in der Mongolei etwa halb so viel kostet wie in Deutschland. Man kann sich also vorstellen dass Transportkosten fuer die Mongolen verhaeltnismaessig hoch sind.

Gambald findet auch bei schlechtesten Sichtverhaeltnissen den Weg

Ansonsten gibt es auch auch noch Wegweiser

Die ersten drei Tage waren wir unterwegs nach Sueden zur Wueste Gobi. So richtig sicher wann die Wueste anfaengt kann man sich nie sein, eigentlich sieht es ueberall sehr staubig und trocken, felsig und sandig aus. Schon die erste Nacht haben wir bei Nomaden verbracht. Die dreikopfige Familie (Mann, Frau und Bruder des Manns) lebt in einem Ger, dem Rundzelt der Nomaden. Die Gers sind wegen der starken Winde sehr stabil gebaut aus Holz und mehrern Schichten Wollmatte und einem dicken Baumwollueberzug als Wetterschutz. In der Mitte des Raumes ist stets ein Kaminofen zu finden, der gleichzeitig Heizung und Herd ist. Verfeuert wird je nach Landschaft: in unbewaldeten Gebieten mit Ziegen-, Pferde- oder Kamelstuhlgang (Kamel und Rind brennt am besten), sonst mit Holz. Holz ist die Ausnahme und selbst in den waldigen Bergen nicht im Ueberfluss vorhanden, deshalb wird dort auch zusaetzlich Yakdung verfeuert. Ich weiss nicht ob es an der Ernaehrung der mongolischen Tiere liegt, ihr Scheisse verbrennt auf jeden Fall viel geruchsfreundlicher als der tibetische Yakdung.

Brennstoffproduzenten

Soviel zu diesen Thema! Die Waende der Gers sind ueblicherweise mit zwei bis drei Betten und einigen Kommoden und Regalen zugestellt. In der Mitte neben dem Ofen bleibt etwas Platz fuer einen Tisch (so gross und hoch wie ein deutscher Normcouchtisch). Die einfache mongolische Kueche kennt aber auch keine Gerichte fuer die man einen Teller abstellen muesste. Dieser schematische Aufbau eines Gers war in allen Gers wiederzufinden, ein bisschen wie in Reihenhaeusern mit dem gleichen Grundriss fuehlt man sich wenn man in ein neues Ger hereinkommt.

Hereingekommen sind wir in viele Gers. Jede Nacht ausser einer haben wir bei einer Nomadenfamilie verbraucht, meistens hatten sie jedoch ein Zweitger in dem wir schlafen konnten. In einem Ger ist es doch etwas eng zu zehnt! An diesem ersten Tag sind wir wie sonst auch meistens schon 2 Stunden vor Sonnenuntergang angekommen. So konnten wir noch schoen auf den herumliegenden Felsen herumklettern. Die Mongolen stellen die Zelte meistens windgeschuetzt hinter einem Bergruecken auf. Bei unserer ersten Familie gab es noch einen Unterstand fuer die Ziegen und Schafe. Weiss nicht genau wie gross die Herde war, ca 150 Tiere koennen es schon gewesen sein. Ziegen Schafe und Pferde bilden fuer alle Nomaden die Lebensgrundlage. In Wueste bzw Gebirge besitzen die Meisten noch Kamele bzw Yaks. Normale Rinder haben wir relativ selten gesehen.


Nachdem sich alle ausgetobt hatten, gab es das von Hu zubereitete Essen. Anders als bei den Einheimischen gab es bei uns oft Gemuese und Nudeln. Die mongolische Kueche besteht nur aus: Fleisch pur, Fleisch in Teigtaschen oder Fleisch mit selbstgemachten Nudeln. Frisches kommt fast nicht vor, weshalb auch fast alle Nomaden unter Vitaminmangel leiden. Nach dem Essen konnten wir noch die Familie ausfragen. Wie auch bei den anderen Familien war hier die Frau des Hauses weitaus redefreudiger als ihre Maenner. Wir haben immer Alles gefragt, was uns gerade so einfiel, von der Zahl der Tiere und Kinder ueber die Preise von Caschmir, Fleisch und Gers bis zu politischen Ansichten. Mit den Tagen hatten wir dann immer mehr ueber das Leben der Mongolen herausgefunden. Damit die Abende nicht langweilig wurden, haben wir spaeter immer oefter gefragt, wie sich die werten Gastgeber eigentlich kennengelernt haben. Bei der duennen Besiedelung ohne Doerfer ja eine berechtige Frage. Hu hat es so erklaert: Die frei herumlaufenden Pferdeherden muessen immer mal wieder von den Soehnen eingefangen und zurueckgefuehrt werden. Bei diesen Tagelangen Suchritten muessen sie dann bei fremden Familien uebernachten und koennen dabei dann die Toechter "auschecken". Einige unserer Gastgeben hatten sich aber auch -wie langweilig- in der Schule oder im Dorf kennengelernt.

