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Freitag, 22. Februar 2008

Kambodscha

Kurz vor der Grenze verbrachten wir unsere letzte Nacht in Thailand im Carport einer Polizeiwache. Nach dem anfaenglichen ziemlich ueblichen Auslachen hatten die Cops Mitleid und wir konnten die Moskitonetze auf einer freien Flaeche aufhaengen. Mit dem Auslachen ist das so eine Sache: Michi sieht und sucht immer das Gute im Menschen und meint, es waere ja eigentlich Unsicherheit und Verwunderung ueber uns Ausserirdische. Fuer mich hoert sich das Lachen aber meist wie ein "Guck dir die Deppen da an, wie kann man so bloed sein hier mit dem Rad durchzufahren?" an. Wie auch immer, genau werden wir es wohl nie herausfinden, denn die lachenden Leute koennen nie gut genug Englisch um ein Gespraech zu fuehren. Fuer diese wenig gebildeten Menschen, denen wir jeden Tag begegnen passt es einfach nicht ins Weltbild, dass jemand freiwillig Rad faehrt obwohl er sich muehelos ein Auto leisten koennte. Ganz sicher kann hier fast keiner verstehen, dass es fuer Westler nicht selten erstrebenswert ist, (nicht nur im Urlaub) in der Natur zu sein und sich dabei auch noch koerperlich zu betaetigen. Ich weiss nicht wovon der Durchschnittskambodschaner so traeumt, vermutlich von Pickups, grossen Fernsehern und riesigen, kitschig verschnoerkelten Haeusern, eine unberuehrte Naturlandschaft zu erkunden gehoert jedenfalls nicht dazu. Uns verbindet doch erstaunlich wenig mit den Einheimischen. Soviel zum philosophischen Teil.


Bilder: Kinder beim Brandroden des Schulhofes

Die Exildeutschen hatten uns eindringlich vor diesem ominoesen Kambodscha gewarnt. Obwohl die Grenze nicht weit ist, waren sie bis auf einen zwar noch nicht da, aber man hoert ja so einiges. Die Grenzbeamten haben sich dann auch etwas angestellt mit dem Stempel-Rausruecken, weil das thailaendische Visum in einem anderen Pass war als das kambodschanische. Am naechsten Tag standen dann 80km ueber Staub/Schotterpiste an. Die Qualitaet der "dirtroads" in Kambodscha ist ziemlich gut, kein Vergleich mit Tibet. Dumm nur, dass jedes vorbeifahrende Auto so viel Staub aufwirbelt, dass wir am Ende des Tages immer schoen rot sind. Auf der dreitaegigen Strecke zur Tempelstadt Angkor Wat machte der zunehmende Verkehr das Fahren aber erst am Ende zur Qual. Ein Zwischenstopp in Anlong Veng war etwas enttaeuschend: Obwohl sich die Roten Khmer hier bis 1998 halten konnten, haben sie kaum fuer touristen sichtbare Spuren hinterlassen. So war das Haus des Kommandanten Ta Mok nicht anders als jedes andere kambodschanische Holzhaus, keine Tafeln oder Schaukaesten oder sonstwas.

Viel interessanter wurde es in Siem Reap. Direkt neben der Stadt erstreckt sich ein quadratkilometergrosses Waldgebiet, das ueber XX Tempel zu bieten hat. Die teils hinduistischen, teils buddhistischen Tempel sind Wahrzeichen und DER Tourismusmagnet in Kambodscha. Wir sind an den drei Tagen mit dem Rad herumgefahren und haben jeden Tag so 2-3 Tempel genauer angeschaut. Diese sind mehr oder weniger gut erhalten. Oft sind die Mehrzahl der Gewoelbe eingestuerzt, dennoch kann man ueberall sehr detaillierte Wandverzierungen sehen. Ueber geschichtliche und religioese Hintergruende kann man an den Tempeln eigentlich nichts erfahren, wer nicht gerade Buddhist oder sonstwie vorgebildet ist kann sich sowieso nicht merken welcher Herrscher jetzt welchen Tempel wem zu Ehren gebaut hat. Wir haben uns aufs Staunen und Herumkraxeln beschraenkt. Uebrigens erstaunlich wie man hier Millionen Touristen jedes Jahr auf dem Weltkulturerbe herumtrampeln laesst, da kommt einem die Diskussion ueber den Kulturerbestatus des Elbtales noch laecherlicher vor.















































Nach drei Tagen war es dann auch genug, wir sind per Bus nach Phnom Pen gefahren. Eine wie sich zeigte richtige Entscheidung, die Strecke war eintoenig wie immer in Kambodscha. In der Hauptstadt stand nur eine Sehenswuerdigkeit auf dem Programm, das Foltergefaengnis Tuol Sleng. In diesem ehemaligen Gymnasium mitten in der Stadt hatten die Roten Khmer zehntausend Gefangene gefoltert und spaeter auf den "Killing Fields" ausserhalb der Stadt erschlagen und verscharrt. Wir hatten beide ein Buch ueber das Regime gelesen, so gab es fuer uns nicht so viel neue Informationen, doch die Bedrueckung vor Ort zu spueren ist doch was anderes.

