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Montag, 19. November 2007

Incredible India


Incredible India - so lautet der Werbeslogan fuer das ganze Land und er triff zu.


Erstmal wieder eine kurze Uebersicht. Fuenfeinhalb Tage sind wir von Delhi nach Jaipur geradelt und haben noch einen Ruhetag eingelegt. Das ganze hat etwas laenger gedauert, weil wir einen zusaetzlichen Schlenker durch Rajastan gemacht haben. Anschliessend waren wir drei Tage in Jaipur, von wo aus es dann frueh morgens weiter nach Agra ging. Hier sitzen wir nun mal wieder fest, weil es keine Zugtickets mehr gab. Aber fuer morgen haben wir welche bekommen, also geht es morgen Abend weiter nach Varanasi.

Das Radfahren habe ich ja schon angedeutet, hat uns nicht wie erhofft viel Spass gebracht. Dafuer gibt es mehrere Gruende. Die Luftverschmutzung ist einer der wichtigsten. Es sieht hier einfach immer so aus, als waere gerade Nebel, und obwohl das Land total flach ist, kann man nicht weiter als ein paar hundert Meter sehen. Man hat auch mit Brille andauernd Dreck in den Augen. Am liebesten wuerde man mit einem Mundschutz rumlaufen.

Die Landschaft ist wie gesagt flach und eintoenig. Dass muss nicht unbedingt schlimm sein, aber wenn dann noch alles zugemuellt ist, man alle fuenf Minuten an einem verwesenden Kadaver mit entsprechendem Gestank vorbeifaehrt und auch alle Gewaesser, von Pfuetzen ueber Seen bis zu Fluessen ekelig gruen aussehen und stinken, dann verlaesst einen schnell die Lust hier mit dem Rad zu fahren. Wir sind da wohl etwas verblendet rangegangen, mit dem Gedanken, dass am Ganges fahren, wie in Deutschland am Rhein waere.

Gut, das wir unsere Planung flexibel aendern koennen. Jetzt wird erst wieder in den Bergen geradelt, was ich mir auch schoen vorstelle, wenn es zwischen Teeplantagen mit dem Himalaya als Kulisse ueber die Paesse geht. Die restliche Zeit in Indien werden wir wohl am Strand verbringen... Juhu, Weihnachten am Strand!



Aber nicht alles am Radfahren war schlecht. Wir hatten auch einen Tag, an dem wir ueber eine sehr kleine Strasse durch wuestenaehnliche Landschaft gefahren sind. Die Kamele, die hier als Ersatz fuer die Pferde auch vor den Pflug gespannt werden, haben uns schon beim ersten Anblick erfreut. Endlich mal gelassene Einwohner in diesem Land von herumbruellenden Menschen.




Fuer die Menschen in den Doerfen, durch die wir kamen, stellte sich meist erstmal die Frage: Was machen die denn hier???? Und als wir mit einem Laecheln "Radfahren" antworteten, bekamen wir nur noch verdutztere Gesichter zu sehen. Ueberraschend war fuer uns auf jeden Fall, dass die Menschen sehr nett waren und wir praktisch nie angebettelt wurden. Das ist zwar in den touristischen Staedten nun mehr geworden, aber es hat nicht das Niveau der bettelnden Kinder in Tibet erreicht! Die Menschen, oder sollte ich besser Maenner sagen, denn Frauen sind hier auf der Strasse eher selten, waren auch nicht so aufdringlich, dass sie uns alle gleich was verkaufen wollten. Trotzdem haben jedesmal mindestens zwanzig Maenner um uns herumgestanden, viele wollten mit uns reden, andere uns einfach nur dumm anstarren.

Das ist wieder der Mangel an Privatsphaere, der uns hier stoert. Auch der Kellner, der beim Essen neben uns steht, und uns bestaendig erzaehlt, wir muessen das Brot in die Sauce tunken, oder ein Einheimischer, der sich einen Stuhl schnappt, breitbeinig direkt vor Axel setzt und ihm im verhoerstil eine Frage nach der anderen stellt. Da fehlt die Hoeflichkeit. Und in allen Touristen Staedten faengt natuerlich das alte Spiel mit den dauernervenden Verkaeufern an. Wir haben Indien noch nicht abgeschrieben, aber es faellt schon schwer immer wieder offen zu sein und zu versuchen mit den Menschen zu kommunizieren, wenn man so oft enttaeuscht wird.

Dafuer wird man aber auch ab und zu mit einem netten Gespraech belohnt. Ein Lehrer hat mir zum Beispiel gleich sein Gehaltsbuch gezeigt. Er hat mit ca. 50 Euro pro Monat begonnen, und ist mitterlerweile bei ca. 140 Euro. Sein Tagesbudget fuer die Familie ist geringer, als das was Axel und ich fuer ein Essen hier ausgeben! Nur wenn man versucht mit Leuten zu reden, kann man auch mehr ueber das Land erfahren, als wann das Taj Mahal gebaut wurde.

