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Freitag, 14. März 2008

Vietnam

Kaum hatten wir die Strapazen des Ho Chi Minh Pfades hinter uns gebracht stand auch schon das naechste Land vor der Tuer, oder besser gesagt wir vor seiner Grenze. Obwohl solche Grenzuebergaenge, wie man sie aus Europa ja gar nicht mehr kennt, mittlerweile schon fast zur Routine geworden sind, sind wir trotzdem jedes mal gespannt was uns so erwartet. Die meisten Vietnam-erfahrenen Reisenden, die wir vorher getroffen hatten, waren eher reserviert in ihrer Meinung ueber die Vietnamesen.

Der Grenzuebertritt lief problemlos inklusive unserer erfolgreichen Korruptionsbekaempfung. Die Laoten wollten doch tatsaechlich einen Dollar fuer den Ausreisestempel! Die meisten Touristen zahlen dann lieber als zu diskutieren, wir haben aber erstmal nach ner Quittung gefragt fuer die "Stempelgebuehr". Als es die nicht gab und sie die Paesse immer noch nicht abstempeln wollten, half nur noch die Frage, wo denn der Boss sei. Irgendwie hatten die einfachen Beamten dann doch keine Lust Aerger zu bekommen und wir konnten das Land verlassen.

Die protzige Grenzanlage der Vietnamesen konnten wir problemlos passieren und so waren wir wieder mal in einem neuen Land. Wirtschaftlich gehts den Vietnamesen etwas besser als den Laoten, was man sogleich an viel mehr Geschaeften, Maerkten und Autos sehen konnte. Bei all dem Luxus ueberkam uns die akute Fahrradunlust, wir fanden uns kurze Zeit spaeter am Busbahnhof wieder. Abfahrt erst in knapp zwei Stunden, was solls. Fuer Unterhaltung war aber gesorgt: Rund um den schrottreifen Bus waren lauter emsige Vietnamesen zugange. Alle paar Minuten kommt ein Mann mit zwei 25 Kilo Zuckersaecken auf dem Fahrrad. Die Saecke werden abgeworfen und von mehreren Frauen aufgeschnitten und in viele kleine Saecke umverteilt. Die kleinen Saecke kommen schliesslich in dreckige braune Tueten welche wiederum in allen Ritzen und Ecken, ueber den Achsen und in sonstigen "Geheimkammern" versteckt werden. Nach zwei Stunden ist so sicher einne halbe Tonne Zucker verstaut, was fehlt da noch? Natuerlich, die Fahrgaeste. Ein komplett leerer Bus faellt in jedem Entwicklungsland sofort auf. Die Verpackungskuenstler setzen also ein paar lustige Huete auf und verteilen sich im Bus. Das i-Tuepfelchen der Tarnung sind da noch zwei Touristen, die auch noch so dumm sind, fuer ihre Schmuggelhilfe nicht nur kein Geld zu verlangen sondern was zu bezahlen. Wir waren jedenfalls recht gespannt, was wohl passieren wuerde. Nach 30 Minuten Fahrt kam der Checkpoint, wegen dem der ganze Zirkus wohl veranstaltet wurde. Ein paar Busse standen schon da, drumherum das ganze ausgeraeumte Gepaeck. Die Beamten haetten geradezu blind sein muessen um den Zucker (ach ja hab ich schon die ca 200 Stangen Zigaretten erwaehnt) in unserem Bus nicht zu finden. Die Chefin von den Verpackern ist schon vorher ausgestiegen um mit dem Zollbeamten zu reden, vielleicht hat sie auch nur ein bisschen Schmiergeld rueberwachsen lassen. Ein Beamter hat dann noch Michis und meinen Pass ganz streng begutachtet und den Bus daraufhin an der Schlange der gefilzten Busse vorbei durchgewunken. Den ganzen verkleideten Leuten fiel merklich ein Stein vom Herzen und ich hab mich auch irgendwie erleichtert gefuehlt, obwohl ich ja gar nichts zu befuerchten hatte. Spaeter stieg noch eine ziemlich dicke Frau ein, sie hatte um den ganzen Koerper Zigarettenstangen geschnuert. Nachdem sie die im Bus abgenommen hatte war sie aber immer noch ziemlich fett!