Bild: Kinder in einem Dorf am Mekong.

Die Zeit in Kambodscha wurde dann auch langsam knapp, deswegen und um der Eintoenigkeit zu entgehen sind wir schon einen Tag spaeter per Bus nach Kratie gefahren. Drei Tage ging es noch am Mekong entlang bis nach Laos. Nicht viel zu berichten hier. Den Mekong konnte man leider nicht sehen, neben der Strasse auch immer das gleiche Bild: Alles flach, rote Erde, verbrannter Wald. Warum hier soviel gerodet wird wissen wir auch nicht. Auf den zurueckbleibenden Flaechen kann jedenfalls kein Reis angebaut werden. Vermutlich taugt es nur fuer Pflanzen wie Maniok und Bananenbaeume. Die Leute am Wegesrand waren mal wieder ziemlich komisch. Mehrmals ist es passiert, dass wir nach Essen fragen und die Leute ploetzlich nichts mehr verstehen oder verstehen wollen. Da zeigt man auf den Reistopf, auf den eigenen Mund und vielleicht noch auf den Geldbeutel, aber die sonst so geschaeftstuechtigen Leute sagen einfach "No, no, no..." Wir haben's nicht verstanden. Gastfreundschaft sieht anders aus.

Die Tage gingen aber schnell vorbei und schon waren wir im naechsten Land: Laos. Kurz hinter der Grenze liegen die "4000 Inseln" im Mekong. Zwei Tage zum Ausspannen haben wir uns dort gegoennt. Ausser einer alten franzoesischen Schmalspurbahn und einigen Wasserfaellen gab es zwar nicht viel zu sehen, dafuer konnte man sich am Strand und in der Haengematte ganz gut erholen. War auch sehr touristisch dort. Zehn Restaurants mit identischer Karte und dem immergleichen Essen, alles abgestimmt auf die ueblichen Backpacker.




Die letzten zwei Tage waren wir wieder auf der Strasse und sind gestern in in Pakse angekommen. Nach einem Tag zum Blogschreiben fahren wir morgen auf das Bolaven-Plateau. Hoffentlich wird es dort endlich mal kuehler als in den letzten 6 Wochen!

Donnerstag, 21. Februar 2008

Deutsche in Thailand!

Wir waren gerade erst gestartet, hatten die ersten 20 km zurueckgelegt und die Beine in Schwung gebracht, da taucht neben uns ein braungebrannter, blonder Typ mit Thai-Frau und Kind auf dem Roller auf. Kalle ist sein Name, und wir muessen sofort zum Schweizer kommen, da gibt es richtigen Kaffee. Ok, einen Kilometer weiter kommen wir bei der deutschsprachigen Enklave in Ostthailand an. Es haben sich zwei pensionierte Deutsche bei dem Schweizer versammelt und ein dritter gesellt sich schon bald mit seiner morgentlichen Bierdose dazu. Der Schweizer stellt die Ruhe in sich da und sein Kaffee ist tatsaechlich trinkbar. Er kommt auch am sympatischsten rueber. Man wuerde nicht erwarten, dass er sich eine Frau in Thailand gekauf hat. Lustig ist das Hintergrundbild auf seinem Rechner, dass ihn mit ca. 15 anderen langhaarigen Hippies auf einer Hochzeit zeigt.

Kalle hingegen passt gut in das Klischee. Er ist ein absolut offener Altkiffer, der mit uns den Preis seiner Frauen diskutiert. Die Erste war ganz eindeutig nicht die Richtige, sie war zu zickig, aber mit der zweiten ist er nun zufrieden. Freundlich sobald in der Oeffentlichkeit, aber hintenrum muss man auch bei ihr aufpassen, wie bei allen Frauen... ;) Gekostet hat sie eine Reisfarm fuer die Eltern, die nun direkt nebenan wohnen. So ist zumindest die Reisversorgung sichergestellt. Kalle kuemmert sich nun um die Adoption des Waisenkindes, welches sie dabei haben. Zumindest eine gute Schule wird es dadurch sicher bekommen. Das Kinder hier auf Rollern mitgenommen werden ist uebrigens Standart, ohne Helm natuerlich. Der Rekord fuer einen Roller liegt momentan bei drei Erwachsenen und zwei Kleinkindern.