Jaipur war jedoch ein totaler Reinfall. Die Stadt ist uebelst dreckig, unser Hotel war werder schoen, noch gab es nette Bedienstete. Die angeblich rosa farbene Stadt, ist eine einzige Barracke wo es zwar einige farbige Haeuser gibt, aber kaum eines in rosa. Und Sehenswurdigkeiten sind auch nicht wirklich sehenswert. Hawa Mahal war das einzig huebsch restaurierte Gebaeude mit einer beeindruckenden Fassade. Frueher durften dort die Frauen des Harems auf die Strasse blicken, durch kunstvoll aus Stein geschnitzten Sichtschutze vor den Fenstern. Das Observatorium war in Renovierungsarbeiten, und wir sind deshalb auch nicht rein. Mit das Beste an der Stadt waren noch die unglaublich leckeren Sweet Lassis von Lassiwalla. Ein Lassi ist so etwas zwischen Joghurt und Milch, etwas saeuerlich, aber nicht wenn es ein Sweet Lassi ist. Kann man auch gut mit Banane mischen. Sehr lecker!

Die Zugfahrt nach Agra war extrem entspannt. Der Zug war sehr leer, wir hatten dementsprechen viel Platz, und es hat komischerweise auch zwei Stunden weniger lang gedauert, als vorher angegeben.


Agra gefaellt uns beiden schon viel besser. Wir haben erstmal ein sehr gutes, kleines Restaurant gefunden, wo es guenstig indisches Essen gibt. Des weiteren haben wir auch noch ein Cafe neben dem Hotel, wo abends neue Filme laufen, wie zum Beispiel der neuste James Bond. So ausgeruht und entspannt, koennen wir uns dann auch voll den Sehenswuerdigkeiten hingeben.

Das Taj Mahal, wie soll man es beschreiben. Ich werde hier jetzt nicht poetisch, aber es ist schlicht wunderschoen. Ich habe es zum Sonnenaufgang betrachtet, wo leider die angeblichen farblichen Wechsel nicht zu sehen waren, sondern es eher so langsam aus dem umgebenden Dunst sich abzuheben begann. Trotzdem ist es eine architektonisches Meisterwerk. Die grosse Kuppel ist gigantisch aber viel schoener sind die ganzen kleinen Verzierungen. Blumen die in den Marmor geschnitzt sind. Ganze Tuerme, die rund herum durch Einlegearbeiten verziehrt sind. Die Zitate aus dem Koran, nicht aufgemalt, sondern auch Einlegearbeiten. Im Gebaeude sind Fotos verboten, aber die aus Marmor geschnitzten Sichschutze fuer die falschen Grabmaeler waren die schoensten, die ich bisher gesehen habe. Was eine Arbeit das sein muss. Leider waren wir am einzigen Wochentag da, an dem kein Wasser in den aeusseren Wasserbecken ist, weil sie gereinigt werden. Daher keine schoenen Spiegelungen.


Axel war Nachmittags dort. Wir trennen uns oefters zur Besichtigung von Sehenswuerdigkeiten, auf Grund meiner Fotomanie. Mittags ist das Taj leider von Touristen ueberflutet, was die Schoenheit etwas ueberschattet. Auch bei Mondschein haben wir das Taj nicht sehen koennen, weil es einfach im Dunst verschwindet. Da muesste man wohl zu einer anderen Jahreszeit hier sein, vielleicht zum Monsun.


Aber auch das Fort hier in Agra hat uns gut gefallen. Es ist riesig und wirkich gut erhalten. Man kann Stunden durch die verschieden Palaeste wandern, und das Taj in der Ferne sehen, wie Shah Jahan, der das Taj als Grabmal fuer seine zweite Frau gebaut hatte, und spaeter von seinem Sohn im Fort eingesperrt wurde. Dort durfte er in dem auch von ihm errichteten Palast wohnen, aber regiert hat dann sein Sohn. Das rote Fort hier in Agra ist viel besser erhalten und viel interessanter als jenes in Delhi. Ausserdem gab es auch abgelegenere Ecken, die nicht von allen Touristen gefunden wurden. Dort konnte ich ein wenig zwischen den Mauern umherklettern, in einen Wachturm und habe auch eine Kolonie von Fledermaeusen entdecket.

Gestern waren wir noch in Fatehpur Sikri. Das ist etwas ausserhalb der Stadt, und man faehrt ueber eine Stunde mit dem Bus hin, aber der Ausflug hat sich auch gelohnt. Die Staette ist nicht so Touristenueberlaufen, und man kann durch eine kleine verlassene Herrscherstadt laufen. Errichtet wurde sie von Akbar, einem der wichtigsten Mogul Herrscher in Nordindien. Die Mogulen waren alle Moslems, daher auch die vielen moslimisch gepraegten Bauten hier im Norden. Akbar dachte sich eines Tages, er muesse seine Hauptstadt weiter in den Sueden verlegen, damit sie zentraler in seinem Reich liegt, als Delhi. Also baute er gleich eine neue Stadt, die aber sehr bald wieder verlassen wurde, da es dort einfach an Wasser mangelt. Er hat seine Hauptstadt also Wort woertlich in den Sand gesetzt.

Morgen haben wir noch einen Tag zum Ruhen. Da koennen wir uns schon mal auf die Berge und auf das anschliessende Meer freuen. Und vorallem auch auf Seefood!!!

1 Kommentare:

  • also, ich hab jetzt erst entdeckt, dass man hier auch kommentare hinterlassen kann! hatte mich schon gewundert, dass das nicht ging... - das hätten sie auch ein bisschen frößer aufziehen können auf der seite!

    ihr glaubt gar nicht, wie neidisch ich bin! und wir sitzen hier und lernen für ein glorreiches kliche-testat! olé-olé!;-)

    und dann silvester nach thailand? auch nicht schlecht! auf ne insel? wäre bestimmt lustig...

    ganz liebe grüße!
    valery

    Von Anonymous Anonym, Am/um 19. November 2007 um 23:33  

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