Ziel der kurzen Fahrt war Dong Ha, eine nicht weit von der Kueste entfernte Stadt. Allerdings sind fast alle Staedte in Vietnam nicht weit von der Kueste entfernt. Dong Ha selbst hat eigentlich nix zu bieten, am naechsten Tag wollten wir uns aber das Tunnelsystem von Vinh Moc anschauen. Zusammen mit einem englischen Paerchen haben wir uns zwei Roller geliehen und sind mit hundert Sachen gen Norden gebrettert. Ne Spass, sind natuerlich immer nur so 50-60 gefahren. Aber die Roller haben schon ganz gut Leistung, sind alles 100er, die wir in Deutschland gar nicht fahren duerften. Soviel Spass wie in den ersten 10 Minuten macht es auch nie wieder, erst recht nicht, wenn man auf dem unbequemen hinteren Sitz Platz nehmen muss.

Das Tunnelsystem wurde von den Bewohnern eines Fischerdorfes gebaut um sich darin vor den amerikanischen Bombenangriffen verstecken zu koennen. Waehrend dem Vietnamkrieg wurde es immer weiter ausgebaut und spaeter auch von militaerischen Einheiten benuetzt. Mehr und mehr hat sich fuer so manche Vietnamesen das gesamte Leben unter die Erde verlagert, mehrere Kinder wurden in den Tunneln geboren. Komischerweise gab es in den fuer uns Besucher zugaenglichen Abschnitten aber kaum Raeume zum Leben. Wir sind durch viele niedrige und schmale Gaenge gestolpert und konnten so die ziemlich bedrueckende Atmosphaere am einegenen Leib spueren. Ein kleines Museum stellte ein paar Gebrauchsgegenstaende etc. aus den Tunneln aus, war insgesamt aber nicht so informativ. Auf dem Rueckweg nach Dong Ha wollten wir mit den Englaendern was essen. Da konnten wir mal erleben, wie manche Leute so reisen. Hab' vergessen wie hoch genau das Budget der beiden war, es entprach aber ungefaehr dem was wir pro Tag allein fuer Essen und Uebernachten ausgeben. Keine Ahnung wie die dabei noch irgendwas unternehmen wollen. Jedenfalls mussten wir aus einem Restaurant gehen, weil der Eierreis eineinhalb Dollar gekostet haette und damit einen halben Dollar ueber dem festgelegten Maximalbetrag fuer eine Mahlzeit lag! Echt krass wie man sich quaelen kann. Die beiden waren so hungrig dass sie richtig neidisch auf unser Brot starren mussten. Ich fragte dann noch, warum sie denn nicht einfach einen Monat weniger reisen und dafuer auch mal was gescheites Essen, aber darauf hatten sie auch keine richtige Antwort gefunden...

Der naechste Tag war unser letzter Radreisetag seitdem! Sind 80 Kilometer in die alte Koenigsstadt Hue gefahren. Ausser dass wir einen neuen Rekordschnitt (knapp ueber 25) erreichten war die Fahrt kein Spass. Viel zu viel Verkehr und keine schoene Landschaft zu sehen.

In Hue wollten wir uns die Graeber und Wohnsitze einiger Herrscher anschauen. Sind also einen halben Tag mal wieder mit dem Roller im Umland herumgekurvt und haben dabei die Graeber und Palaeste von Minh Mang und Tu Duc angeschaut. Beide Areale waren wie Parks angelegt, mit vielen Seen, Bruecken, Pagoden und Tempeln hier und da. Schaut euch am besten einfach die Bilder an!





Sicher haetten wir allein in Hue noch drei Tage damit verbringen koennen, weitere Tempel und soweiter anzuschauen, nur nehmen sie sich alle nicht so viel. Die Motivation zum Sightseeing nimmt immer weiter ab, je laenger man in einem "Kulturkreis" ist. Erst recht, wenn man von der Geschichte und den religioesen Bedeutungen der Sehenswuerdigkeiten keine Ahnung hat, so wie wir beide. Folglich sind wir einen Tag spaeter per Bus nach Hanoi gefahren.

