Auf der Mauer auf der Lauer...
Endlich normale Touris! Nachdem der letzte Post noch ziemlich von unseren nicht enden wollenden Organisationsproblemen gepraegt war, konnten wir uns jetzt endlich den Sehenswuerdigkeiten von Peking widmen.
Vorgestern wollten wir eigentlich die Verbotene Stadt anschauen, zeitlich hat es aber nicht ganz gereicht, sodass wir uns mit dem Jingshan Park und dem Platz des himmlischen Friedens begnuegen mussten. Im Park gibt es einen kuenstlichen Huegel, aufgeschuettet aus dem Abraum der kuenstlichen Seen und dem 50m breiten Wassergraben um die verbotene Stadt. Dieser Berg war lange Zeit der hoechste Punkt Pekings und bot also auch uns einen tollen Ausblick. Ansonsten gleichen sich die Parks hier mehr oder weniger: Viele kleine und groessere Pavillions und Haeuschen, zwischendrin Beete, Wasserlaeufe oder kleine Waldstuecke. Auf den nicht wenigen Rasenflaechen ist - nichts. Die Chinesen haben irgendwie ziemlich Respekt davor, vielleicht liegts an den unmengen Uniformierten, gerade hier um den den Platz des himmlischen Friedens herum.
Ueberhaupt waren wir ueberrascht, dass in einem Land, das sich ja selbst als Entwicklungsland bezeichnet und das laut einem Nachwuchs-Parteisoldaten (zu dem spaeter mehr) erstmal alle Leute satt kriegen muss, bevor es woanders investieren kann, soviel Geld fuer unnuetz rumstehende Leute hat. An jeder Kreuzung stehen vier Einweiser, im Stadtzentrum kommen noch alle paar Meter strammstehende Soldaten (fast haette ich Kindersoldaten geschrieben, so sehen sie naemlich aus) dazu. Das wars aber noch nicht: Jedes noch so unwichtige Gebaeude hat einen Wachdienst, In Banken laufen staendig knueppelschwingene Waechter herum und gucken den Kunden beim Warten zu. Jaja, Arbeit ist wohl echt billig hier.
Nach dem Parkbesuch wars dann schon vier und verbotene Stadt hatte nur noch eine Stunde offen. So sind wir also gleich zum Platz d. h. F. gefahren. Auf dem Weg dorthin wurden wir gleich mehrfach von Jugendlichen in ungewoehnlich gutem Englisch angesprochen. Beim ersten Mal waren wir noch etwas skeptisch, die drei Maedels waren irgendwie bissl aggressiv in ihrer Art, mit uns noch was trinken gehen zu wollen. Wir also weiter und 100 Meter spaeter treffen wir ein Paerchen, angeblich auf Sommerurlaub bei der Tante.
Man will ja offen sein und nicht in jedem gleich den naechsten Nepper sehen. Also sagen wir nicht nein zu ner Tasse Tee in der Altstadt. Bis zur naechsten Attraktion auf unserem Sightseeing-Plan, dem Flaggeeinholen auf dem Platz d. h. F., ist noch genug Zeit. Ums kurz zu fassen: Der Weg zum Teahouse ist doch doppelt so lang wie versprochen, und die vielen uns gezeigten Geschaefte auf dem Weg dahin lassen uns langsam misstrauisch werden. Endlich angekommen sollen wir dann ploetzlich eine Teezeremonie machen, mit 6 Tees a 3 Euro. Wir geben uns mit nur einem Tee zufrieden und nachdem alle Ueberzeugungsversuche scheitern ("Die Gelegenheit zur Teezeremonie kriegen wir hier nur alle vier Jahre mal.") solls auch noch Raummiete kosten. Da waren wir dann ganz schnell draussen. Obwohl wir ja nicht wirklich Geld verloren haben sind wir doch erstmal enttaeuscht, mit wem soll man hier denn noch ohne Angst zu haben, fuenf Minuten spaeter verarscht zu werden, ein nettes Gespraech fuehren koennen?
Zurueck auf dem Platz .... passiert ES dann endlich zum ersten Mal: Ein schuechterner Chinese fragt mich ob wir nicht mal ein Foto mit mir machen koennen. Das ganze passiert dann noch zweimal in den naechsten 1,5 Stunden. Mit meiner Groesse und den ziemlich langen blondern Haaren faellt man hier schon auf. Obwohl Europaer staendig im Fernsehen auftauchen werden wir nicht selten wie die Mondkaelber angeschaut. Sogar hier in der Hauptstadt! Ueber den Platz selbst gibts eigentlich nicht so viel zu berichten. Er ist angeblich der weltweit groesste Platz und umrahmt von allerlei repraesentativen Prachtbauten wie dem Mao-Museum oder dem Volkskongress, dem chinesischen Moechtegernparlament.