Flaming Clips, hier gibt es Dinosaurierspuren


Am dritten Tag gab es noch eine Dusche in der Provinzhauptstadt und spaeter eine zweite Unfreiwillige fuer mich in der Eisschlucht Yolyn Am. Diese Schlucht hat so steile Waende, dass sich das ganze Jahr ueber das Eis halten kann. Durch unseren fruehen Reisetermin war auch der See am Eingang der Schlucht zugefroren. Trotz nasser Fuesse haben wir das Eis spaeter alle vorgezogen, die grasigen Haenge daneben waren einfach uebersaet mit Zecken. So viele Zecken, quasi auf jeden Grashalm, hab ich noch nicht gesehen. Im Verlauf konnten wir uns ganz nach unserem Geschmack im Schnee austoben und durchs Eiswasser wandern. Abends wurden wir noch in diverse mongolische Spiele eingeweiht. Die bei den jaehrlichen Schlachtungen anfallenden Fusswurzelknochen der Ziegen haben sechs Seiten, landen wenn man sie wirft aber immer auf einer von vier gut unterscheidbaren Seiten namens Schaf, Ziege, Pferd, Kamel. Wirklich praktisch, ansonsten muessten tausende Mongolen allabendlich mit Steinen spielen.

Neil und Hu beim Zubereiten von Teigtaschen mit Kamelfleisch

Die naechsten Zwei Tage verbrachten wir bei Hus Familie in der suedlichen Gobi. Erst konnten wir beim Sortieren und Fuettern der vielen Neugeborenen (Schafe und Ziegen) helfen, am zweiten Tag stand ein Kamelritt zu den nahegelegenen Sandduenen an. Die Kamele sind, wie man sich vorstellen kann, ziemlich gemaechliche Tiere. Zum Traben waren sie nur schwer zu bewegen und auch beim Lenken hatten sie ihren eigenen Willen. Ansonsten waren wir sehr fasziniert von diesen Tieren. Perfekt angepasst an das kalte Wuestenklima mit unglaublich dickem Fell, auch die Statur hat was erhabenes, nicht zuletzt sind Milch und Fleisch echt lecker. Zum Reiten ziehen die Mongolen dennoch Pferde vor. Mir hat der Kamelruecken auch das Knie verdreht, so dass an der seit jeher gefuerchteten Stelle wieder Schmerzen auftraten. Das Pferdereiten am vorletzten Tag habe ich deshalb mit Blick auf die kommende Radetappe lieber seingelassen. Nachmittags konnten wir beim Abbau eines Gers dabeisein. Keine halbe Stunde hat es gedauert, was bei der Eiseskaelte dort aber auch noetig war :-)


Nimdawa, Hus Bruder


Abbauen des Gers

Die naechsten zwei Tage bestanden wieder aus viel Autofahren um an den Startpunkt der Wanderung zu kommen. Waehren wir Touristen auf den umherliegenden Bergen gespielt haben, hatte Hu alle Haende voll zu tun, ein Transportyak fuer den naechsten Tag zu organisieren. Tatsaechlich standen am naechsten Tag ein Yak und vier Mongolen vor dem Zelt. Das Yak wehrte sich nach Kraeften gegen den "Beladevorgang" musste sich aber durch den Nasenring fuegen. Tat uns schon irgendwie leid, wenn's nach Neil, Michi und mir gegangen waere hatte wir das Gepaeck auch selbst tragen koennen. Eine Wanderung aus Spass ueber drei Tage ist fuer jeden Mongolen schon kaum zu verstehen, dabei auch noch einen schweren Rucksack aufzuhaben schon gar nicht. Als das Yak schliesslich fertig war, konnte es los gehen. Zwei Mongolen als "Beastmasters" begleiteten uns. Manchmal haette wir auch die kleine Hu noch aufs Yak geschnallt, ihre Unlust am Trekking hat sie sich schon ziemlich anmerken lassen. Naja, wir hatten trotzdem unseren Spass.