Bei der Ankunft haben wir uns erstmal angezickt und danach zwei Tage getrennt verlebt. Tat aber mal ganz gut. Ich hab mir das Mausoleum von Ho Chi Minh angeschaut. Er ist sowas wie der Mao der Vietnamesen. Entsprechend der Tradition anderer kommunistischer Diktatoren haben sie ihm ein prunkvolles Mausoleum gebaut und ihn gegen seinen Willen konserviert und dort zur Schau gestellt. Nachdem ich meine Kamera abgegeben hatte, durfte ich mich in die Schlange der erfuehrchtig wartenden Vietnamesen einreihen. Viele strammstehende und boese guckende Kindersoldaten wollten meine nunmehr leere Tasche kontrollieren und achteten darauf, dass auch ja keiner zu laut redet, vor allem die weisshaarigen amerikanischen Touristen (viele davon bestimmt Vietnamveteranen) wurden besonders gerne ermahnt. Die Vietnamesen waren so still wie nie, kein Handygebruell wie sonst in ganz Asien. Im Inneren bot sich ein bissl gruseliges Bild: Ho Chi Minh lag in seinem Sarg in rotes Licht gehuellt, umringt von 10 Soldaten. Man hatte nicht viel Zeit beim Vorbeigehen, Stehenbleiben war swieso verboten. Wahrscheinlich haben die Machthaber Angst dass doch mal ein Opfer des kommunistischen Regimes gegen den Sarg spuckt oder sonst einen Anschlag veruebt.

Gleich neben dem Mausoleum lag der Praesidentenpalast und das Holzhaus, in dem HCM die letzten Jahre seines Lebens verbracht hat. Natuerlich wird ueberall ein immenser Personenkult um diesen Kerl getrieben. Er ist der tollste, guetigste und weiseste Vietnamese ueberhaupt, hat auf Frauen und andere Annehmlichkeiten verzichtet um sein Leben in Demut und Bescheidenheit einzig und allein dem Wohle des grossartigen vietnamesischen Volkes zu widmen. Amen. Das HCM-Museum war leider zu, so musste ich weiter zum "Tempel der Literatur". Das stand aber alles nur auf Chinesisch, weil die Vietnamesen ihre eigene Schrift erst um 15hundertebbes von einem franzoesischen Missionar geschenkt bekommen haben. Ich habe also nix verstanden und mir die Gebaeude angeschaut. Kamen mir allesamt bekannt vor. Nach einiger Zeit wollte ich mich dann auf eine der vielen leeren Baenke legen um ein kleines Nickerchen zu machen, wurde aber nach ein paar Minuten von so einer Art Hausmeister geweckt. Schlafen verboten. In vietnamesischen Sehenwuerdigkeiten sind nur zwei Sachen erlaubt: Herumlaufen und Souveniers kaufen.

Ganz Hanoi ist verstopft von Rollern. Wenn man ueber die Strasse gehen will, so wird man von einem bestaendigen Strom von Rollern umgeben.


Hmm, was koennte das wohl leckeres sein?


Michi hat sich in der Zeit mit seinen Bildern beschaeftigt. Das Hochladen von den Speicherkarten auf den Rechner dauert oft ziemlich lange, weil die meisten Rechner hier nur den langsamen ersten USB-Standard unterstuetzen. Fuer DVD-Brennen und Hochladen ins Internet geht dann nochmal viel Zeit drauf. Sonst hat er sich noch die Altstadt angeschaut bevor wir uns wieder lieb' hatten und zusammen was unternommen haben. Sonst gab es auch nicht viel Interessantes zu sehen in Hanoi. Nach drei Tagen war es denn auch endlich soweit, unsere erste gefuehrte Tour stand an. Vorher haben wir als achso unabhaengige Backpacker, noch dazu mit eigenem Fortbewegungsmittel, die Pauschaltouristen in ihren Bussen immer etwas belaechelt, jetzt aber wars ganz nett mal gesagt zu bekommen, wo es hingeht, wann es von dort aus weitergeht und wann das Essen auf dem Tisch steht.