Um kurz nach sieben, puenktlich zum Sonnenuntergang ist es dann soweit: Die 50 groessten Soldaten kommen aus dem Tor des himmlischen Friedens (das Gebaeude mit dem beruehmten Mao-Portrait), ueberqueren die eigens gesperrte Hauptstrasse und marschieren
mit 117 Schritt pro Minute zur chinesischen Flagge. Dort drueckt dann der mit dem laengsten Schwert auf einen Knopf und wartet bis die Flagge elektrisch zu Boden geht. Ein anderer packt das gute Stueck dann ziemlich gestenreich ein und die Gruppe marschiert mit ihrer Beute zurueck ins Tor. Die Massen von Chinesen waren von dem Spektakel sichtlich beeindruckt. Da frage ich mich schon wie sehr sie sich wirklich fuer den ueberall gezeigten Nationalstolz begeistern. Trotz dem meist nur angedeutenden Unmut ueber fehlende Menschenrechte sind wohl nicht wenige von der Wichtigkeit eines starken China ueberzeugt.
Gestern dann war das Muss einer jeden Chinareise dran, die Mauer. Dieses Bauwerk haelt wohl so ziemlich alle Rekorde wie Groesse, Volumen, Masse etc. Wahrscheinlich ist es aber auch in den Kategorien wie am "meisten eingesetzte Sklaven" oder "am meisten Tote durch den Bau" ungeschlagen.
Um den tausenden Touristen und den gesalzenen Preisen der Agenturen zu entgehen haben wir uns den Abschnitt in Huanghua ausgesucht. Die Busfahrt mit oeffentlchen Bussen kostete nur ein zehntel der Touristen-Tour, dafuer kann man sich nie so ganz sicher sein am richtigen Ziel auszusteigen. Auf den Bildern seht ihr ein restauriertes Stueck der Mauer. Sie verlaeuft wirklich von Gipfel zu Gipfel. Teilweise sind Treppenstufen eingearbeitet wenns so richtig steil wird bei Steigungen ueber 45 Grad. Nach ner guten Stunde herumkraxeln stiessen wir schliesslich auf eine Gruppe Chinesen, die so ungefaehr das 5fache von Michis Fotoausruestung herumtrugen. Sie waren wie wir aus dem Tal zu einem Wachturm gestiegen, um von dort aus 4 Stunden lang nichts als Fotos zu machen.
Michi konnte sich ausgiebig ueber Digitalfotographie unterhalten und auch sonst waren die Jungs sehr gespraechig. Vier fon ihnen waren Studenten und konnten recht gut Englisch. Die meisten Chinesen sind schon mit 22 fertig mit dem Studium (Bachelor), so sollte auch einer aus der Photogruppe naechsten Monat seinen Job bei einem Kohlekraftwerks-Unternehmen anfangen. Ich haette mir ihn auch ganz gut in der 11ten Klasse vorstellen koennen, aber das Alter der Asiaten richtig einschaetzen wird wohl nie so gut klappen wie bei uns Europaern. Ein anderer der vier war Politikstudent auf einer Hochschule des Aussenministeriums. Bei ihm hatte die kommunistische Gehirnwaesche richtig gut funktioniert und so konnten wir mal die offizielle chinesische Linie zu Produktfaelschungen, Menschenrechten und Umweltpolitik hoeren. War ganz interessant aber auf Argumente konnte der Kerl leider gar nicht eingehen.
Schnell war klar, dass wir mit der Guppe im Auto zurueckfahren konnten, was unsere Rueckreise erheblich vereinfachte. Beim Abstieg ins Tal konnte der Michi dann auch mal erfahren, was es heisst, auf Fotosuechtige zu warten :-). Die Chinesen mussten echt alle 50 Meter stehenbleiben. Ihr koennt euch nicht vorstellen was los war als ploetzlich die Wolken aufrissen und so ein romantischer Sonnenstrahl auf den Wald neben der Mauer fiel...
Bevor es dann nach Hause ging, wurden wir noch zum Essen eingeladen. Mal wieder Glueck gehabt, nicht nur wegen dem gesparten Geld. Es gab viele leckere Sachen, die wir alleine wohl niemals haetten bestellen koennen.