Einer der beiden anderen Deutschen ist auch eine besondere Persoenlichkeit. Er hat eine Tour durch die Tempel und Kloester in Thailand gemacht, da ihn der Buddhismus interessiert, aber jetzt zum Abschluss muss man sich ja auch mal ein bisschen Spass mit den guenstigen Frauen goennen. Ein breites Intressenspektrum. Kalle hat uns auch gleich weiter empfohlen, noch 20km weiter sollen wir auf jeden Fall noch mal bei Guenter anhalten.

Guenter ist schon ueber 80 und hat mit seiner unter 40 jaehrigen Frau alle Rekorde gebrochen. Er sieht aus wie einer der Saecke im Altersheim, die die Pflegerinnen noch begrabschen. Gerade eine Op am Bein ueberstanden, schlurft er mit dickem Bauch ungepflegten Haaren und fettiger pergamentartiger Haut zu uns rueber. Er hat jedoch zumindest mal ein respektables Leben als Ingenieur in Deutschland gefuehrt, hat auch mittlerweile erwachsene Kinder, schon drei Buecher ueber Thailand (und dessen Frauen) geschrieben und ist auch der Einzige, der die Sprache fliessend spricht. Er umgeht das Altersheim in Deutschland auf diesem Wege und seine thailaendische Frau fuehrt eine Tankstelle. Er offenbart uns, dass er nicht viel von den anderen Deutschen haelt.

Die meisten loesen alle Bunde mit Deutschland, machen sich mit ihren vielleicht sogar 100.000 Euro auf den Weg. Die Frau kostet dann schon mal 10.000 bis 20.000 Euro, dann verlangen sie auch noch einen Pickup, das typische Statussymbol in Thailand und so weiter. So verschwinden zuegig alle Reserven und irgendwann sitzen sie pleite in Thailand und werden zum Alkololiker, wenn sie es nicht eh schon sind. Denn ausser Frauen gibt es auf dem Land in Thailand nichts! Es gibt ja noch nicht mal Bundesliga im Fernsehen, geschweige denn eine Eckkneipe oder auch nur ein Kino.

Das war unser kleiner Einblick in die Welt der deutschen Auswanderer. Amuesant und wieder ein Grund mehr fleissig weiter zu studieren, wenn wir zurueckkommen. Mehr oder weniger offene Angebote hatten wir in Thailand, auch von huebschen jungen Maedels, aber so wollen wir auf jeden Fall nicht enden!

Bild: Landschaft in Ostthailand

Das Ganze ist uns kurz vor der kambodschanischen Grenze widerfahren. Da haben wir den Nationalpark Kao Yai schon hinter uns gelassen. Der Park war eine Abwechslung vor allem was die Natur betrifft. Bergig und sich selbst ueberlassener subtropischer Wald. Braucht man nicht zu erwaehnen, dass es uns gefallen hat. Eine besondere Erfahrung war die erste Nacht im Park, als wir nicht mehr bis zum Campingplatz fahren wollten und es uns auf dem Parkplatz vor einem der Wasserfaelle gemuetlich gemacht haben. Es wurden lediglich die Moskitonetze unter einen offenen Pavillion gespannt und so schliefen wir praktisch im Freien mit all den Tiergeraeuschen um uns. Die wilden Tiere haben uns auch beim Duschen mit dem Wasserschlauch eines Restaurants beobachtet. Dieser kleine Essensstand erwiess sich auch anderweitig als hilfreich, denn eine der Kuehltruhen war nicht abgeschlossen. Hehehe, so gab es gleich mal ein paar Dosen Pepsi fuer uns.

Bild: Salz beim Radfahren und Schwitzen

Ausser wilden Hirschen haben wir jedoch keine Tiere zu Gesicht bekommen. Selbst unser glorreicher Plan, kurz vor Daemmerung zu einem Watchtower zu fahren, wurde von einer Horde schreiender Kinder von der nahe gelegenen englischen Schule zunichte gemacht. Wir mussten uns auch eine Stunde nachdem die Kinder abgezogen waren damit zufrieden geben, uns die Tiere zu den Geraeuschen im Wald vorzustellen. Dabei war der Tower eigentlich gut gelegen, auf einer grossen, freien Wiese, die auch Sicht auf die Salzlecksteine der Tiere bietet. Vor allem am Zelten hatten wir unseren Spass, wir hatten das Zelt seit Tibet ja nicht mehr ausgepackt.


Vor der kamboschanischen Grenze gab es noch einen Tempel zu sehen. Ein Aussenposten von Angkor, der auf einem erloschenen Vulkan liegt. Hoert sich spektakulaerer an, als es war. Es gab jedoch eine nette Abwechslung fuer unseren Ruhetag ab. Zu Kambodscha werden wir einen eigenen Eintrag machen. Mittlerweile sind wir ja schon in Laos. Also gibt es mal wieder mehr zu lesen.