Der Ausflug zur Halong Bay ist einfach anders kaum zu machen, jedenfalls nicht zu einem besseren Preis. Wir sind mit einem kleinen Bus nach Halong City gefahren und dort auf unsere Dschunke umgestiegen. Von diesen Holzbooten, die vor langer Zeit wohl wirklich als Transportmittel genutzt wurden, gibt es in der Halong Bay schiere Massen. Alle Dschunken sehen mehr oder weniger gleich aus. Sie bieten Platz fuer ca 30 Passagiere, haben ein Sonnendeck, ein Speisedeck und ein Deck mit Schlafkabinen. Unsere Kabine war wirklich nett, gar kein Vergleich zu dem lausigen Raum im indischen Boot in den Sunderbans. Alles mit Holz vertaefelt und sogar warmes Wasser im geputzten Bad.

Die ersten eineinhalb Tage sind wir zwischen den tausenden Inseln herumgetuckert und haben bei einigen besonderen "Spots" angehalten. Eine hell-und bunterleuchtete Tropfsteinhoehle gab es zu sehen. War leider etwas kitschig und total ueberfuellt, erstaunlich allerdings dass die riesige Hoehle erst vor 15 Jahren entdeckt wurde. Nach der Hoehle wurden die Massen wie ueblich an allerlei Nippes-Staenden vorbeigelotst. Am Anleger hatten wir vor lauter Touristendschunken Probleme unser eingenes Boot zu finden. Vor dem Ankerplatz fuer die Nachtruhe gabs noch einen kleinen Halt zum Kajakfahren. War mal ne nette Abwechslung. Da wir das GPS immer dabei haben konnte ich die Geschwindigkeit messen - magere 9 km/h als wir so ungefaehr alles gegeben haben! Haette ja gedacht man wird schneller mit sonem Boot.






Der zweite Tag war ziemlich faul. Sind vormittags zur groessten Insel der Halong Bay gefahren und 2 Stunden gewandert, danach gings ins Hotel. Michi war krank und das Wetter ehh nicht so toll. Wirds eigentlich schon langweilig zu lesen? Dauert nicht mehr lange...

Enger Felstunnel ins innere einer Insel.


Hausbote auf denen die Fischer und Fischfarmer leben.


Am dritten Tag ging es zurueck zum Hafen und mit dem Bus nach Hanoi. Einen kleinen Zwischenstopp legten wir am Drehort irgendeines alten James Bond Films ein, ganz nette Felsformationen gab es dort zu sehen.

Beim zweiten Aufenthalt in Hanoi ist nicht viel passiert. Unzaehlige gar nicht mal schlechte Doener vom "Cafe Goethe" und "Berliner Doener" Stand haben wir verdrueckt. Waren zwar nicht so gross wie in Deutschland, mit einem Dollar pro Stueck aber auch nicht so teuer! Eines der Highlights in Vietnam war schliesslich das Wasserpuppentheater. Ganz kurzfristig hatten wir noch Karten bekommen. Die ganze Vorstellung war auf Vietnamesisch ohne Uebersetzung, was bei 95% Touristen etwas komisch war. Aber es kam ja auch mehr auf das visuelle Erlebnis an. In einem Wasserbecken (ca4mX4m) stellten Puppen lustige Dinge miteinander an. Die Puppen waren natuerlich ueber Wasser, die Stangen, an denen sie von den Puppenspielern gehalten wurden, aber unter der Wasseroberflaeche und durch dessen dreckgruene Farbe nicht sichtbar. Die sehr aufwaendigen Figuren waren zum Teil beweglich, konnten etwa winken oder den Hals recken oder sich sonstwie bewegen. Dargestellt wurde so ziemlich alles: Alltaegliche Szenen der Reisernte (incl. Wasserbueffel), Balz, Paarung, Eierlegen und Schluepfen der Gaense oder auch Taenze und Einmarsch des Koenigs.

Letzte Station in Vietnam war Sapa. Diese Stadt in den nordwestlichen Bergen, unweit der chinesischen Grenze ist theoretisch das Trekking-Zentrum Vietnams. Unser Plan war, in einer dreitaegigen Wanderung den Fansipan, den hoechsten Berg des Landes zu besteigen. Wurde aber alles nix. Nach einer echt anstrengenden Zugfahrt sind wir im Nebel angekommen und einen Tag spaeter im Nebel wieder gefahren. Sichtweite stets unter 50 Meter und dazu nur schlechte Vorhersagen, was soll man dann da? Frueher als erwartet war das Kapitel Vietnam beendet. Die Fahrt zur chinesischen Grenze am naechsten Tag war ganz easy, vom Grenzuebertritt an berichtet Michi im naechsten Eintrag. Achja, Maddin: Uns wurde uebrigens nix geklaut in Vietnam, aber Touristenverarsche vor allem beim Obstkaufen war auch bei uns Standard.