Die von Oogi aus dem Hostel als ganz schoen schwer angekuendigte Tagesetappe war schnell vorueber, wir schlugen das Lager am Rande eines zugefrorenen Sees auf. Nachdem der erste Tee gekocht war versuchte Neil noch mit steinzeitlichen Methoden ein Feuer zu entfachen, Oberpyromane Michi und mir ging es aber nicht schnell genug, so dass wir das Freudenfeuer mit Streichhoelzern entfachten. Nach ner halben Stunde hatte Neil etwas Rauch erzeugt und war fuers erste zufrieden. Den restlichen Abend hatten wir vier erwachsenen Menschen dann nur noch ein Ziel vor Augen: Ein Loch im Eis zum Eisfischen! Aber wie macht man das ohne Werkzeug? Ganz klar, mit heissen Steinen. Immer mehr verfeinerten wir die Technik des Erhitzens, ins immer groesser werdende Loch schmeissen und dortige Zertruemmern der Steine. Ein unglaublicher Enhusiasmus machte sich breit. Die Dicke der Eisschicht hatten wir aber unterschaetzt, nach vielleicht 70 cm mussten wir aufgeben. Je tiefer wir gekommen waren, desto mehr Wasser stroemte durch haarfeine Risse in das Loch und kuehlte die Steine ab bevor sie das Eis schmelzen konnten.


War trotzdem ein toller Tag gewesen. Am zweiten Tag ist nicht viel Erwaehnenswertes passiert. Ausser vielleicht der Tochter der Gastgeber der zweiten Nacht. Ein echt aufgewecktes Kind war das. Die ganze Zeit hat sie kleine Zicklein eingefangen um diese auf den Arm zu nehmen, zu streicheln und bei maennlichen Exemplaren am Penis zu kraulen. Sodomie in der Mongolei, aber den Nachwuchshammeln hat's gefallen!

Der dritte Tag bestand wieder aus Wandern, im Gras sitzen, Pausieren und die Natur geniessen. War alles ganz schoen bis ploetzlich Dorien verschwunden war. Nach eineinhalb Stunden Suche wurde sie von einem der Mongolen aufgespuert und meinte nur so ganz unschuldig "I lost the track?!?!" Wie man einen matschigen Weg, auf dem vorher drei Menschen, zwei Pferde und ein Yak entlanggelaufen sind verfehlen kann ist mir bis heute ein Raetsel. Abends erreichten wir eine Familie, die schon feste Anlaufstation des Tourveranstalters ist. Am nahegelegenen Wasserfall konnten wir abends und am naechsten Vormittag etwas Zeit verbringen. Leider konnte man nich reinspringen und zum Baden war es zu kalt, dafuer konnte Michi mal wieder was aus Rindenholz schnitzen und seinen Basteltrieb ausleben. Mittags sollte es eigentlich zu heissen Quellen und damit der ersten Dusche seit mehr als einer Woche gehen, bloederweise hatten aber alle heissen Quellen noch geschlossen. Wir waren schon leicht angesaeuert, abends fanden wir aber doch noch ein Touristen-Camp mit angeschlossenen heissen Quellen. Der Pool fuellte sich zwar nicht so schnell mit heissem Wasser, die Duschen waren aber bestens. Da stoerte auch der Schwefelgeruch nicht.

Da kuendigt sich nichts Gutes an

5 min spaeter hat uns der Sandsturm gechluckt!

Die Rundreise neigte sich jetzt dem Ende zu, nach einem wenig Neues bringenden Klosterbesuch in Erdene Zuud inlkusive Sandsturm stand am vorletzten Tag noch ein Highlight auf dem Plan: Reiten mit einem echten Pferdedieb! Der 70jaehrige Hirte hatte echt viel zu eraehlen aus seinem Leben. Als junger Mann hatte er mal 2 schnelle Pferde gestohlen und mit ihnen zahlreiche Rennen gewonnen. Spaeter wurde er jedoch entdeckt und musste drei Jahre ins Gefaengniss. Der Kerl interessierte sich auch sehr fuer Neils Heiratsplaene und riet davon ab, in Bars und Diskotheken nach der Zukuenftigen zu suchen. Er solle lieber eine Mongolin heiraten, dann wuerde er auch ein paar (150) Tiere beisteuern. Dorien, Michi, Neil und Hu waren von den Ausritten am Vor- und Nachmittag sichtlich begeistert. Ich hab wegen der Knieschonungspause das Kochen uebernommen, was auch mal wieder Spass gemacht hat. Es gab Wirbelsaeulensuppe, ein Gericht was man allen chirurgisch Interessierten nur empfehlen kann.




Am letzten Tag war nochmal stundenlanges Fahren angesagt. Obwohl die letzten zwei Wochen wirklich beeindruckend waren, freuten sich alle auf die Annehmlichkeiten der Stadt. Seit der Rueckkehr haben wir denn auch viel geschlaefen und entspannt. Im Moment wissen wir noch nicht genau, wann die Grenze nach Russland offen ist, mitte der naechsten Woche werden wir wohl losfahren Richtung Baikalsee. Wenn alles gut geht sind wir dann in einer guten Woche schon im naechsten Land!