Kambodscha
Kurz vor der Grenze verbrachten wir unsere letzte Nacht in Thailand im Carport einer Polizeiwache. Nach dem anfaenglichen ziemlich ueblichen Auslachen hatten die Cops Mitleid und wir konnten die Moskitonetze auf einer freien Flaeche aufhaengen. Mit dem Auslachen ist das so eine Sache: Michi sieht und sucht immer das Gute im Menschen und meint, es waere ja eigentlich Unsicherheit und Verwunderung ueber uns Ausserirdische. Fuer mich hoert sich das Lachen aber meist wie ein "Guck dir die Deppen da an, wie kann man so bloed sein hier mit dem Rad durchzufahren?" an. Wie auch immer, genau werden wir es wohl nie herausfinden, denn die lachenden Leute koennen nie gut genug Englisch um ein Gespraech zu fuehren. Fuer diese wenig gebildeten Menschen, denen wir jeden Tag begegnen passt es einfach nicht ins Weltbild, dass jemand freiwillig Rad faehrt obwohl er sich muehelos ein Auto leisten koennte. Ganz sicher kann hier fast keiner verstehen, dass es fuer Westler nicht selten erstrebenswert ist, (nicht nur im Urlaub) in der Natur zu sein und sich dabei auch noch koerperlich zu betaetigen. Ich weiss nicht wovon der Durchschnittskambodschaner so traeumt, vermutlich von Pickups, grossen Fernsehern und riesigen, kitschig verschnoerkelten Haeusern, eine unberuehrte Naturlandschaft zu erkunden gehoert jedenfalls nicht dazu. Uns verbindet doch erstaunlich wenig mit den Einheimischen. Soviel zum philosophischen Teil.

Die Exildeutschen hatten uns eindringlich vor diesem ominoesen Kambodscha gewarnt. Obwohl die Grenze nicht weit ist, waren sie bis auf einen zwar noch nicht da, aber man hoert ja so einiges. Die Grenzbeamten haben sich dann auch etwas angestellt mit dem Stempel-Rausruecken, weil das thailaendische Visum in einem anderen Pass war als das kambodschanische. Am naechsten Tag standen dann 80km ueber Staub/Schotterpiste an. Die Qualitaet der "dirtroads"
in Kambodscha ist ziemlich gut, kein Vergleich mit Tibet. Dumm nur, dass jedes vorbeifahrende Auto so viel Staub aufwirbelt, dass wir am Ende des Tages immer schoen rot sind. Auf der dreitaegigen Strecke zur Tempelstadt Angkor Wat machte der zunehmende Verkehr das Fahren aber erst am Ende zur Qual. Ein Zwischenstopp in Anlong Veng war etwas enttaeuschend: Obwohl sich die Roten Khmer hier bis 1998 halten konnten, haben sie kaum fuer touristen sichtbare Spuren hinterlassen. So war das Haus des Kommandanten Ta Mok nicht anders als jedes andere kambodschanische Holzhaus, keine Tafeln oder Schaukaesten oder sonstwas.
Viel interessanter wurde es in Siem Reap. Direkt neben der Stadt erstreckt sich ein quadratkilometergrosses Waldgebiet, das ueber XX Tempel zu bieten hat. Die teils hinduistischen, teils buddhistischen Tempel sind Wahrzeichen und DER Tourismusmagnet in Kambodscha. Wir sind an den drei Tagen mit dem Rad herumgefahren und haben jeden Tag so 2-3 Tempel genauer angeschaut.
Diese sind mehr oder weniger gut erhalten. Oft sind die Mehrzahl der Gewoelbe eingestuerzt, dennoch kann man ueberall sehr detaillierte Wandverzierungen sehen. Ueber geschichtliche und religioese Hintergruende kann man an den Tempeln eigentlich nichts erfahren, wer nicht gerade Buddhist oder sonstwie vorgebildet ist kann sich sowieso nicht merken welcher Herrscher jetzt welchen Tempel wem zu Ehren gebaut hat. Wir haben uns aufs Staunen und Herumkraxeln beschraenkt. Uebrigens erstaunlich wie man hier Millionen Touristen jedes Jahr auf dem Weltkulturerbe herumtrampeln laesst, da kommt einem die Diskussion ueber den Kulturerbestatus des Elbtales noch laecherlicher vor.