Kleine Nippes-Verkaeuferinnen. Die alten waren aber penetranter: "Buy from meee, buy from meee!".


Abfahrt zur Grenze

Donnerstag, 13. März 2008

Laos - Bolaven Plateau und Ho Chi Minh Pfad

Und schon wieder sind wir so weit mir unserem Blog hinterher. Es tut uns leid, dass wir in letzter Zeit nicht regelmaessiger geschrieben haben, aber es ist nicht immer so leicht Internet zu finden, und zwischendurch will ja auch noch Einiges erlebt werden. Wir waren insgesamt elf Tage in Laos und was bei mir im Nachhinein den staerksten Eindruck von den Menschen her gemacht hat, ist dass sie wirklich so relaxt sind, wie alle Backpacker behaupten. Der Unterschied koennte nicht gravierender sein, wenn man ueber die Grenze nach Vietnam faehrt und in der naechsten grossen Stadt hinter der Grenze fast von den Leuten in die Geschaefte und Restaurants gezerrt wird. Da war es in Laos doch viel entspannter. Leider muss man den Menschen dabei auch gleich einen fehlenden wirtschaftlichen Ehrgeiz vorwerfen. Bestes Beispiel ist eine Bedienung, die nachdem sie mir die Haelfte meines Fruehstuecks gebracht hat, einfach mal fuer eine Viertelstunde verschwindet. Man kann ja selber in die Kueche gehen und sich bedienen... ;)

So viel zum Allgemeinen. Von Pakse aus sind wir wie geplant auf das Bolaven Plateau geradelt, etwas ueberrascht, dass die Strecke doch laenger war, als wir dachten, und dass wir auch gleich am ersten Tag 1200 Hoehenmeter ueberwinden mussten. Unsere Sehnsucht nach kuehlerem Wetter wurde auch sogleich erfuellt mit dem ersten Regen, den wir seit ich weiss nicht mehr wie lange hatten. Besonders schoen war, das wir einem belgischen Paerchen auf dem Weg begegneten, mit denen wir zusammen den Berg hochstrampeln konnten. Charles und Natalia haben uns durch interessante Konversationen von der Anstrengung abgelenkt, so dass wir am Abend ueberrascht waren, ueberhaupt so viel gefahren zu sein. Wir passierten am ersten Tag noch einen Wasserfall, Tad Fane, aber leider huellte er sich stark in Nebel. Die Sicht hat jedoch gereicht, um den kreisrunden Trichter sehen zu koennen, den sich das Wasser ueber die Jahrhunderte gegraben hat. Die stark begruenten Abhaenge waren so steil und tief, dass wir zumindest keine Lust hatten, uns das Schauspiel von unten anzusehen. Wir sind lieber in ein schoenes kleines Hotel geradelt und haben heiss geduscht.




Am naechsten Tag ging es zusammen mit den Belgiern weiter nach Tad Lo, auch ein Wasserfall, an dem sich aber viele Gasthaeuser versammelt haben. Der Wasserfall ist flacher als Tad Fane und ergiesst sich ueber eine breitere Front. Man kann wunderbar in den Becken vor dem Wasserfall umherplanschen, sich sogar unter die stroemenden Wassermassen stellen und sich einen Dusche goennen, was die Einheimischen natuerlich auch machen. Wir haben das ganze am darauffolgenden Tag, einem Ruhetag, auch genossen. Ausserdem haben wir unser erstes und einziges Elefantenreiten in Suedostasien unternommen. Das ist eines der Standards hier, und auch wir wollten es nicht missen. Auch wenn es fuer uns nichts Besonders zu sehen gab, ein weiterer Wasserfall, keine wilden Tiere, ein lokales Dorf ohne Touristen, so ist doch der Ritt alleine schon Erlebnis genug. Wie sich dieses riesige Tier geraeuschsarm steile Haenge hochkaempft oder zwischen den Baeumen durchschiebt. Leider haben wir keine Ahnung, ob die Tiere dort auch nur halbwegs Artgerecht gehalten werden. Sie werden zumindest jeden Tag gewaschen und ohne Touristen wuerde es ihnen sicherlich schlechter ergehen. Wir mussten aber auch erkennen, dass unser Fuehrer den Elefanten mit einer spitzen Schraube maltretierte, wenn der mal nicht schnell genug weiter wollte. Was die Tierfreundlichkeit betriefft, so ist unser Fazit also geteilt.