Vorgestern wollten wir eigentlich die Verbotene Stadt anschauen, zeitlich hat es aber nicht ganz gereicht, sodass wir uns mit dem Jingshan Park und dem Platz des himmlischen Friedens begnuegen mussten. Im Park gibt es einen kuenstlichen Huegel, aufgeschuettet aus dem Abraum der kuenstlichen Seen und dem 50m breiten Wassergraben um die verbotene Stadt. Dieser Berg war lange Zeit der hoechste Punkt Pekings und bot also auch uns einen tollen Ausblick. Ansonsten gleichen sich die Parks hier mehr oder weniger: Viele kleine und groessere Pavillions und Haeuschen, zwischendrin Beete, Wasserlaeufe oder kleine Waldstuecke. Auf den nicht wenigen Rasenflaechen ist - nichts. Die Chinesen haben irgendwie ziemlich Respekt davor, vielleicht liegts an den unmengen Uniformierten, gerade hier um den den Platz des himmlischen Friedens herum.
Ueberhaupt waren wir ueberrascht, dass in einem Land, das sich ja selbst als Entwicklungsland bezeichnet und das laut einem Nachwuchs-Parteisoldaten (zu dem spaeter mehr) erstmal alle Leute satt kriegen muss, bevor es woanders investieren kann, soviel Geld fuer unnuetz rumstehende Leute hat. An jeder Kreuzung stehen vier Einweiser, im Stadtzentrum kommen noch alle paar Meter strammstehende Soldaten (fast haette ich Kindersoldaten geschrieben, so sehen sie naemlich aus) dazu. Das wars aber noch nicht: Jedes noch so unwichtige Gebaeude hat einen Wachdienst, In Banken laufen staendig knueppelschwingene Waechter herum und gucken den Kunden beim Warten zu. Jaja, Arbeit ist wohl echt billig hier. Nach dem Parkbesuch wars dann schon vier und verbotene Stadt hatte nur noch eine Stunde offen. So sind wir also gleich zum Platz d. h. F. gefahren. Auf dem Weg dorthin wurden wir gleich mehrfach von Jugendlichen in ungewoehnlich gutem Englisch angesprochen. Beim ersten Mal waren wir noch etwas skeptisch, die drei Maedels waren irgendwie bissl aggressiv in ihrer Art, mit uns noch was trinken gehen zu wollen. Wir also weiter und 100 Meter spaeter treffen wir ein Paerchen, angeblich auf Sommerurlaub bei der Tante.
Man will ja offen sein und nicht in jedem gleich den naechsten Nepper sehen. Also sagen wir nicht nein zu ner Tasse Tee in der Altstadt. Bis zur naechsten Attraktion auf unserem Sightseeing-Plan, dem Flaggeeinholen auf dem Platz d. h. F., ist noch genug Zeit. Ums kurz zu fassen: Der Weg zum Teahouse ist doch doppelt so lang wie versprochen, und die vielen uns gezeigten Geschaefte auf dem Weg dahin lassen uns langsam misstrauisch werden. Endlich angekommen sollen wir dann ploetzlich eine Teezeremonie machen, mit 6 Tees a 3 Euro. Wir geben uns mit nur einem Tee zufrieden und nachdem alle Ueberzeugungsversuche scheitern ("Die Gelegenheit zur Teezeremonie kriegen wir hier nur alle vier Jahre mal.") solls auch noch Raummiete kosten. Da waren wir dann ganz schnell draussen. Obwohl wir ja nicht wirklich Geld verloren haben sind wir doch erstmal enttaeuscht, mit wem soll man hier denn noch ohne Angst zu haben, fuenf Minuten spaeter verarscht zu werden, ein nettes Gespraech fuehren koennen?
Zurueck auf dem Platz .... passiert ES dann endlich zum ersten Mal: Ein schuechterner Chinese fragt mich ob wir nicht mal ein Foto mit mir machen koennen. Das ganze passiert dann noch zweimal in den naechsten 1,5 Stunden. Mit meiner Groesse und den ziemlich langen blondern Haaren faellt man hier schon auf. Obwohl Europaer staendig im Fernsehen auftauchen werden wir nicht selten wie die Mondkaelber angeschaut. Sogar hier in der Hauptstadt! Ueber den Platz selbst gibts eigentlich nicht so viel zu berichten. Er ist angeblich der weltweit groesste Platz und umrahmt von allerlei repraesentativen Prachtbauten wie dem Mao-Museum oder dem Volkskongress, dem chinesischen Moechtegernparlament.
Um kurz nach sieben, puenktlich zum Sonnenuntergang ist es dann soweit: Die 50 groessten Soldaten kommen aus dem Tor des himmlischen Friedens (das Gebaeude mit dem beruehmten Mao-Portrait), ueberqueren die eigens gesperrte Hauptstrasse und marschieren
mit 117 Schritt pro Minute zur chinesischen Flagge. Dort drueckt dann der mit dem laengsten Schwert auf einen Knopf und wartet bis die Flagge elektrisch zu Boden geht. Ein anderer packt das gute Stueck dann ziemlich gestenreich ein und die Gruppe marschiert mit ihrer Beute zurueck ins Tor. Die Massen von Chinesen waren von dem Spektakel sichtlich beeindruckt. Da frage ich mich schon wie sehr sie sich wirklich fuer den ueberall gezeigten Nationalstolz begeistern. Trotz dem meist nur angedeutenden Unmut ueber fehlende Menschenrechte sind wohl nicht wenige von der Wichtigkeit eines starken China ueberzeugt.