Nach drei Tagen war es dann auch genug, wir sind per Bus nach Phnom Pen gefahren. Eine wie sich zeigte richtige Entscheidung, die Strecke war eintoenig wie immer in Kambodscha.
In der Hauptstadt stand nur eine Sehenswuerdigkeit auf dem Programm, das Foltergefaengnis Tuol Sleng. In diesem ehemaligen Gymnasium mitten in der Stadt hatten die Roten Khmer zehntausend Gefangene gefoltert und spaeter auf den "Killing Fields" ausserhalb der Stadt erschlagen und verscharrt. Wir hatten beide ein Buch ueber das Regime gelesen, so gab es fuer uns nicht so viel neue Informationen, doch die Bedrueckung vor Ort zu spueren ist doch was anderes.
Die Zeit in Kambodscha wurde dann auch langsam knapp, deswegen und um der Eintoenigkeit zu entgehen sind wir schon einen Tag spaeter per Bus nach Kratie gefahren. Drei Tage ging es noch am Mekong entlang bis nach Laos. Nicht viel zu berichten hier. Den Mekong konnte man leider nicht sehen, neben der Strasse auch immer das gleiche Bild: Alles flach, rote Erde, verbrannter Wald. Warum hier soviel gerodet wird wissen wir auch nicht. Auf den zurueckbleibenden Flaechen kann jedenfalls kein Reis angebaut werden. Vermutlich taugt es nur fuer Pflanzen wie Maniok und Bananenbaeume. Die Leute am Wegesrand waren mal wieder ziemlich komisch. Mehrmals ist es passiert, dass wir nach Essen fragen und die Leute ploetzlich nichts mehr verstehen oder verstehen wollen. Da zeigt man auf den Reistopf, auf den eigenen Mund und vielleicht noch auf den Geldbeutel, aber die sonst so geschaeftstuechtigen Leute sagen einfach "No, no, no..." Wir haben's nicht verstanden. Gastfreundschaft sieht anders aus.
Die Tage gingen aber schnell vorbei und schon waren wir im naechsten Land: Laos. Kurz hinter der Grenze liegen die "4000 Inseln" im Mekong. Zwei Tage zum Ausspannen haben wir uns dort gegoennt. Ausser einer alten franzoesischen Schmalspurbahn und einigen Wasserfaellen gab es zwar nicht viel zu sehen, dafuer konnte man sich am Strand und in der Haengematte ganz gut erholen. War auch sehr touristisch dort. Zehn Restaurants mit identischer Karte und dem immergleichen Essen, alles abgestimmt auf die ueblichen Backpacker.
Die letzten zwei Tage waren wir wieder auf der Strasse und sind gestern in in Pakse angekommen. Nach einem Tag zum Blogschreiben fahren wir morgen auf das Bolaven-Plateau. Hoffentlich wird es dort endlich mal kuehler als in den letzten 6 Wochen!

Bilder: Kinder beim Brandroden des Schulhofes
Die Exildeutschen hatten uns eindringlich vor diesem ominoesen Kambodscha gewarnt. Obwohl die Grenze nicht weit ist, waren sie bis auf einen zwar noch nicht da, aber man hoert ja so einiges. Die Grenzbeamten haben sich dann auch etwas angestellt mit dem Stempel-Rausruecken, weil das thailaendische Visum in einem anderen Pass war als das kambodschanische. Am naechsten Tag standen dann 80km ueber Staub/Schotterpiste an. Die Qualitaet der "dirtroads"
in Kambodscha ist ziemlich gut, kein Vergleich mit Tibet. Dumm nur, dass jedes vorbeifahrende Auto so viel Staub aufwirbelt, dass wir am Ende des Tages immer schoen rot sind. Auf der dreitaegigen Strecke zur Tempelstadt Angkor Wat machte der zunehmende Verkehr das Fahren aber erst am Ende zur Qual. Ein Zwischenstopp in Anlong Veng war etwas enttaeuschend: Obwohl sich die Roten Khmer hier bis 1998 halten konnten, haben sie kaum fuer touristen sichtbare Spuren hinterlassen. So war das Haus des Kommandanten Ta Mok nicht anders als jedes andere kambodschanische Holzhaus, keine Tafeln oder Schaukaesten oder sonstwas.
Viel interessanter wurde es in Siem Reap. Direkt neben der Stadt erstreckt sich ein quadratkilometergrosses Waldgebiet, das ueber XX Tempel zu bieten hat. Die teils hinduistischen, teils buddhistischen Tempel sind Wahrzeichen und DER Tourismusmagnet in Kambodscha. Wir sind an den drei Tagen mit dem Rad herumgefahren und haben jeden Tag so 2-3 Tempel genauer angeschaut.
Diese sind mehr oder weniger gut erhalten. Oft sind die Mehrzahl der Gewoelbe eingestuerzt, dennoch kann man ueberall sehr detaillierte Wandverzierungen sehen. Ueber geschichtliche und religioese Hintergruende kann man an den Tempeln eigentlich nichts erfahren, wer nicht gerade Buddhist oder sonstwie vorgebildet ist kann sich sowieso nicht merken welcher Herrscher jetzt welchen Tempel wem zu Ehren gebaut hat. Wir haben uns aufs Staunen und Herumkraxeln beschraenkt. Uebrigens erstaunlich wie man hier Millionen Touristen jedes Jahr auf dem Weltkulturerbe herumtrampeln laesst, da kommt einem die Diskussion ueber den Kulturerbestatus des Elbtales noch laecherlicher vor.