Die Belgier hatten sich diesen Ruhetag nicht gegoennt, und so ging es am naechsten Tag wieder alleine weiter durch Salavan hindurch weiter auf die letzte Strecke bis zur vietnamesischen Grenze. Wir hatten uns auf unserer Karte einfach die kuerzeste Strasse ausgesucht, warum auch nicht. Sie war in Gelb, somit kleiner als die roten Strassen, die bisher immer aspaltiert waren, aber immer noch groesser als die weissen. Wir dachten an eine regelmaessig befahrene Schotterpiste wie in Kambodscha. Weit gefehlt, doch den Fehler haben wir erst so spaet eingeshen, dass wir es nur noch mit viel Schweiss und Anstrengung durchstehen konnten. Ein zurueck gab es da schon nicht mehr.

Lecker "Sticky Rice" haben wir von der netten Familie bekommen. Das ist Reis, der gedaempft wird, nicht gekocht und dadurch irgendwie zu einem Klumpen verklebt, aus dem man sich mundgerechte Baellchen rausreissen kann.


Am ersten Tag schafften wir uns nach Salavan noch 40km in die bergige, duenn besiedelte Region hinein. Die Strasse war hier schon so schlecht, dass wir sie als die Schlechteste der bisherigen Reise einstuften. Abends kamen wir in einem kleinen Dorf aus Holzhuettchen an, in dem regelmaessig vietnamesische LKW Fahrer halten. So auch als wir dort waren. Wir kamen mit einem, der halbwegs gut Englisch konnte ins Gespraech und erfuhren, dass wir uns auf einer Route befinden, die hauptsaechlich fuer den Holztransport von Laos nach Vietnam verwendet wird, aber das der naehere Grenzuebergang nur ein Lokaler und kein Internationaler ist. Unsere Strecke, die uns noch weiter nach Norden zum Grenzuebergang von Lao Bao fuehren sollte, kannte er nicht. "Aber die Strasse wird noch viel schlechter", erzaehlete er uns und riet uns, dass wir uns noch mit Verpflegung eindecken sollten. Da der gute Mann jedoch auch von Tigern und anderen gefaehrlichen Dingen in der Region erzaehlte, nahmen wir ihn nicht wirklich ernst.

Schwerer Fehler. Am naechsten Tag kamen wir gerade mal 40km weiter, bis zu dem Dorf bei dem unsere Strecke abzweigen sollte, Taoy. Der Weg war zwar immer breit genug fuer LKWs aber er bestand auf langen Abschnittennur aus faust- bis kopfgrossem Schotter, die, wie wir spaeter erfuhren, mal die Fundierung des Ho Chi Minh Pfades waren. Ich brauche eigentlich nicht sagen, dass diese Steine fuer uns der Tod waren. Wir waren eher erstaunt, dass wir bergab unsere Raeder drueber rollen lassen konnten, aber die fuenf Kilometer, die es zu einem kleinen Pass hochging, waren gar nicht zu fahren und wir mussten durchgehend schieben. Und auch das Schieben eines ueber 50kg schweren Rades ueber diese Piste war unglaublich schwer. Hier haetten wir noch umkehren koennen, aber es bestand immer noch die kleine Chance, dass der Pfad ab dem Abzweig besser werden koennte.

Zu unsere Ueberraschung war Taoy ein groessers Dorf mittem im Nichts. Es ist sogar im Lonely Planet erwaehnt, nur nicht in unserem, da wir eine verkuerzte Version haben. So konnten wir auf jeden Fall ein Hotel finden, und zu unserer noch groesseren Ueberraschung trafen wir auf zwei Touristen. Zeeman (lies: Siemaen) und seine Freundin. Zeeman ist Organisator von Motorrad Crosstouren in Kambodscha und auf der Suche nach einem neuen Ziel. Er war sehr gespannt, ob wir die Route finden wuerden, und waere am liebsten gleich mit uns gefahren, aber seine Freundin ist auf dem Motorrad noch unerfahrener, und hatte auf der Hinfahrt ein paar Stuerze. Sie fuehlte sich definitiv nicht in der Lage fuer mehr, und liess auch das gemeinschaftliche abendliche Bier mit uns sausen.