Gestern dann war das Muss einer jeden Chinareise dran, die Mauer. Dieses Bauwerk haelt wohl so ziemlich alle Rekorde wie Groesse, Volumen, Masse etc. Wahrscheinlich ist es aber auch in den Kategorien wie am "meisten eingesetzte Sklaven" oder "am meisten Tote durch den Bau" ungeschlagen.
Um den tausenden Touristen und den gesalzenen Preisen der Agenturen zu entgehen haben wir uns den Abschnitt in Huanghua ausgesucht. Die Busfahrt mit oeffentlchen Bussen kostete nur ein zehntel der Touristen-Tour, dafuer kann man sich nie so ganz sicher sein am richtigen Ziel auszusteigen. Auf den Bildern seht ihr ein restauriertes Stueck der Mauer. Sie verlaeuft wirklich von Gipfel zu Gipfel. Teilweise sind Treppenstufen eingearbeitet wenns so richtig steil wird bei Steigungen ueber 45 Grad. Nach ner guten Stunde herumkraxeln stiessen wir schliesslich auf eine Gruppe Chinesen, die so ungefaehr das 5fache von Michis Fotoausruestung herumtrugen. Sie waren wie wir aus dem Tal zu einem Wachturm gestiegen, um von dort aus 4 Stunden lang nichts als Fotos zu machen.
Michi konnte sich ausgiebig ueber Digitalfotographie unterhalten und auch sonst waren die Jungs sehr gespraechig. Vier fon ihnen waren Studenten und konnten recht gut Englisch. Die meisten Chinesen sind schon mit 22 fertig mit dem Studium (Bachelor), so sollte auch einer aus der Photogruppe naechsten Monat seinen Job bei einem Kohlekraftwerks-Unternehmen anfangen. Ich haette mir ihn auch ganz gut in der 11ten Klasse vorstellen koennen, aber das Alter der Asiaten richtig einschaetzen wird wohl nie so gut klappen wie bei uns Europaern. Ein anderer der vier war Politikstudent auf einer Hochschule des Aussenministeriums. Bei ihm hatte die kommunistische Gehirnwaesche richtig gut funktioniert und so konnten wir mal die offizielle chinesische Linie zu Produktfaelschungen, Menschenrechten und Umweltpolitik hoeren. War ganz interessant aber auf Argumente konnte der Kerl leider gar nicht eingehen.
Schnell war klar, dass wir mit der Guppe im Auto zurueckfahren konnten, was unsere Rueckreise erheblich vereinfachte. Beim Abstieg ins Tal konnte der Michi dann auch mal erfahren, was es heisst, auf Fotosuechtige zu warten :-). Die Chinesen mussten echt alle 50 Meter stehenbleiben. Ihr koennt euch nicht vorstellen was los war als ploetzlich die Wolken aufrissen und so ein romantischer Sonnenstrahl auf den Wald neben der Mauer fiel... Bevor es dann nach Hause ging, wurden wir noch zum Essen eingeladen. Mal wieder Glueck gehabt, nicht nur wegen dem gesparten Geld. Es gab viele leckere Sachen, die wir alleine wohl niemals haetten bestellen koennen.

Get firefox !!
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3 Kommentare:
Oi! Da habt ihr aber noch mal Glueck gehabt, dass ihr so guenstig weggekommen seid! Gerrit hat es gleich viel teurer erwischt und man andere kommen aus diesen Tee-Sessions nicht unter 100 Euro raus.
So traurig wie das ist, aber eigentlich kann man keinen Chinesen trauen, die einen auf der Strasse anquatschen und zu Teesessions, zu Kunstausstellung etc. einladen. Es geht dann doch immer nur um Abzocke. Sehr zu empfehlen: Lonely Planet Abschnitt "Gefahren und Aergernisse" - das bewahrt euch vor solchen Erlebnissen, besonders auch in Indien etc.
Von
Angela, Am/um
29. August 2007 um 12:23
ich glaub angi gewinnt den award für die meisten kommentare ;-)
(schon sehnsucht nach dem bloggen?)
Von
Martin, Am/um
29. August 2007 um 23:38
Die hat alles schon erlebt!
Von
Anonym, Am/um
30. August 2007 um 09:27
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