Nach drei Tagen war es dann auch genug, wir sind per Bus nach Phnom Pen gefahren. Eine wie sich zeigte richtige Entscheidung, die Strecke war eintoenig wie immer in Kambodscha.
In der Hauptstadt stand nur eine Sehenswuerdigkeit auf dem Programm, das Foltergefaengnis Tuol Sleng. In diesem ehemaligen Gymnasium mitten in der Stadt hatten die Roten Khmer zehntausend Gefangene gefoltert und spaeter auf den "Killing Fields" ausserhalb der Stadt erschlagen und verscharrt. Wir hatten beide ein Buch ueber das Regime gelesen, so gab es fuer uns nicht so viel neue Informationen, doch die Bedrueckung vor Ort zu spueren ist doch was anderes.
Bild: Kinder in einem Dorf am Mekong.
Die Zeit in Kambodscha wurde dann auch langsam knapp, deswegen und um der Eintoenigkeit zu entgehen sind wir schon einen Tag spaeter per Bus nach Kratie gefahren. Drei Tage ging es noch am Mekong entlang bis nach Laos. Nicht viel zu berichten hier. Den Mekong konnte man leider nicht sehen, neben der Strasse auch immer das gleiche Bild: Alles flach, rote Erde, verbrannter Wald. Warum hier soviel gerodet wird wissen wir auch nicht. Auf den zurueckbleibenden Flaechen kann jedenfalls kein Reis angebaut werden. Vermutlich taugt es nur fuer Pflanzen wie Maniok und Bananenbaeume. Die Leute am Wegesrand waren mal wieder ziemlich komisch. Mehrmals ist es passiert, dass wir nach Essen fragen und die Leute ploetzlich nichts mehr verstehen oder verstehen wollen. Da zeigt man auf den Reistopf, auf den eigenen Mund und vielleicht noch auf den Geldbeutel, aber die sonst so geschaeftstuechtigen Leute sagen einfach "No, no, no..." Wir haben's nicht verstanden. Gastfreundschaft sieht anders aus.
Die Tage gingen aber schnell vorbei und schon waren wir im naechsten Land: Laos. Kurz hinter der Grenze liegen die "4000 Inseln" im Mekong. Zwei Tage zum Ausspannen haben wir uns dort gegoennt. Ausser einer alten franzoesischen Schmalspurbahn und einigen Wasserfaellen gab es zwar nicht viel zu sehen, dafuer konnte man sich am Strand und in der Haengematte ganz gut erholen. War auch sehr touristisch dort. Zehn Restaurants mit identischer Karte und dem immergleichen Essen, alles abgestimmt auf die ueblichen Backpacker.
Die letzten zwei Tage waren wir wieder auf der Strasse und sind gestern in in Pakse angekommen. Nach einem Tag zum Blogschreiben fahren wir morgen auf das Bolaven-Plateau. Hoffentlich wird es dort endlich mal kuehler als in den letzten 6 Wochen!







Get firefox !!
Atom