Laos, eines der am meisten bombadierten Laender der Welt. Hier liegt viel Kriegsschrott aus dem Vietnamkrieg herum. Wir haben uns daran gehalten, nicht von den benutzten Pfaden abzuweichen. Der Panzer stand kurz hinter der Abkreuzung bei Taoy und wir konnten unserem Spieltrieb nicht wiederstehen.


Auch Zeemans Warnungen waren nicht genug fuer uns, nein, wir fragten uns am naechsten Tag nur, warum keiner in dem verdammten Dorf die Strecke kannte, die wir fahren wollten. Wir hatten gleich morgens 14km Umweg auf dem Tacho, weil keiner den Weg kannte. Sind die denn alle dumm??? Nein, die Strasse existiert praktisch nicht mehr, und deswegen kennt sie keiner! Als wir endlich den Abzweig gefunden hatten, dachten wir schon wir haetten die beste Entscheidung getroffen. 10km fuehrte eine perfekte Piste uns weiter in die Berge hinein und wir malten uns schon aus, wie wir es an dem Tag noch bis zur Hauptstrasse zur Grenze schaffen koennten. Hahaha, weit gefehlt, denn die Strasse wurde schlechter als alles, was ich bisher im Leben gefahren bin. Wir mussten wieder Steigungen von ueber 30 Grad hinauf, ueber dieselben Steine, der Weg verengte sich teilweise zu einem schmalen Pfad, auf dem schon laenger keine Laster mehr gefahren sein koennen. Die anfaenglich noch vorhandenen, gewagten Brueckenkonstrucktionen verschwanden mit der Zeit, so dass es manchmal jeden Kilometer einen kleinen Bach zu ueberwinden gab. Wenn man keine nassen Schuhe haben wollte, so hiess es jedes Mal absteigen und ueber Steine huepfend das Rad rueberschieben. Nicht gut fuer den Tagesschnitt. Auf der anderen Seite ging es dann manchmal so steil ueber sandigen Untergrund hinauf, dass wir die Raeder zu zweit hochzerren mussten.

Nach 30km wurdes es Dunkel und wir fielen kraftlos von den Raedern. Mitten in einer dunklen Schlucht bauten wir unser Zelt an einem kleinen Fluss auf, doch auch wenn wir seit Kilometern schon kein Dorf mehr gesehen hatten, kamen Einheimische vorbei. Die Maenner waren genauso erstaunt wie wir und begutachteten uns und die Ausruestung eine Weile, aber es war noch zu ertragen. Die Frauen verhielten sich jedoch seltsam. Das war uns vorher schon aufgefallen, sie zeigten eindeutig Angst vor uns. Wir waren einer Frau begegnet, die sich vor mir im Wald versteckte, sich nach mir auf die Strasse traute, und als Axel ueberraschend auch noch kam, ganz verdutzt in den Wald auf der anderen Strassenseite huepfte und verschwand. Kein einmaliges Erlebnis. Ein juengerer Mann liess sich in unserem Angesicht praktisch mit dem Fahrrad fallen, riss es herum und radelte wieder davon! Was sollen wir davon halten? Keine Ahnung. Wurden dort mal Frauen fuer die Prostitution entfuehrt? Ist es vielleicht einfach, weil dort wirklich nie Auslaender durchkommen, und sie nicht wissen wie sie reagieren sollen? Es ist uns wirklich ein Raetsel.

Fuer uns gab es an dem Abend noch etwas Thunfisch aus der Dose mit pappigem Reis und zum Glueck heissen Tee. Die Dusche in dem Bergbach war durch den kalten Wind extrem unangenehm. Wenn es die restlichen 60km bis zur Hauptstrasse zum Grenzuebergang so weitergegangen waere, dann haetten wir nochmals im Wald uebernachten muessen, aber wir hatten Glueck. Es zog sich noch ca. 20km so weiter, wobei es mehr bergab ging, was es ertraeglich macht. Es tauchten immer mehr Doerfer an der Strecke auf, und irgendwann gab es auch wieder "Bruecken". Die bestanden teilweise nur aus einem einzigen eisernen Balken, der ueber den Abgrund fuehrte und uns zu Balanceakten zwang. Aber letztendlich kamen wir an eine grosse Bruecke, die ueber einen breiten Fluss fuehrte. Sie bestand aus geflochtenen Bambusmatten, und erweckte nicht viel Vertrauen bei uns. Aber die Einheimischen fahren auch mit ihren Rollern drueber, also wieso nicht wir.

Auf der anderen Seite trafen wir dann auf den naechsten Touristen. Er war noch ueberraschter als wir, und als er erfuhr, dass wir tatsaechlich die Route gefahren sind, die wir hinter uns hatten, war er ganz aus dem Haeuschen. Wir haben seinen Namen nicht erfraget, daher nenne ich ihn jetzt Schildkroete. Erscheint mir passend, da er in einen Ganzkoerperpanzer aus Leder und Hardplastikschalen gehuellt war, wie es manche Profimotorradfahrer sind. Bei jeder Bewegung quietschten die sich verschiebenden Lamellen auf dem Ruecken. So was sollten wir am besten auch tragen, aber ganz so schnell wie er sind wir dann leider doch nicht. Auf jeden Fall ist Schildkroete seit Jahren in Laos und hat es sich zum Hobby gemacht alle Strassen im Lande auf seinem GPS zu kartieren. Axel wurde auch gleich neidisch, als der das teuere Geraet erkannte. Den Grund warum Schildkroete das macht, wissen wir nicht, wir haben schon vermutet, dass es vielleicht ein Aufarbeiten von Kriegserfahrungen ist. Er hatte vor einiger Zeit auch mal versucht unsere Strecke zu fahren, hatte aber aufgegeben, weil er einen Sturz hatte. So hat er sich nun direkt von uns den GPS-Track gezogen, damit der sich beim naechsten Versuch zumindest nicht verfahren kann. Was er wirklich nicht fassen konnte, ist nicht nur, dass wir diese Strecke durchgezogen haben, sondern wie wir ueberhaupt auf die Idee gekommen sind, so was zu probieren. Also haben wir ihm unsere Kartenerklaerung gegeben und er konnte nur noch lachen. All die Landkarten beruhen immer noch auf den Daten vom US-Militaer und keiner kontrolliert, ob diese Strassen ueberhaupt noch existieren. Der Pfad war vor Jahren eine der Hauptnachschubsrouten des Vietcong, und so haben wir im Nachhinein auch die Begruendung, warum wir dort langfahren mussten. Wir wollten einfach mal einen Teil des Ho Chi Minh Pfades abfahren!

Im Nachhinein ist es natuerlich eine gute Geschichte und wir sind stolz es geschafft zu haben. Die Landschaft war schoen, abgelegenere Gegenden und unberuehrteren Wald haben wir bisher selten gesehen. Aber ich wuerde es trotzdem keinem empfehlen dort langzufahren. Koerperlich war es eine Qual. Von der Begegnung mit Schildkroete ging es nur noch auf guter Strasse weiter. Lustigerweise haben die Laoten neben der Strasse einen Teil des urspruenglichen Ho Chi Minh Pfades ueber einen Kilometer lang mit einem kleine Zaun eingerahmt. Wir konnten nur lachen, exakt jene grossen Steine, uber die wir uns kilometerweise quaelen mussten. Auf der Hauptstrasse hatten wir noch ueber 15km bis zum Grenzuebergang und dem wohlverdienten Hotel aber kein Tageslicht mehr. So liessen wir uns von einem Pickup mitnehmen, dessen netter Fahrer uns direkt bei einem Hotel rausliess und noch nicht mal Geld von uns wollte.

Das war der elfte Tag in Laos und am naechsten sollte es probemlos ueber die Grenze nach Vietnam gehen. Den naechsten Teil ueberlasse ich aber Axel.

Von Axel: Bilder koennen wir (besser gesagt der Michi) erst so in 2 Wochen hochladen.